Göppingen: Otaku Store fünf Jahre alt In der Welt der Dämonen

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Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Kay Stöcker verkauft Mangas, also japanische Comics, in ihrem eigenen Laden. Dieser lockt inzwischen auch Kunden von weither in die Stadt unter dem Hohenstaufen.

Kay Stöcker verkauft in ihrem Otaku Store auch T-Shirts mit Comicaufdrucken. Foto: Rudel
Kay Stöcker verkauft in ihrem Otaku Store auch T-Shirts mit Comicaufdrucken. Foto: Rudel

Göppingen - Sie sind mal bunt, mal schwarz-weiß, mal handeln sie von Liebe, mal von Krieg, mal von Welten voller Magie, mal vom einfachen Alltagsleben – aber ­immer stecken sie voller Fantasie und sind kunstvoll gezeichnet: die japanischen Comics, genannt Manga. Die Eislingerin Kay Stöcker ist den gezeichneten Geschichten schon als Kind verfallen. Mit 24 Jahren hat die Sammlerin ihr Hobby zum Beruf gemacht und ihren Otaku Store eröffnet. Otaku ist die japanische Entsprechung des besser bekannten amerikanischen Ausdrucks „Nerd“ – Menschen, die ganz für ihr Hobby leben, häufig Computer- und Comicfans.

Stöcker verkauft japanische Geschenkartikel, Süßigkeiten und vor allem eine ­unübersehbare Menge unterschiedlichster Mangas, Comics und Graphic Novels. Am Samstag feiert sie das fünfjährige Bestehen ihres Geschäfts, wie es sich für einen solchen Laden gehört: mit Zeichnern, Musikern, Comicfans und jedem, der sonst noch mitfeiern möchte.

Ihr erster Comic war Mickey Mouse

„Ich habe eigentlich schon immer ­Comics gesammelt“, erzählt die 29-Jährige gut gelaunt und streicht mit der Hand über die vielen Bände in ihrem Laden. Angefangen habe die Leidenschaft mit dem wohl bekanntesten Comic überhaupt: „Mickey Mouse“. Den ersten Manga hielt sie als etwa Neunjährige in der Hand und war sofort begeistert – heute ist es ihr ein bisschen peinlich zuzugeben, dass gerade Sailor Moon ihre Liebe zu den Mangas begründet hat. Die Geschichten um das etwas schrille, aber herzensgute Schulmädchen Bunny, oder Sailor Moon, kennen viele als Serie aus dem Kinderprogramm. Animé heißen die bewegten Bilder bei den Japanern.

An Sailor Moon habe ihr sofort gefallen, dass die Heldin stets gegen das Böse kämpfe und in allem etwas Gutes entdecke, erzählt Stöcker. „Das ist überhaupt bei allen Mangas das Tolle, man kann immer etwas für sich daraus mitnehmen“, findet sie. So gebe es nicht nur Helden- oder Liebesgeschichten, sondern beispielsweise auch Geschichten zu Alltagsthemen, etwa zu Mobbing oder Einsamkeit. „Da findet also auch ein eher introvertiertes Kind etwas, mit dem es sich auseinandersetzen kann“, sagt sie. Sie selbst liest heute am liebsten Mangas mit Fantasiegeschichten, zurzeit die Serie „The Sacred Blacksmith“, in der es um Dämonenschwerter geht, zwei Nationen, die um diese streiten und einen Helden, der zu vermitteln versucht.

Der älteste Kunde ist 72 Jahre alt

Die Menschen, die in den Otaku Store kommen, sind so unterschiedlich wie die Mangas dort. „Mein jüngster Kunde ist acht, mein ältester 72“, sagt Stöcker. Im Durchschnitt seien die Fans zwischen zehn und 22 Jahre alt, ein Kunde reise ab und zu aus Halle an, jüngst sei ein neuer Kunde aus Heidenheim da gewesen. Manche interessierten sich vor allem für die Geschichten, andere seien vor allem von den kunstvollen Zeichnungen begeistert.

Wenn Eltern die Begeisterung ihres Nachwuchses für die Bildgeschichten ablehnen, fragt Stöcker sie stets, „ob ihnen Zeichentrickserien im Fernsehen wie ‚Heidi‘ oder ‚Biene Maja‘ gefallen haben, als sie klein waren. Viele wissen nämlich gar nicht, dass die auch aus Japan kommen.“ Außerdem sage sie den Eltern immer, dass es doch besser sei, wenn ihre Kinder überhaupt etwas lesen würden. Das überzeuge die meisten, erzählt sie lachend.

Eigener Lieferservice für den Kreis Göppingen

Obwohl ihr Otaku Store klein ist, kann Kay Stöcker mittlerweile von den Einnahmen leben. Dazu hat sich die IT-Kauffrau einiges einfallen lassen: Ihre Produkte verkauft sie längst weltweit im Internet, und wer aus dem Kreis Göppingen kommt und es besonders eilig hat, kann ihren Lieferservice nutzen: Wer bis mittags bestellt, ­bekommt sein Produkt noch am Abend zugestellt – Stöcker fährt die Bestellungen nach Ladenschluss aus.

„Wir sind im Kreis Göppingen schneller als Amazon“, schmunzelt sie. Dass sie für den Erfolg den größten Teil ihrer Zeit im Laden verbringt, stört Stöcker nicht. „Ich habe auch noch andere Interessen, aber wer so etwas macht, muss eben ein Stück weit dafür leben – mir macht das Spaß, deshalb habe ich es ja angefangen.“ Dann setzt sie sich an ihren Schreibtisch neben der Kasse und beginnt zu zeichnen. Eine Mangafigur für den nächsten Werbeflyer.