Göppingen Shopping-Mall: Chaos statt neuem Dialog

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Die Investoren fürchten wegen des Wahlkampfes unfaire Kritik im Gemeinderat. Deshalb haben sie eine Einladung in das Gremium zunächst abgesagt und große Empörung unter den Stadträten ausgelöst.

Die Baustelle kommt nicht so recht voran. Foto: StZN
Die Baustelle kommt nicht so recht voran. Foto: StZN

Göppingen - Ausgerechnet jetzt, drei Wochen vor der Kommunalwahl, lädt die Stadt Göppingen die Investoren, die auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhaus Frey eine Shopping-Mall bauen wollen, in den Gemeinderat ein. Dabei fordern die Stadträte schon seit Monaten mehr Informationen zu dem vor sich hin dümpelnden 100-Millionen-Euro-Projekt. Doch den Investoren ist der öffentliche Termin so kurz vor der Wahl zu heiß. Sie befürchten, im Wahlkampf zerrieben zu werden und haben den Termin deshalb zunächst abgesagt – und damit unbeabsichtigt einen Großteil des Gremiums brüskiert.

Investoren fürchten harsche Kritik

Für die Investoren kam die Einladung am Freitag offenbar nicht nur sehr kurzfristig, einzelne Stadträte warnten sie auch, ihr zu folgen. Schließlich bestehe so kurz vor der Wahl die Gefahr, dass manche Kommunalpolitiker das öffentliche Gespräch dazu nutzen könnten, sich auf Kosten der Investoren zu profilieren.

Aus Sorge vor zu viel öffentlicher Kritik an ihrem ohnehin schwierigen Bauprojekt, sagten die Investoren den Termin ab. Die Angst vor negativen Schlagzeilen scheint groß zu sein – zumal erst kürzlich bekannt wurde, dass der Mediamarkt sich nun doch nicht in dem Einkaufszentrum einmieten wird. Um dennoch Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, luden die Bauherren die Stadt und die Fraktionen zu einem nicht-öffentlichen Gespräch am Mittwochabend in ein Nebenzimmer des Stadthallenrestaurants ein.

Flut von Absagen für Investoren

Doch viele Stadträte betrachten das als Affront – und als weiteren Hinweis darauf, dass den Investoren nicht so recht zu trauen sei. „Es hat so viele Anläufe zu Gesprächen gegeben, da ist es jetzt einfach Zeit für eine öffentliche Information im Gremium“, sagt etwa Wolfram Feifel (FWG). Der SPD-Chef Armin Roos pflichtet ihm bei: Das Thema gehöre nicht in ein Hinterzimmer, sondern in den Gemeinderat. Der Grünen-Chef Christoph Weber betont, seine Fraktion wünsche sich bei dem Thema vor allem eines: Transparenz.

Am Dienstagnachmittag hatten die meisten Fraktionen einschließlich des Oberbürgermeisters Guido Till den Termin in der Stadthalle deshalb abgesagt. Allein die CDU und die Grünen waren sich noch nicht sicher, wie sie in der Sache verfahren sollten.

Die Investoren wiederum, alarmiert von der Flut von Absagen, haben am Dienstag ein neues Schreiben mit dem nächsten Kommunikationsversuch an die Stadtspitze und an die Fraktionsvorsitzenden geschickt. Darin kündigen sie an, nun doch in den Gemeinderat zu kommen. Allerdings könne aus Termingründen nur einer der Bauherren erscheinen. Am Mittwoch seien hingegen alle zusammen in der Stadthalle, um die Kommunalpolitiker vorab ausführlich nicht-öffentlich über das Projekt zu informieren.