Göppingen Sie wollen einfach nur zusammen tanzen

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18 junge Hip-Hop-Tänzer, Behinderte und Flüchtlinge machen an diesem Samstag auf dem Marktplatz gemeinsame Sache. Sie stehen für die Gleichstellung Behinderter auf der Bühne – und sind in bester Gesellschaft.

Ein buntes Trüppchen wirbt mit einem Auftritt am Samstag auf dem Marktplatz für die Gleichstellung Behinderter. Foto: StZ
Ein buntes Trüppchen wirbt mit einem Auftritt am Samstag auf dem Marktplatz für die Gleichstellung Behinderter. Foto: StZ

Göppingen - Arina ist zehn Jahre alt, lebt seit neun Monaten in der Sammelunterkunft in der Göppinger Pappelallee und hat noch nie getanzt – bis jetzt. Jetzt probt sie mit der zwölfjährigen Smilla, die seit zwei Jahren in einer Hip-Hop-Gruppe mittanzt und der neunjährigen Antonia, die bereits Erfahrung in einer Ballettschule in Geislingen gesammelt hat, für einen großen Auftritt an diesem Samstag auf dem Göppinger Marktplatz. Dass Arina aus dem Irak stammt, dass Antonia behindert ist – für die Kinder spielt das keine Rolle. Sie wollen einfach zusammen tanzen. „Es macht Spaß und ich mach’ es gut“, fasst Antonia ihre Sicht der Dinge zusammen.

Kinder aus allen Schichten angesprochen

Die Kinder sind Teil eines integrativen Tanzprojekts, für das sich Mitarbeiter der Lebenshilfe, des Haus der Familie und der Tanzschule Schwehr zusammengeschlossen haben. Zusammengekommen sind die unterschiedlichen Partner über die 20-jährige Sara Abramo, die bei der Lebenshilfe ein Freiwilliges Soziales Jahr macht und bei der Tanzschule Schwehr jeden Donnerstag Hip-Hop-Tanzkurse anbietet.

„Wir haben überlegt, was wir zusammen am Gleichstellungstag zusammen machen könnten, und das ist das Ergebnis“, erzählt Martina Braun von der Lebenshilfe und deutet auf die 18 Kinder zwischen sieben und 13 Jahren, die am Donnerstag in einem der Säle der Tanzschule gemeinsam ihre Schritte üben. „Uns war wichtig, dass bei dem Projekt auch wirklich ganz unterschiedliche Kinder mitmachen können“, erläutert Braun. Und so habe Abramo bei ihren Schülern nachgefragt, wer Lust habe, sich zu beteiligen, die Lebenshilfe habe für das Projekt geworben, das Haus der Familie ebenso und man habe Flyer in der Pappelallee verteilt. Dadurch ist eine bunte Mischung von Kindern aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen und mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten herausgekommen – ganz im Sinne des Gleichstellungstags, dessen Motto in diesem Jahr lautet „Inklusion von Anfang an“.

Die Kleinen konzentrieren sich aufs Tanzen

Mit so komplizierten Begriffen wie „Gleichstellung“ oder „Inklusion“ halten sich die Kinder freilich nicht lange auf. Sie sind vollauf damit beschäftigt, zur Musik der Jackson Five und verschiedener aktueller Hip-Hop-Gruppen übers Parkett zu wirbeln, zur rechten Zeit am rechten Platz zu stehen oder im Getümmel ihre Tanzpartner auszumachen.

Immer wieder lässt Abramo die Kleinen am Donnerstag erneut antreten, um die Choreografie zu üben. Und auch wenn nach mehreren Durchgängen noch nicht jeder Schritt sitzt, Antonia bei einer schwungvollen Drehung auf den Boden purzelt und einer der jungen Tänzer versehentlich seinen Partner anrempelt, eines klappt bereits perfekt: Die Kinder strahlen wie die Honigkuchenpferde. Und das wohl nicht nur, weil Abramo den Kindern vor der Probe empfohlen hatte, beim Tanzen immer zu lächeln, damit die Zuschauer am Samstag sehen können, dass sie zusammen Spaß auf der Bühne haben.

Buntes Programm auf dem Marktplatz

Gleichstellungstag:
An diesem Samstag verwandeln Gruppen der Behindertenhilfe den Göppinger Marktplatz von 10 Uhr an in einen kleinen Rummelplatz. Es gibt Stände mit Infos, Mitmachaktionen und eine Showbühne. Die jungen Tänzer sind um 10 Uhr dran, gefolgt von der Band Neuroleptica (10.30 Uhr), den Happy Singers (12.30 Uhr) und der Band Staubstumm (13 Uhr).

Partner:
Der Veranstalter ist das Netzwerk Alle Dabei. Dazu gehören die Lebenshilfe, Viadukt e.V., Stiftung Haus Lindenhof, Diakonie Stetten, Kreisverein leben mit Behinderung, Kreisjugendring, VHS Göppingen, Pro Familia, Bodelschwinghschule Göppingen/Geislingen, Arbeits- und Lebensgemeinschaft Bad Boll, Casanova Rechberghausen und andere.




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