Das innerstädtische Einkaufszentrum, Staufen-Galerie, soll kommen - auch ohne den bisherigen Hauptinvestor Sonae Sierra.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Göppigen - Das Einkaufszentrum in der Göppinger Bleichstraße wird gebaut, obwohl einer der drei Investoren diese Woche ausgestiegen ist. Auch zu zweit lasse sich das Projekt stemmen, haben die Vertreter der beiden verbliebenen Investoren, Stefan Woyde von der Entwicklungsgesellschaft Acrest Property und Simon Schenavsky, dessen Familie das Frey-Center und damit ein Drittel des geplanten Areals in der Bleichstraße gehört, nach einem Treffen mit dem Oberbürgermeister Guido Till (parteilos) versichert. "Wir werden jetzt durchstarten", sagte Woyde.

Till reagierte erleichtert. Wegen des Ausstiegs des international tätigen Investors Sonae Sierra habe er befürchtet, dass es "zu deutlichen Störungen" kommen könne, sagte er. Dies habe sich nicht bestätigt. Bei den Verhandlungen über den städtebaulichen Vertrag seien die Stadt und die Investoren sogar einen großen Schritt vorangekommen. Die wesentlichen Punkte des auf 110 Millionen Euro taxierten Projekts seien geklärt. Das Ergebnis könne im März dem Gemeinderat vorgelegt werden. Es gebe lediglich noch "Kleinigkeiten der Juristerei" zu klären, sagte Schenavsky.

Kurz vor Weihnachten schon war es zwischen Sonae Sierra auf der einen sowie Arcrest Property und Schenavsky auf der anderen Seite zum Zerwürfnis gekommen. Die beiden Partner wollten nur Kasse machen, erklärte der Sonae-Sierra-Chef Thomas Binder. Die Gegenseite klagte darüber, von dem Branchenriesen, dem in Europa und Brasilien knapp 50 Einkaufszentren gehören, nur hingehalten zu werden. Diese Woche nun hatte Sonae Sierra erklärt, einen -vorläufigen- Schlussstrich unter sein Millionen-Engagement in Göppingen zu ziehen.

"Zurzeit verfolgen wir das Projekt nicht weiter", ließ das Unternehmen mitteilen. Damit habe man die Konsequenz aus der "Kündigung der Kaufoption für das Grundstück des Frey-Centers durch den Verkäufer" gezogen. Zwar hatte Simon Schenavsky das Grundstück seiner Familie in das gemeinsame Projekt einbringen wollen. Dennoch war eine Kaufoption mit Sonae Sierra vereinbart worden.

Eröffnung verschiebt sich um ein halbes Jahr

Sie lief zum Jahresende aus, war auf Wunsch des Oberbürgermeisters Till jedoch zunächst verlängert worden, um Sonae Sierra zu ermöglichen, das Projekt alleine weiterzuverfolgen. Nachdem sich das Unternehmen aber bis zum 10. Januar nicht gemeldet habe, habe Schenavsky die Geduld verloren und die Option gekündigt, erklärte Andreas Schweickert, der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft der EWS-Arena, der auch für Schenavsky und Acrest Property arbeitet.

"Ich denke, dass wir jetzt in einer Konstellation zusammenarbeiten, die es uns erlaubt, flexibler und schneller zu sein", sagte Schenavsky. In den nächsten Monaten wartet auf die Partner viel Arbeit. So müssen jetzt die übrigen Grundstücke gesichert werden, auf denen Kaufhof, Baby-Waltz, Schlecker, Westado und ein Parkhaus untergebracht sind. "Die Vertragsentwürfe liegen vor. Wir müssen sie jetzt endverhandeln und abschließen", sagte Schenavsky. Auch mit dem dänischen Fonds, dem das C&A-Gebäude gehört, wolle man noch einmal sprechen.

Hier waren die Kaufverhandlungen im Herbst für gescheitert erklärt worden. Das Projekt lasse sich aber auch ohne dieses Grundstück verwirklichen. An die übrigen vom Gemeinderat formulierten Eckpunkte fühle man sich weiterhin gebunden, sagte Schenavsky. Dies gelte insbesondere für den vereinbarten Fassadenwettbewerb. Im Sommer des kommenden Jahres soll mit der Umgestaltung des in die Jahre gekommenen Zentrums Bleichstraße zur Staufen-Galerie begonnen werden, sagte Woyde, der Vertreter von Acrest Property. Die Eröffnung würde sich damit um ein halbes Jahr auf den April des Jahres 2015 verschieben.

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