Göppingen VW Käfer fahren ist ein Lebensgefühl

Von Sabine Riker 

Das Kultauto ist beim Sommerfest des VW-Käfer-Teams in Lenglingen in zig Variationen zu bestaunen. Original restaurierte Wagen finden sich neben Fahrzeugen, die die Schrauber mit viel Fantasie zu Monster- oder Rennkäfern umgebaut haben.

Die Innenausstattung des alten VW Käfers beschränkt sich auf das Nötigste. Doch das spartanische Cockpit lässt auch Kinderherzen höher schlagen. Foto:  
Die Innenausstattung des alten VW Käfers beschränkt sich auf das Nötigste. Doch das spartanische Cockpit lässt auch Kinderherzen höher schlagen. Foto:  

Göppingen - Zugegeben, die Männer sind beim Sommerfest des Göppinger VW-Käfer-Teams am Wochenende in Lenglingen leicht in der Überzahl. Doch die Frauen lassen sich nun wirklich nicht mehr als dekoratives Beiwerk auf die Beifahrerplätze verweisen. Diana Fleck und Leonie Schmidt, packen selbstverständlich mit an, wenn es darum geht, den Käfer aufzumotzen oder zu reparieren. Zur Not auch bei minus 15 Grad, wie Robin Bauer und Jannik Hartberger erzählen, denen die VW-Käfer gehören, von denen hier die Rede ist.

Das Quartett beweist darüber hinaus, dass sich die Leidenschaft für das Kultauto nicht auf die älteren Jahrgänge beschränkt. Robin Bauers Käfer hat 50 Jahre auf dem Buckel und ist damit fast doppelt so alt wie er. Dem Automechaniker, der von Berufs wegen Oldtimer repariert, hat es besonders die „primitivere“ Technik des Käfers angetan. Den Tag über habe er genug mit hochgezüchteten Fahrzeugen zu tun, das wolle er dann abends nicht auch noch, erzählt er. „So ein alter Käfer ist eher ein Lebensgefühl“, sagt er. „Er macht saumäßig Spaß beim Fahren.“

Häkelhülle für das Ersatzrad

Das Sommerfest auf einer Wiese bei Lenglingen ist nicht zu verfehlen. Aus allen Himmelsrichtungen kommen VW Käfer, Variant oder Bullis angetuckert. Manche Fahrer haben sogar den Weg von Österreich oder der Schweiz auf sich genommen. Mit dem typischen rollernden Sound biegen die Autos auf den schmalen Feldweg ein, der steil hinabführt auf die Wiese, auf der auch ein Festzelt steht. Kaum haben die Chauffeurinnen und Chauffeure schwungvoll eingeparkt, werden sie von der Käfer-Fangemeinde in Empfang genommen. Es wird gefachsimpelt und gescherzt.

„Wir sind eine große Gemeinschaft“, sagt Susanne Schmechel aus Pirmasens. Sie nennt einen grasgrün lackierten VW-Bus T 2 aus dem Jahr 1979 ihr eigen. Als sie das Fahrzeug vor fünf Jahren entdeckte, verliebte sie sich sofort in den Bulli. „Der sieht doch lieb aus“, schwärmt sie. Recht hat sie. Die in einem dunkleren Grün gehaltene Stoßstange ist mit Kleeblättern verziert, das Ersatzrad unter der Windschutzscheibe umgibt eine bunte gehäkelte Hülle, im Innern geben sich Wim und Wum und die Mainzelmännchen die Ehre – die Siebziger lassen grüßen.

Der laute Motor ist Musik für die Ohren

1976 hat sich das VW-Käfer-Team aus einer Stammtischlaune heraus gegründet. „Damals fuhren wir alle Käfer“, erinnert sich das Gründungsmitglied Hans-Martin Reiser, der sich mit seiner langen, grauen Matte und dem mit der Band Deep Purple bedruckten T-Shirt auch auf einem Motorrad gut machen würde. Ihm ging es vor allem darum, seine Käfer zu „optimieren“, sprich: zu frisieren. Es sei ein ewiger Kampf mit dem Tüv gewesen, die Veränderungen eingetragen zu bekommen, erzählt er. Offenbar hatte er das Geschick, alle Hürden zu überwinden. Denn mit einem seiner aufgemotzten Käfer konnte er mit 200 Sachen über die Pisten heizen.

Den Team-Vorsitzenden Alexander Eckardt reizt Schnelligkeit dagegen überhaupt nicht. Der 49-Jährige freut sich jetzt schon, mit seinem 66er-Käfer, den er gerade restauriert, gemütlich über die Autobahn zu tuckern. Auch der Motorlärm im Innern störe den Fahrspaß nicht, behauptet er. „Das Laute ist doch das Schöne, das ist Musik in meinen Ohren.“