Göppingen Wohin mit dem ganzen Verkehr?

Ist der Kreisverkehr in Rechberghausen zu klein und deshalb ein Verkehrshindernis? Gutachter sagen  Nein. Foto: Michael Steinert
Ist der Kreisverkehr in Rechberghausen zu klein und deshalb ein Verkehrshindernis? Gutachter sagen Nein. Foto: Michael Steinert

Rechberghausen wünscht sich eine Ortsumfahrung, Göppingen befürchtet, dass es dafür am Ende die Zeche zahlen muss. Seit Monaten wird in beiden Kommunen heftig debattiert. Doch die Entscheidung fällen andere.

Regionales: Karen Schnebeck (ks)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Rechberghausen/Göppingen - Über die Konsequenzen aus dem zunehmenden Verkehr auf der B 297 wird im Kreis Göppingen immer heftiger debattiert. Immerhin, in einem sind sich die Anlieger der Bundesstraße – von Göppingen über Rechberghausen bis Wäschenbeuren – einig. Das Lenkungskonzept des Stuttgarter Regierungspräsidiums für den Schwerlastverkehr auf den Schurwaldhöhen hat vor sechs Jahren zwar viele Schurwaldgemeinden entlastet, aber mehr Lastwagen auf ihre eigenen Straßen gelenkt. Aus Sicht der Anlieger zahlen sie die Zeche dafür, dass die meisten Verbindungen vom Fils- ins Remstal für Lastwagen über zwölf Tonnen gesperrt wurden.

Tatsächlich ist die B 297 seither, von der schmalen Landstraße über Adelberg abgesehen, weit und breit die einzige Verbindung der Täler für den Schwerlastverkehr. Nun scheint der Versuch, ihre Verkehrsprobleme vor Ort in den Griff zu bekommen, die Kommunen an der Strecke zu entzweien. Vor allem zwischen Rechberghausen und Göppingen hat sich der Ton verschärft. Denn Rechberghausen wünscht sich eine Umfahrung, die den Ort von Staus befreit. Kurze Zeit sah es so aus, als könnte dieser Wunsch eines Tages in Erfüllung gehen: Im Entwurf für den neuen Regionalverkehrsplan, den die Regionalversammlung am Mittwoch verabschieden soll, war eine solche Umfahrung eingezeichnet.

Göppinger befürchten nur Nachteile für sich

Doch das brachte die Göppinger auf die Palme, die befürchten, von einer solchen Lösung nur Nachteile zu haben. Zum einen, weil ein Teil der Umfahrung über Felder und Wiesen führen sollte, die zum Göppinger Stadtgebiet gehören; zum anderen, weil man befürchtet, dass eine komfortable Umfahrung noch mehr Autofahrer anlocken könnte, die dann die Göppinger Straßen, allen voran die stark belastete Lorcher Straße, zusätzlich verstopfen würden.

Weil die Göppinger auf die Barrikaden gingen, wurde die Umfahrung aus dem Entwurf gestrichen, dann aber auf einen Antrag der Freien-Wähler-Fraktion in der Regionalversammlung doch wieder aufgenommen, allerdings ohne konkreten Streckenverlauf. Und mit dem Hinweis, dass eine Umfahrung nicht über Göppinger Gemarkung führen solle. Die Freien Wähler im Gemeinderat sind nun sauer auf ihre Kollegen im Regionalparlament. Zumal man in der Stadt bezweifelt, dass eine solche Umfahrung realisierbar wäre.

Rechberghausens Bürgermeisterin strebt gemeinsame Lösung an

In Göppingen schimpft man seither ungehemmt über die Rechberghäuser. Sie hätten ihr Verkehrsproblem selbst verursacht, weil der Kreisverkehr in der Ortsmitte zu klein sei und den Verkehrsfluss hemme. Dabei hat ein Gutachten bereits 2016 gezeigt, dass der Kreisel nicht zu klein ist, sondern schlicht zu viele Fahrzeuge dort durchmüssen. Ein Ausbau würde den Gutachtern zufolge nichts ändern.

Die Rechberghäuser Bürgermeister Claudia Dörner hofft deshalb, dass man bald zur Sachpolitik zurückkehrt, statt in den jeweiligen Gremien zu schimpfen. Im Grunde, so sagt sie, habe sie ein gutes Verhältnis zum Göppinger Oberbürgermeister Guido Till. Sie hoffe, dass sie sich demnächst mit ihm zu einem Gespräch treffen könne, um nach einer Lösung zu suchen, die für alle Kommunen an der Bundesstraße tragbar sei. „Wir müssen bei dem Thema alle an einem Strang ziehen“, fordert sie.

Till hat stets ein Gesamtkonzept gefordert

Ihr Plan sieht vor, den Verkehr in der Ortsmitte von Rechberghausen zählen zu lassen. Die Zahlen will sie dem Regierungspräsidium vorlegen, um das Thema Schurwaldquerungen neu zu verhandeln. Denn letztlich bestimmt nicht die Regionalversammlung, wie es mit der B 297 weitergeht, sondern der Bund. Das Regierungspräsidium ist die zuständige Behörde. Ein Freie-Wähler-Mitglied aus dem Kreis resümiert entsprechend, die Aufregung über die Umfahrung sei unverständlich. Der Eintrag im Regionalverkehrsplan sei in erster Linie dazu gedacht gewesen, auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Dörner müsste bei Till eigentlich offene Türen einrennen. Denn auch der Göppinger Rathauschef hat stets bemängelt, dass ein vernünftiges Gesamtkonzept für den Verkehr in der Region fehle und der Verkehr stets nur von einer Ecke in die andere verdrängt werde.




Unsere Empfehlung für Sie