Bei der Handball-Frauen-WM im Jahr 2017 sollen auch in Göppingen Spiele stattfinden. Das ist die Hoffnung der Frisch-Auf-Verantwortlichen. Doch die Konkurrenz ist groß. Allein in Württemberg gibt es fünf Bewerber.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Göppingen - Im Jahr 1972 haben in Göppingen schon einmal Spiele des olympischen Handballturniers stattgefunden. Jetzt soll die EWS-Arena wieder Schauplatz eines großen Turniers werden. In Kooperation mit Frisch Auf und der Stadt bewirbt sich die Betreibergesellschaft der Arena für die Ausrichtung von Spielen der Frauen-Handball-Weltmeisterschaft 2017. Abgabeschluss ist der 15. Mai. „Unser Ziel ist es, Spielort einer Vorrundengruppe zu werden“, sagt der Hallen-Geschäftsführer Mario Kreh. Dies würde der Stadt fünf Spieltage mit je drei Spielen sichern. Sechs Teams aus Europa, Asien oder Afrika würden rund um den Hohenstaufen Quartier nehmen.

Die Konkurrenz ist stark

Als der Deutsche Handball Bund (DHB) den Zuschlag für die WM erhielt, war er ohne Konkurrenz. Ganz so einfach wird es Göppingen nicht haben. Vor allem „die Schiene BerlinLeipzig ist stark“, schätzt Kreh. Doch auch im eigenen Württembergischen Handball Verband (WHV) hat ein wahres Tauziehen eingesetzt.

Mit Stuttgart und Ludwigsburg trafen sich die Göppinger in dieser Woche zum Koordinationsgespräch. Dabei wurde vereinbart, dass sich die Landeshauptstadt um Achtel- und Viertelfinalspiele, die beiden anderen um Vorrundengruppen bemühen. „Das passt besser zu den Vorgaben“, sagt Kreh. Allerdings käme Göppingen von der Zuschauerkapazität auch für die Hauptrunde in Frage. Dort wünscht sich der DHB 5000 Plätze, in der Vorrunde sind es 3000. „Das muss man das erst einmal füllen“, sagt der Manager der Frisch-Auf-Herren, Gerd Hofele. Im handballverrückten Göppingen sei dies allerdings möglich.

Plötzlich tauchen zwei weitere Interessenten auf

Doch inzwischen haben auch Bietigheim-Bissingen und Ulm beim WHV um das obligatorische Unterstützungsschreiben gebeten. „Wir sehen uns als wichtigen Handballstandort“, sagt die Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen, Anette Hochmuth. Momentan sind die Bietigheimer sowohl bei den Herren als auch bei den Damen erstklassig. Das schaffen sonst nur Berlin – und eben Göppingen.

„Wir unterstützen grundsätzlich alle Bewerbungen“, sagt der Verbandsmanager Thomas Dieterich. Ein Viertel der Bundesligisten im Damenbereich stamme aus dem Verbandsgebiet, deshalb komme der DHB kaum am WHV vorbei. Die Präferenz des Verbands liege dabei auf dem Raum Stuttgart, was offenbar nicht gegen Göppingen, wohl aber gegen Ulm spricht. Genau genommen liege die dortige Halle auf bayerischem Grund, sagt Dieterich.

Der OB spricht von einer „geilen Kiste“

Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till ist bereits begeistert. „Das ist eine geile Kiste“, sagt er. Der finanzielle Aufwand sei überschaubar, versprach er dem Gemeinderat. „Wir stellen eigentlich nur die Halle.“ Ganz so einfach wird es aber nicht. „Wir werden ein Mediendorf und zusätzliche Umkleidekabinen schaffen müssen“, sagt Hofele. Und auch Tills Optimismus, man könne sich mit einer guten Frauen-WM als Spielort für die folgende Männer-WM qualifizieren, teilt er nicht. 2019 sei man Co-Veranstalter mit Dänemark. Da dürfte der Süden kaum eine Chance haben.

Fünf Konkurrenten aus dem Schwabenland

Die Landeshauptstadt geht mit ihrer Porsche-Arena ins Rennen. Die im Jahr 2006 eröffnete Halle fasst bei Handballspielen 6100 Zuschauer und kostete 31 Millionen Euro. Momentan trägt dort der Zweitligist TV Bittenfeld einzelne Spiele aus. Zu einem richtigen Bundesligisten hat es Stuttgart im Hallensport bisher nicht gebracht.

Die MHP Arena (5325 Plätze) am Ludwigsburger Bahnhof wurde 2009 eröffnet und kostete 21 Millionen Euro. Sie ist Spielstätte des Basketball-Bundesligisten MHP Riesen, allerdings kommen auch die Handballer der SG BBM Bietigheim für etwa die Hälfte ihrer Bundesligaspiele in die Nachbarstadt.

Seit ihrem Umbau 2007 bis 2009 heißt die Hohenstaufenhalle in Göppingen EWS-Arena. Sie fasst 5600 Zuschauer, der Umbau kostete 16,8 Millionen Euro. In der Halle bieten sowohl die Herren als auch die Damen von Frisch Auf Erstligahandball.

Die Ege-Trans-Arena in Bietigheim wurde im Jahr 2012 eröffnet und ist eigentlich als Eisstadion der Steelers bekannt. Allerdings kann sie mit geringem Aufwand auch in eine Handballspielstätte umgewandelt werden, was die SG BBM Bietigheim für einen Teil ihrer Männerspiele nutzt. Sie fasst 4583 Zuschauer und kostete 18 Millionen Euro.

Die Ratiopharm-Arena liegt eigentlich in Neu-Ulm und damit in Bayern. Sie ist seit 2011 die Heimspielstätte des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm. Ihr Bau kostete 28 Millionen Euro. Sie bietet 6200 Plätze.

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