Göppinger Kulturcafé Wüste Lehrer und Lüstewehrer

Zwei Worte genügen Fischer, um komplexe Sachverhalte zu kommentieren Foto: Rudel
Zwei Worte genügen Fischer, um komplexe Sachverhalte zu kommentieren Foto: Rudel

Was auch passiert, Patrick Fischer spießt die Ereignisse gekonnt mit seinen Wortspielen auf. In Göppingen hat der Wortverdreher aus dem Nähkästchen geplaudert.

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Göppingen - Weltberühmt sei er in Göppingen, haben seine Freunde gewitzelt, als sie von seinem Engagement beim Göppinger Kulturverein Odeon hörten. Und damit womöglich des Pudels Kern getroffen. Denn die Wortspielereien Patrick Fischers sind, wenn schon nicht weltberühmt, so doch zumindest im süddeutschen Raum ziemlich bekannt, erscheinen sie doch in schöner Regelmäßigkeit im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Und der verantwortliche Redakteur ist heilfroh, für sein „Gemischtes Doppel“, wie die Rubrik heißt, einen so versierten Wortverdreher gefunden zu haben, wie den Berufsschullehrer aus der Gegend von Waldshut.

Zwei Jahresrückblicke hat Patrick Fischer für das Magazin schon schüttelreimend bestritten, und sein Name leuchtet nach wie vor hinter immer wieder hinter dem Gemischten Doppel auf. Am Sonntag war der gebürtige Schwäbisch Gmünder zu einem Plauderstündchen im Kulturcafé im Göppinger Alten E-Werk zu Gast.

Fünf Prozent Inspiration

Die Kunst des Wortverdrehens scheint ein zutiefst weiblicher Wesenszug zu sein, denn zu der kurzweiligen Veranstaltung im Alten E-Werk fanden sich vor allem Frauen ein, die sich dann auch flugs auf eine Wellenlänge mit Patrick Fischer einschwangen. Treffsicher komplettierten sie die Vorgaben des Wortspielprofis. Klar, aus Brotart kann nur Bratort werden. Nur leider mussten sie bei der Frage passen, was denn nun ein Bratort sei. Fischer blieb die Antwort nicht schuldig. Auf der Leinwand leuchtete das Foto einer Frau im Solarium auf. „Hätte ich gewusst, dass so viele Damen kommen, hätte ich natürlich einen Mann in das Solarium gelegt“, flachste er.

So leichtfüßig die Wortpaare daherkommen, so schwierig ist es, sie zu fabrizieren. Schließlich sollen die Begriffe einen Sinn ergeben. Fünf Prozent seiner Einfälle seien Inspiration, der Rest Transpiration, verriet Fischer. Es sei auch keinesfalls so, dass er nur noch in Wortdrehern spreche, wie eine Frau im Alten E-Werk vermutete. „Das geht nicht, wenn man unterrichtet, sonst nehmen einen die Schüler nicht mehr ernst.“ Das wichtigste Handwerkszeug in Fischers Werkstatt ist der Duden. In ihm sucht der 42-Jährige oft stundenlang nach viel versprechenden Begriffen, die er sich dann notiert. „Das kann dann schon mal eine DIN-A-4-Seite sein, bis ich etwas Passendes gefunden habe“, sagte er.

Die Wortspiele treffen immer ins Schwarze

Umso erstaunlicher ist es, dass es Patrick Fischer gelungen ist, für das Magazin der Süddeutschen die Rückblicke für die Jahre 2010 und 2011 mit seinen Wortdopplern zu bestreiten. Egal, was sich auf der politischen oder gesellschaftlichen Bühne auch tat, er traf mit seinen Doppeln genau ins Schwarze. So bezeichnete er den italienischen Ex-Staatschef Berlusconi als „funny man“. Über dem dazugehörigen Wortspiel „money fan“ prangt ein Foto des Bundespräsidenten Wulff. Auch für den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche fand Fischer den richtigen Dreh: aus „wüste Lehrer“ kreierte er zu einem Foto eines strahlenden Papstes Benedikt den Begriff „Lüstewehrer.“

Die Quelle sprudelt noch immer

So entlarvend die Wortspiele sein können, zur Kommentierung mancher Ereignisse verbieten sie sich. Das Schiffsunglück vor der italienischen Küste etwa. Das sei kein Fall für ein Doppel, befand die Süddeutsche-Redaktion. Seit 2004 gibt es die Rubrik, die allen Lesern offensteht. Vor vier Jahren hat Fischer das Begriffspaar „Hummerzange – Hammerzunge“ eingesandt. Unzählige Wortdreher folgten, und die Quelle sprudelt noch immer, was nicht zuletzt ihren Urheber wundert. „Ich dachte nach ein, zwei Jahren ist das vorbei.“

Längst hat das Gemischte-Doppel-Virus Fischers Kollegen erfasst. Auch in Göppingen grassiert es nun. Inspiriert von den Wortdrehern des Könners versuchte sich das Publikum im Alten E-Werk an eigenen Doppeln – mal sehen, wer es ins Magazin der Süddeutschen schafft.




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