Göppinger Landrat schlägt Alarm Notaufnahme an der Belastungsgrenze

Die Notaufnahme des Alb-Fils-Klinikums in Göppingen arbeitet seit Monaten an der absoluten Belastungsgrenze. Foto: Giacinto Carlucci

Landrat Markus Möller fordert von der Kassenärztlichen Vereinigung längere Öffnungszeiten der Notdienstpraxis im Landkreis Göppingen, um die Notaufnahme zu entlasten.

Die Notaufnahme des Alb-Fils-Klinikums in Göppingen arbeitet seit Monaten an der Belastungsgrenze. Das schreibt das Göppinger Landratsamt. Im Jahr 2024 wurden dort erstmals mehr als 50 000 Patientenkontakte gezählt – durchschnittlich mehr als 130 pro Tag. Ein großer Teil dieser Patientinnen und Patienten wird in der Notaufnahme ambulant behandelt. Damit übernehme die Notaufnahme Aufgaben, die eigentlich in den Verantwortungsbereich der niedergelassenen Ärzteschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung fallen.​

 

Der Göppinger Landrat Markus Möller fordert deshalb von der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), Doris Reinhardt, eine Verbesserung der ambulanten Notfallversorgung im Landkreis Göppingen. Konkret fordert er in einem Schreiben eine Ausweitung der Öffnungszeiten der Notdienstpraxis im Landkreis, um die zentrale Notaufnahme des Alb-Fils-Klinikums spürbar zu entlasten. „Wir erleben täglich, dass Patientinnen und Patienten mangels alternativer ambulanter Anlaufstellen den Weg ins Krankenhaus wählen – oft mit Anliegen, die durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte hätten versorgt werden können“, erklärt Landrat Markus Möller.​

Der Landkreis sei gesetzlich ausschließlich für die stationäre Gesundheitsversorgung zuständig. Tatsächlich trage er jedoch zunehmend auch Kosten für die ambulante Versorgung, weil diese in der Praxis häufig in der zentralen Notaufnahme des Klinikums erfolgt. „Diese strukturelle Fehlentwicklung belastet nicht nur das Klinikpersonal und gefährdet auf Dauer die Patientensicherheit, sondern führt auch zu erheblichen Mehrkosten für den Landkreis“, so Möller weiter. „Ich sehe nicht ein, warum der Landkreis Göppingen mittelbar Aufgaben der ambulanten Versorgung finanzieren sollte. Jeder muss seiner Verantwortung gerecht werden.“ Das Alb-Fils-Klinikum kündigte für die kommenden Tage eine Stellungnahme zu der Thematik an. ​

Die Situation verschärft sich durch die stark eingeschränkten Öffnungszeiten der KV-Notdienstpraxis im Landkreis. Konkret spricht sich Möller für eine Erweiterung der Öffnungszeiten der Notdienstpraxis aus – orientiert an den geplanten gesetzlichen Vorgaben im Rahmen der Reform der Notfallstrukturen, mindestens jedoch an den Öffnungszeiten von Notdienstpraxen in Nachbarlandkreisen. Selbst eine aktuell von der KVBW in Aussicht gestellte Erweiterung der Öffnungszeiten am Wochenende würde noch deutlich hinter den Regelungen in den Nachbarlandkreisen zurückbleiben. Unter der Woche bleibt die Praxis derzeit geschlossen. „Auch wenn sich die gesetzlichen Vorgaben derzeit noch im Entwurfsstadium befinden, wäre eine frühzeitige Anpassung der Öffnungszeiten im Sinne der Entlastung der Notaufnahmen sinnvoll. Nur funktionierende ambulante Strukturen können die Notaufnahme nachhaltig entlasten“, betont Möller.​

Forderung: bessere telefonische Erreichbarkeit

Darüber hinaus fordert der Landrat eine bessere telefonische Erreichbarkeit des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter der Nummer 116 117, um unnötige Wege in die Notaufnahme zu vermeiden. Außerdem regt er eine enge Zusammenarbeit mit der KVBW bei einem geplanten Modellprojekt an: dem sogenannten „gemeinsamen Tresen“. Dieses Konzept sieht eine zentrale Ersteinschätzung der eintreffenden Patientinnen und Patienten vor, um sie je nach Dringlichkeit entweder in die Notaufnahme oder in die benachbarte KV-Notfallpraxis zu leiten. Vergleichbare Modelle werden in anderen Regionen bereits erfolgreich umgesetzt und könnten auch im Kreis Göppingen für mehr Effizienz und Entlastung sorgen.​

Geplante Reform der Notfallversorgung

Reform
Die Reform der Notfallversorgung war bereits ein Thema, das bei der letzten Krankenhausreform diskutiert wurde. Geplant war der flächendeckende Aufbau von integrierten Notfallzentren an den Standorten von Krankenhäusern sowie die Nutzung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter der Telefonnummer 116 117. Hier soll erfahrenes Fachpersonal entscheiden, ob der Patient ein Notfall ist beziehungsweise wie die weitere Behandlung erfolgen soll. Also eine Art Lotsenfunktion. ​

Klinik
Bei der Planung des Neubaus der neuen Klinik in Göppingen wurde im Eingangsbereich eine Fläche für ein integriertes Notfallzentrum freigehalten.

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