Weil es im Naturkundlichen Museum Göppingen keine Heizung gibt, muss es von November bis April schließen. Die Stadt müsste für die Sanierung tief in die Tasche greifen.

Region: Corinna Meinke (com)

Göppingen - Alle Jahre wieder schließt das Naturkundliche Museum Göppingen seine Tore, wenn es eigentlich interessant wird. Weil es in dem Haus keine Heizung gibt, muss das Museum samt der Informationsstelle Geopark Schwäbische Alb für fünf Monate zu Beginn der Schmuddelwettersaison schließen, die sich für Museumsbesuche besonders gut eignet. Dieser unwürdige Zustand hält schon seit Jahrzehnten an, weil die Kommune kein Geld für die Sanierung in die Hand nimmt.

 

Es mangelt am Willen zur Investition

Von Sonntag, 3. November, an ist das Museum geschlossen, und die Fossilien, Vögel und Schmetterlinge, für die das völlig untypisch ist, fallen bis April in den Winterschlaf. Diese Zwangspause ist nicht biologischer, sondern rein monetärer Natur. „Es ist eine Frage des Haushaltsvolumens,“ umschreibt der Baubürgermeister Olav Brinker die mangelnde Investitionsfreude der Kommune beim Umgang mit ihren Baudenkmälern. Auch beim Göppinger Stadtmuseum Storchen, der guten Stube zur Stadtgeschichte, hat es Jahre bis zur Sanierung gedauert. Derzeit verbaut die Stadt dort immerhin geschätzte 1,8 Millionen Euro, das Geld fließt in den modernen Brandschutz. Die Kosten für die Neukonzeption der Sammlung werden auf eine weitere halbe Million Euro taxiert.

Das älteste Gebäude der Stadt modert vor sich hin

So günstig wird die Sanierung im Naturkundlichen Museum wohl kaum ausfallen, zumindest nicht, wenn man es als Doppelpack betrachtet. Immerhin ist das imposante Gebäude aus dem Jahr 1610 als ehemalige Badherberge gleich neben dem noch älteren Badhaus von den Freiherrn von Liebenstein errichtet worden. Dieses so genannte Alte Badhaus gilt als das älteste Gebäude in der Stadt. Schon vor Jahren wurde der Sanierungsaufwand auf sechs bis acht Millionen Euro geschätzt. Seinen Willen zur Sanierung hatte der Gemeinderat bereits im Jahr 1987 in einem Beschluss dokumentiert. Passiert ist allerdings fast gar nichts, außer Arbeiten an der Bestandssicherung am Dach und an der Fassade, um den Hausschwamm zu vertreiben.

Die Fossilien müssen im Winter vor Frost geschützt werden

Das Museum in der ehemaligen Badherberge präsentiert seit 1970 Natur und Geologie der Schwäbischen Alb und den Schwäbischen Vulkanismus. Das Herzstück der ständigen Ausstellung ist die Fossiliensammlung des Eislinger Theologen Theodor Engel. Weil diese Kostbarkeiten vom Frost zerstört werden könnten, landen sie in den Wintermonaten komplett im Magazin, das mit einer provisorischen kleinen Heizung ausgestattet ist. Die Bausubstanz wird seit mehr als zehn Jahren mit Korsettstangen notdürftig geschützt, sonst würden Mauerstücke aus dem Fachwerk fallen.