Göppinger Schüler gegen Mobbing Stolpersteine gegen die Ausgrenzung

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Mobbing und Diskriminierung sind die modernen Formen der Ausgrenzung. Dagegen wenden sich die Schüler am Göppinger Mörikegymnasium. Den Ausschlag hat die Beschäftigung mit Judenschicksalen gegeben.

Die Idee der Stolpersteine haben Schüler des Göppinger Mörikegymnasiums aufgegriffen, um ihre Gedanken zu Ausgrenzung ins Bild zu setzen. Foto: Ines Rudel
Die Idee der Stolpersteine haben Schüler des Göppinger Mörikegymnasiums aufgegriffen, um ihre Gedanken zu Ausgrenzung ins Bild zu setzen. Foto: Ines Rudel

Göppingen – Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst,“ rät Melanie, und Simon fragt: „Kennst du das Gefühl, wenn du wegen deines Äußeren gemobbt wirst?“ Die Siebtklässler im Göppinger Mörikegymnasium haben ihre Gedanken zum Thema Mobbing in Form von Stolpersteinen für den Schulhof gestaltet. Dazu dienen Kartons, die groß genug sind, damit ihre Mitschüler im übertragenen Sinn über sie stolpern können. Das war eine von vielen Aktionen zum ersten Projekttag gegen Ausgrenzung, den die Schule veranstaltet hat.

Eine Schule ohne Rassismus und mit Courage

„Diese Themen brennen uns sehr auf den Nägeln“, sagt der Rektor Georg Arnold und beschreibt die Motivation des Kollegiums. Das Mörikegymnasium möchte sich auf dem Feld des sozialen Engagements profilieren, auch weil die soziale Kompetenz einer Schule für Eltern zunehmend wichtiger wird, lässt der Rektor Arnold durchblicken. Viele Impulse dazu kommen von der Schülermitverantwortung, SMV. Seit Jahren organisieren die Mädchen und Jungen eine große Aktion gegen Diskriminierung und beteiligen sich am Projekt Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage.

So kam es auch zum ersten Projekttag gegen Ausgrenzung. Daran haben sich alle Klassen beteiligt. In der gesamten Schule gab es eine Vielzahl an Angeboten. Neuntklässler ließen sich von gehörlosen und sehbehinderten Menschen ihre Schwierigkeiten im Alltag schildern und waren verblüfft, mit welchen Hilfsmitteln diese ihr Leben meistern. Dazu zählt zum Beispiel der Farbenscanner für Sehbehinderte und Blinde, der akustisch Auskunft über die jeweilige Farbe gibt und bei der Auswahl der Garderobe hilfreich sein kann.

Das Schicksal von Inge Auerbacher war der Auslöser

Auslöser für das spannende Themenfeld war der Besuch von Inge Auerbacher im vergangenen Schuljahr. Auerbacher, die in Jebenhausen bei Göppingen geboren wurde, ist das einzige jüdische Kind in ganz Württemberg, welches die Deportationen der Nationalsozialisten überlebte. Das bewegende Schicksal hat die Schulgemeinschaft erneut ermutigt, Ausgrenzungen aller Art entgegenzutreten und sich immer und überall für die Menschenwürde einzusetzen, sagte Arnold.

Neben Erinnerungen an den Nationalsozialismus in Göppingen haben sich die Schüler auch mit aktuellen rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft beschäftigt. Sie analysierten Filme, formulierten eigene Gedanken in Schreibwerkstätten oder spielten Theater. So wie die Oberstufenschüler in der Kursstufe zwei.

Gruppenzwang lässt zu Markenklamotten greifen

In zwei kleinen Szenen thematisierten sie Ausländerfeindlichkeit und Gruppenzwänge, die zum Ausschluss führen, wenn sich Schüler anders kleiden und anders stylen als der Rest. „Klamotten machen keinen anderen Menschen aus jemand“, behauptet Nicole, und Carolin erzählt, dass inzwischen bereits Achtjährige mit einem iPad herumlaufen und scharf auf Markenklamotten seien. Für sie in der Kursstufe seien diese Mechanismen nicht mehr so wirkungsvoll, weil sie erwachsener damit umgehen könnten und sich die Gruppenzwänge mit der Aufhebung des Klassenverbandes abschwächten, waren sich die 17- bis 18-Jährigen einig.

Fairplay lässt sich bei Ballsportarten besonders gut einüben

In der Turnhalle konnten die Jüngsten an der Schule, die Fünftklässler, ihre theoretischen Erörterungen zum Fairplay beim Fußball ausprobieren, wobei sich Ballspiele wegen ihres umfangreichen Regelkatalogs besonders gut dafür eignen. Am Mörikegymnasium kommen die Unterstufler in den Genuss von vier statt nur drei Sportstunden pro Woche. Das tut ihrem Bewegungsdrang und Kraftüberschuss gut, erläuterte der Pädagoge Markus Benz und fügte hinzu, davon profitierten vor allem auch die Mädchen, die später in der Pubertät kaum noch zu mobilisieren seien, wenn sie nicht im Verein aktiv sind.




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