Göppinger Software-Anbieter Schwieriges Börsendebüt für Teamviewer

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Der Börsengang des Göppinger Software-Anbieters ist in diesem Jahr der bislang größte in Europa. Insgesamt hat die Firma Aktien im Volumen von zwei Milliarden Euro platziert. Doch der Handelsstart verläuft holprig.

Teamviewer-Mitarbeiter  auf dem Börsenparkett in Frankfurt Foto: dpa/Andreas Arnold
Teamviewer-Mitarbeiter auf dem Börsenparkett in Frankfurt Foto: dpa/Andreas Arnold

Frankfurt - Unter großem Jubel von rund 300 Mitarbeitern ist die Göppinger Technologiefirma Teamviewer am Mittwoch an die Börse gegangen – doch schon kurz nach dem Parkettdebüt ging es mit dem Aktienkurs bergab. Die erste Transaktion erfolgte noch exakt zu dem Preis, zu dem die Aktien vorab an Investoren ausgegeben worden waren: 26,25 Euro. Danach gab der Kurs des neuen Titels mit dem Kürzel TMV in einem insgesamt schwierigen Börsenumfeld um bis zu fünf Prozent nach, konnte die Verluste im Laufe des Vormittags aber eingrenzen.

Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) und andere wichtige europäische Kursbarometer notierten im Minus. Sie folgten damit den Vorgaben aus Asien und den USA. Dort hatten die oppositionellen Demokraten am Dienstag angekündigt, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump zu prüfen, was den Abwärtstrend an der Wall Street beschleunigte.

Nummer zwei auf der Liste der Börsengänge weltweit

Als Erfolg kann Teamviewer den Ausgabepreis von 26,25 Euro für die rund 84 Millionen verkauften Aktien verbuchen. Daraus ergibt sich ein Emissionsvolumen von 2,2 Milliarden Euro, der Börsengang ist damit in diesem Jahr der bislang größte in Europa. In einem weltweiten Ranking der Unternehmensberatung EY steht das Parkettdebüt des schwäbischen Software-Anbieters auf Platz fünf. „Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben, und ihr solltet stolz auf euch sein“, rief Teamviewer-Vorstandschef Oliver Steil den Mitarbeitern zu, die mit Glöckchenklingeln und Sekt im Handelssaal der Frankfurter Börse feierten.

Der Erlös aus dem Teamviewer-Börsengang fließt in die Kassen der Beteiligungsgesellschaft Permira, die den schwäbischen Software-Anbieter vor fünf Jahren gekauft hatte. Mit einem Aktienanteil von rund 58 Prozent bleibt Permira aber Mehrheitseignerin der Firma. Teamviewer stellt Software für die Fernwartung von Computern, zur Fernsteuerung von Maschinen und für Online-Konferenzen her.

800 Mitarbeiter weltweit

Das 2005 in Göppingen gegründete Unternehmen beschäftigt rund 800 Mitarbeiter weltweit. Bislang wurden gut 360 000 Software-Abos an Geschäftskunden verkauft. Die Nutzerzahl ist aber weit höher, weil Teamviewer für Privatleute kostenlos ist. Weltweit wurde die Software bereits auf zwei Milliarden Geräten installiert. Für das laufende Jahr strebt das Unternehmen Umsätze von mehr als 300 Millionen Euro an.

„Als wir vor fünf Jahren bei Teamviewer eingestiegen sind, war die Firma nur wenigen bekannt, obwohl sie damals schon das drittgrößte Software-Unternehmen in Deutschland war“, erinnerte sich Jörg Rockenhäuser, der Deutschlandchef von Permira.

Auch Hauke Stars aus dem Vorstand der Deutschen Börse wertete den Aufstieg von Teamviewer als ermutigendes „Beispiel dafür, was innovative deutsche Unternehmer mit einer Vision schaffen können“. Die Idee für die Software stammt allerdings von einem Mann, der schon lange nicht mehr dabei ist: Gründer Tilo Rossmanith hat Teamviewer 2009 verkauft.