Göppinger Wohnbaugesellschaft greift in die Kasse 500 Mietwohnungen in fünf Jahren

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In Göppingen ist das Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen knapp bemessen. Die städtische Wohnbaugesellschaft will Abhilfe schaffen und nimmt rund 70 Millionen Euro in die Hand, um in den nächsten fünf Jahren 500 Wohnungen zu bauen.

Bereits im Bau: Volker Kurz mit dem Modell der Wohnungen im Bodenfeld Foto: Rudel/Archiv
Bereits im Bau: Volker Kurz mit dem Modell der Wohnungen im Bodenfeld Foto: Rudel/Archiv

Göppingen - Die Einwohnerzahlen der Stadt Göppingen wachsen wieder. Das freut zwar die Kommunalpolitiker und den städtischen Kämmerer, weil die zusätzlichen Köpfe reichlich Geld in die Kasse bringen, doch für viele neue Bürgerinnen und Bürger in spe ist dieses Wachstum ein echtes Problem. Denn günstige Wohnungen sind in der Hohenstaufenstadt immer schwerer zu finden. So sind statt der rein rechnerisch im vergangenen Jahr notwendigen 800 neuen Wohnungen seit dem Jahr 2006 pro Jahr durchschnittlich nur 113 Wohnungen gebaut worden.

Die Stadt und ihre Tochter, die Wohnbau Göppingen, haben deshalb eine Bau­offensive gestartet: In den kommenden fünf Jahren will die Wohnbau für rund 70 Millionen Euro alles in allem 500 neue Mietwohnungen bauen. Danach, so der Wohnbau-Chef Volker Kurz, werde man schauen, wie es auf dem Markt aussehe. Immerhin seien auch andere Wohnbauunternehmen zurzeit in der Stadt aktiv, die Flüwo aus Stuttgart etwa.

Die neuen Wohnungen sollen über die Stadt verteilt werden

Im ersten Schritt werden für 25 Millionen Euro etwa 190 Mietwohnungen gebaut. Zurzeit seien knapp 160 davon bereits im Bau, oder aber in der Planung so weit fortgeschritten, dass die Bagger demnächst anrollen könnten, berichtet Kurz. Die Standorte verteilen sich über die gesamte Stadt: Es handelt sich um Grundstücke, viele davon sind Baulücken, die im Besitz der Stadt oder der Wohnbau sind. In der Innenstadt ist das im Bereich der Vorderen und Mittleren Karlstraße sowie in der Lange Straße, im Bodenfeld in der Fuchseckstraße, in der Brückenstraße und in der Maybachstraße sowie in der Hattenhofener Straße in Bezgenriet und in der Waldeckstraße in Richtung Jebenhausen.

Bereits laufende Projekte wie das sogenannte Familienwohnen im Bodenfeld oder die Apostelhöfe sind dabei nicht mitgerechnet. Bei den Apostelhöfen handelt es sich zwar ausschließlich um Eigentumswohnungen. Beim Familienwohnen im Bodenfeld entstehen in den Häusern allerdings auch einzelne Mietwohnungen.

Im zweiten Schritt sollen unter anderem neue Wohnungen im Gaisrain und im Bürgerhölzle entstehen. Zudem gebe es Verhandlungen mit privaten Eigentümern für Bauprojekte an weiteren Stellen in der Stadt, sagt Kurz. „Wir versuchen, die neuen Wohnungen über die ganze Stadt zu verteilen. Aber das dauert noch ein bisschen.“ Neben neugebauten Wohnungen sei auch der Ausbau bestehender Gebäude und die Sanierung von bestehenden Wohnungen geplant, sagt der Wohnbau-Chef. Schließlich sei dies die günstigste Art, Wohnraum zu schaffen und zu erhalten.

Die Stadt hat ihr Stammkapital bereits deutlich erhöht

Die Wohnungen sollen laut Kurz auch für Familien mit geringerem Einkommen geeignet sein. Geplant sei, neben Zwei-Zimmer-Wohnungen auch Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen zu bauen, die nicht die üblichen 90 Quadratmeter, sondern nur 70 Quadratmeter umfassten. „Da muss man sich zwar vom Platz etwas einschränken, dafür ist die Miete auch deutlich geringer.“ Weil die Wohnbau keine Wohnung plane, die nicht mindestens dem KfW-50-Standard entspreche, sei auch der Energieverbrauch überschaubar, was den Mietern bei den Kosten ebenfalls entgegen komme.

Um die Bau-Offensive zu finanzieren, stockt die Stadt das Stammkapital von bisher 21 Millionen Euro des Unternehmens um 5,5 Millionen Euro auf. Ein Teil der Summe wird über städtische Grundstücke erbracht, die die Wohnbau dann nicht kaufen muss. Auch die anderen Anteilseigner werden voraussichtlich mehr Geld einbringen. Geplant sind weitere 500 000 Euro. Der Finanzausschuss des Kreises hat dem Kreistag jüngst empfohlen, dem Plan zuzustimmen. Auch die Volksbank hat bereits Zustimmung zu dem Plan signalisiert.

Vermietung, Sanierung und nun auch Städtebauprojekte

Die Wohnbau Göppingen gehört zu fast 95 Prozent der Stadt Göppingen, den Rest teilen sich der Landkreis und die Volksbank. Sie wurde gegründet, um günstigen Wohnraum zu schaffen. Inzwischen engagiert sie sich aber auch in der Stadtplanung und bei Städtebauprojekten. Das Unternehmen besitzt rund 1850 Mietwohnungen und 100 Gewerbeeinheiten.

Neben Großprojekten wie den Apostelhöfen hat sich die Wohnbau Göppingen in den vergangenen Jahren vor allem mit der Sanierung ihres Bestands beschäftigt. Vor allem Wohnungen aus den 1960er-Jahren seien inzwischen wieder gefragt – sofern sie entsprechend saniert seien, sagt der Wohnbau-Chef Volker Kurz. In der Göppinger Südstadt etwa hat die Wohnbau rund acht Gebäude auf den aktuellen energetischen Stand gebracht.

Bürgerhölzle
Das größte Projekt des Unternehmens überhaupt war das „Bürgerhölzle“ Die Sanierung und Vermietung von 450 Wohnungen, die vom Bund übernommen worden waren, war eine Mammutaufgabe, die inzwischen aber abgeschlossen ist




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