Götz Alsmann im Theaterhaus Ein Rhythmus, bei dem jeder mitmuss

Spitze Zunge, tolle Tolle: Götz Alsmann im Theaterhaus Foto: Martin Kemeter

Götz Alsmann und seine Band haben am Samstag die 35. Theaterhaus Jazztage eröffnet – ausgerechnet mit Schlagersongs.

Mit dem Schlager ist das so eine Sache. Die einen sagen, er hieße deshalb so, weil er Leute in die Flucht schlage. Andere zitieren Walter Benjamin, der postulierte: „Der Schlager besiegelt als Nachfolger der Operette die Verklärung der Dummheit durch die Musik.“ Für Tucholsky war am Schlager alles echt, „weil es so wunderschön falsch ist“.

 

An der Schnittstelle von Schlager und Jazz

Götz Alsmann hat keinerlei Probleme mit dem Schlager, er bleibt ihm gewogen und treu, ein Leben lang. Nun steht der 67-Jährige auf der Bühne und eröffnet am Samstagabend – ausgerechnet er, der Schlagersänger – die 35. Theaterhaus Jazztage. Der große Saal: voll besetzt. Der Altersdurchschnitt: hoch. Der Mann: ein Publikumsmagnet. Seine Beliebtheit verdankt er einem knitzen Humor, seiner spitzen Zunge, der tollen Tolle, seinem astreinen Gesang und dem gefälligen Klavierspiel.

Alsmann hat das Publikum schnell auf seiner Seite. Foto: Martin Kemeter

Mit seinem ebenfalls adrett gekleideten und tadellos funktionierenden Quartett verbreitet Alsmann Hochstimmung im Saal. An der Schnittstelle von Schlager und Jazz, mit honigsüßen Harmonien und Rhythmen im Peter-Kreuder-Takt, mit Foxtrott, Slow-Fox oder Cha-Cha-Cha kriegt Alsmann das Publikum. Die witzigen Erzählungen, in aberwitzigen Tempo von Conférencier Alsmann vorgetragen, handeln von Halbstarken, die er in der Adenauer-Zeit beobachtet hat, oder von Besuchen beim Münsteraner Herrenfriseur. Großes Gelächter.

Sie wollen dieses Singen und Swingen genießen

Das Generalthema der Schlager und Chansons jedoch ist die Nacht. Und der Morgen danach. Tröstlich heißt es in einem der schönsten Lieder des Abends: „Auf Liebesleid folgt Liebesfreud“. In der schlichten Poesie des Schlagers sind Wahrheiten aufgehoben, in denen sich viele Menschen wiederfinden. Und die werden flott und swingend präsentiert. In einem Rhythmus, bei dem jeder mitmuss.

Geschlagene zwei Stunden goutiert das Publikum Schlager – als Auftakt von Jazztagen. Keine Ängste, keine Sorgen, nein, man will dieses Singen und Swingen genießen, über die Späße des Entertainers da oben auf der Bühne lachen. Über Honorarprofessor Dr. Alsmann, bei dem man nie so recht weiß, ob er es ernst meint oder ironisch. Die Menschen im Saal jedenfalls wollen raus aus der Vereinzelung, raus aus dem Alltag, sie möchten miteinander lachen und zusammen applaudieren. Soll man das doch Eskapismus nennen und harmlos finden, denken sie, heute ist uns das mal so was von egal.

Weitere Themen