Götz Wendlandt wird 90 Jahre alt Ein Leben im Takt der Musik

Seinen Lebensrhythmus gibt die Musik vor: Götz Wendlandt, bekannt aus Funk, Fernsehen und dem Oscar`s, wird 90 Jahre alt. Foto: Ines Rudel

Götz Wendlandt musste sich in den kargen Kriegs- und Nachkriegsjahren durchboxen. Später ist er vor Gunter Sachs und Tina Onassis, bei der Ratesendung „Dalli Dalli“ und im Oscar’s in Esslingen aufgetreten. Nun wird der Berufsmusiker 90 Jahre alt.

Einen Computer hat er nicht. Nur ein Handy. Und ein Keyboard. Das steht zwar in einer Ecke seiner Wohnung in Stuttgart-Vaihingen, doch es ist der Mittelpunkt seines Lebens. Er spielt täglich darauf. Ohne Musik geht gar nichts. Sie war immer da. Die Töne haben Götz Wendlandt stets begleitet – bei seinen Konzerten vor Promis, seinen Auftritten in der Ratesendung „Dalli Dalli“, seinen Liveevents im Oscar’s in Esslingen. Gespielt und gesungen hat er viel. Die Melodien seines eigenen Lebens waren gemischt – harmonisch und dissonant, klangvoll und schräg, getragen und vibrierend. An diesem Freitag, 12. Mai, feiert er seinen 90. Geburtstag – in einem Restaurant in einem Esslinger Stadtteil.

 

Es waren neun Jahrzehnte im Takt der Musik. Nach einem Auftritt in den 1970er Jahren in St. Moritz, so erzählt der rüstige Senior, kamen drei Herren zu ihm: „Können Sie Y. M. C. A. von den Village People spielen?“. Natürlich konnte er. Den Song hatte er im Programm. Das reichte als Empfehlung aus. Er wurde für den Silvesterabend engagiert. Auftraggeberin war Christina Onassis, Tochter des Reeders Aristoteles Onassis und eine eingefleischte Liebhaberin des Songs „Y. M. C. A.“. Mehr als 20 Mal musste Götz Wendlandt den Disco-Hit an diesem Abend spielen. Kein Problem für den Musik-Profi – zumal die Gage fürstlich ausfiel.

Versuche am klapprigen Klavier

Die Rhythmik hat er in seiner DNA. Dennoch waren Kindheit und Jugend des in Berlin Geborenen keine reine Sinfonie: „Es gab viel Hunger.“ Mehr sagt der sonst so Auskunftsfreudige dazu nicht. Doch über seine beruflichen Anfänge berichtet er gerne. Seine Mutter vermietete Fremdenzimmer, er versuchte sich an einem klapprigen Klavier in ihrem Hotel. Das hörte ein Musikproduzent, der Gast im Hause war: „Du hast Talent. Da musst du was daraus machen.“ Den Namen des Mannes weiß Götz Wendlandt nicht mehr, aber dankbar ist er ihm noch immer.

Gestärkt durch diese Ermunterung meldete er sich an der Georg-Friedrich-Händel-Musikschule in Halle an der Saale im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt an. Seine Mitbewerber kamen mit Bergen von Notenblättern zur Aufnahmeprüfung. Er setzte sich einfach ans Klavier und intonierte einen Schlager. „Wo sind denn Ihre Noten?“ fragte die Aufnahmekommission irritiert. Er hatte keine. Denn er konnte sie damals noch nicht lesen. Dennoch wurde er aufgenommen. Einzige Bedingung: In drei Tagen musste er sich die Noten ins Hirn pauken. Er hat’s geschafft.

Flucht aus der ehemaligen DDR

Geblieben ist er nicht. Die Zustände in der ehemaligen DDR und die politische Einflussnahme auch auf Kunstschaffende passten ihm nicht. Anfang der 1950er Jahre, lange vor dem Mauerbau, war eine Flucht einfacher. Im Trubel der Weltfestspiele der Jugend und Studenten schmuggelte sich Götz Wendlandt in die Reihen des kommunistischen DDR-Jugendverbands der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ein, gelangte so unerkannt in einen Zug nach Berlin-West und setzte dort seine musikalische Ausbildung fort. Später kam er in den Neckarraum. Wieder lag es an der Musik. Seine Mitgliedschaft in einer Stuttgarter Band brachte ihn in die Region. Hier ist er geblieben.

Auf dem Klingelschild an seiner Haustür fehlt das „T“ im Namen Wendlandt. Ihm ist das egal. Allüren sind ihm fremd. Eine Diva ist er nicht. Dafür erzählt er gerne von früher. Von einem geplanten Auftritt Harald Juhnkes in der Stadthalle Böblingen etwa. Der Entertainer sei so stark alkoholisiert gewesen, dass er nicht auf die Bühne konnte. Es wurde improvisiert, dem Publikum etwas von einer Krankheit erzählt: „Die Menschen haben ihm immer alles verziehen.“ Bei „Dalli Dalli“ mit Hans Rosenthal war Götz Wendlandt in den 1970er Jahren mit dabei. Viele Promis hat er da erlebt. Als es Differenzen wegen der Gage gab, hat er aufgehört. Auch vor Gunter Sachs hat er gespielt: „Er war ein dufter Typ.“ Solche Gentleman-Playboys kamen wohl nicht in das Oscar’s nach Esslingen. Aber es sei immer brechend voll gewesen, erinnert sich Götz Wendlandt. Einmal ist er dort zusammen mit seinem alten Freund, dem Schlagerstar Tony Marshall, aufgetreten. Den Leuten habe es gefallen.

In den Fängen von „Bild“

Er kennt viele Geschichten, die Presseleute gerne hören und schreiben wollen. Medienprofi ist er auch. Nur zweimal sei er reingefallen. Die „Bild“-Zeitung habe ihn nach einer Ehefrau oder Partnerin befragt. Damals war er aber solo. Das habe er offen zugegeben. Die Schlagzeile habe daraufhin in etwa gelautet: „Götz Wendlandt sucht eine Frau.“ Seine Kontaktdaten wurden in dem Artikel mitangegeben. Nach einigen Wochen sei ein Anruf aus der „Bild“-Redaktion gekommen: Ob sich denn Damen gemeldet hätten? Er habe das bejaht und am nächsten Tag sinngemäß lesen müssen: „22 Frauen sind verrückt nach Götz Wendlandt.“ Zahl und Inhalt seien völlig aus der Luft gegriffen gewesen, sagt der Vater zweier Töchter, der tatsächlich nie verheiratet gewesen ist. Für eine dauerhafte Partnerschaft sei er zuviel unterwegs gewesen. Doch die Bild-Schlagzeilen nahm er mit Humor. Auch der ist Teil seiner DNA. Eine seiner Bands, sagt Wendlandt, nannte er „Götz und seine Berlichinger“ in Anlehnung an den berühmten Ritter. Die Musik spielte eben stets die erste Geige in seinem Leben. Das ist so geblieben. Auf Anfrage tritt der Jubilar noch immer auf. Es ist ein Leben im Takt der Noten.

Die Stationen von Götz Wendlandt

Person
 Der Jazz- und Unterhaltungsmusiker Götz Wendlandt war in vielen TV-Sendungen für die Musik zuständig. Zu hören war er mit seiner Band in „Musik ist Trumpf“ mit Peter Frankenfeld, „Es spielt für Sie...“ oder „Lustige Musikanten“. Er arbeitete mit Künstlern wie Caterina Valente oder Roberto Blanco zusammen.

Dalli Dalli
 Donnerstagabends war „Dalli Dalli“ im ZDF zu sehen – und das „Ratespiel für Schnelldenker“ war ein Straßenfeger. Promi-Zweiteams mussten sich in verschiedenen Spielen beweisen. Die Fernsehshow mit Hans Rosenthal ging vom 13. Mai 1971 bis zum 11. September 1986 genau 153 mal auf Sendung.

Oscar`s
 Das Oscar`s in der Ulmer Straße in Esslingen war ab seiner Eröffnung 2002 ein Restaurant mit einer kleinen Bühne für Livemusik. Viele Jahre lang war es mit seiner Kombination aus Essen, Trinken und Unterhaltung ein Treffpunkt für Freunde handgemachter Musik vorwiegend regionaler Künstler.  

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Unterhaltung Jazz