Stadtjugendring und Bürgerverein stellen Umfrageergebnisse zur Lebensqualität auf dem Sindelfinger Goldberg vor. Kritik gibt es am ÖPNV und der medizinischen Versorgung im Stadtteil.

Der Stadtjugendring Sindelfingen und der Bürgerverein Goldberg haben im vergangenen Jahr zum dritten Mal nach 2014 und 2019 eine Umfrage zu Lebensqualität, Sorgen und Nöten im Stadtteil durchgeführt. Die Ergebnisse stellten die Verantwortlichen am Dienstagabend im Jugendzentrum „Das Süd“ vor. „Unsere Kommunalpolitiker müssen schneller sein bei der Umsetzung, um etwas gegen Politikverdrossenheit zu machen“, sagte Bürgervereinsvorsitzender Markus Kürschner vor rund eineinhalb Dutzend Interessierten.

 

Mangel an gastronomischen Angeboten

Mehr als 7500 Einwohner zählt der Sindelfinger Goldberg, 239 davon haben sich an der jüngsten Umfrage beteiligt. Darunter traditionell stark vertreten ist die ältere Generation, während Jugendliche nur gut fünf Prozent ausmachen. Und auch die Ergebnisse glichen denen der Vorgängerumfragen, erklärte Stadtjugendring-Geschäftsführer Peter Komhard. Über 75 Prozent leben gerne oder sogar sehr gerne am Goldberg. Trotzdem gibt es Luft nach oben. Der öffentliche Personennahverkehr und die medizinische Versorgung im Stadtteil werden nur befriedigend bis ausreichend beurteilt, zudem fehlt es vor allem nach Meinung der Älteren an gastronomischen und kulturellen Angeboten.

Beim sozialen Miteinander sind die Meinungen gespalten. Hauptthemen auch dieser Umfrage jedoch bleiben neben dem bereits Genannten der Verkehr mit je nach Blickwinkel zu wenig oder zu viel Parkflächen und die teilweise Vermüllung im öffentlichen Bereich. Ein Thema, das sich auch der neue Sindelfinger Oberbürgermeister Markus Kleemann besonders auf die Fahne geschrieben hat. Bei den beiden neuen Quartiersarbeiterinnen Anna Schumacher und Ronja Schmors stehen Müll, Verkehr, Parken und ÖPNV ebenfalls ganz oben auf der Agenda. Im Februar wollen sie ein Büro am Berliner Platz beziehen, das sukzessive zum Stadtteiltreff ausgebaut werden soll.

Wasserturm nach wie vor ein großes Thema

Apropos Berliner Platz: In dessen Sanierung besteht nicht nur nach Ansicht von Markus Kürschner und seinen Mitstreitern der größte Handlungsbedarf. Viele Dinge seien schon bei der 50-Jahr-Feier des Goldbergs vor über 20 Jahren versprochen worden, aber bislang nicht umgesetzt. Ziemlich genau so lange ist sehr zum Leidwesen mancher Bewohner auch der Wasserturm geschlossen. Der biete einen herrlichen Rundumblick und sei seitdem nur einmal vor rund zehn Jahren offiziell geöffnet gewesen. Eine Wiederbelebung mit Vereinsunterstützung kann sich Markus Kürschner, der selbst seit 2000 und nach eigener Aussage immer noch gerne am Goldberg lebt, gut vorstellen.

Ob dann auch die früher beliebte Gastronomie wiederkommt, an die sich einige noch lebhaft erinnern, bleibt dahin gestellt. Und auch ein fußläufig erreichbarer „Tante-Emma-Laden mit frischen regionalen Produkten“ im Viertel wird angesichts der mittlerweile allgegenwärtigen Lieferdienste allein schon aus wirtschaftlichen Gründen wohl ein Wunschtraum bleiben.