Goldglanz auf der Schwäbischen Alb 2600 Jahre alt und zeitlos schön

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Die Keltenfürstin von der Heuneburg ist zurück auf der Schwäbischen Alb. In der Ausstellung in Hülben glänzt ihr Goldschmuck, als hätte er gestern erst die Werkstatt verlassen.

Nicole Ebinger-Rist kann sich für den  keltischen Nüsternschutz doppelt begeistern: Als Hobby-Reiterin und von Berufs wegen als Archäologin und Restauratorin. Foto: Horst Rudel 4 Bilder
Nicole Ebinger-Rist kann sich für den keltischen Nüsternschutz doppelt begeistern: Als Hobby-Reiterin und von Berufs wegen als Archäologin und Restauratorin. Foto: Horst Rudel

Hülben - Die Ausstellung „Das Geheimnis der Keltenfürstin“ ist zurück am Heidengraben. Die hochrangige Dame, die im Jahr 583 vor Christus in der Donauebene unweit der Heuneburg begraben worden war, hat bei ihrem zweiten Auftritt in Hülben (Kreis Reutlingen) ein Stück ihrer Geheimnisse preisgegeben – und dabei an Attraktivität gewonnen.

Nicht mehr die Originale aus ihrem vor sieben Jahren geborgenen Grab, sondern die hochwertigen Nachbildungen der Funde schmücken die Vitrinen in dem Ausstellungscontainer am Sportplatz der Albgemeinde. Der Vorteil für den unbedarften Besucher liegt auf der Hand: Weder haftet an den Schmuckstücken der Schmutz von 2600 Jahren, noch hat der Zahn der Zeit bisher an ihnen genagt. Die goldenen Ohrringe, die Schmuckkugeln, die Fibeln und der Zaumzeug-Schmuck für die Pferde sehen aus, als hätten sie gestern erst die Werkstatt des keltischen Goldschmiedes verlassen.

Tor zur Vergangenheit geöffnet

Auch die Archäologen profitieren von den originalgetreu gefertigten Werkstücken. „Der Herstellungsprozess, bei dem damals übliche Techniken und Werkzeuge verwendet worden sind, hat uns Einblicke auch in die Funktionsweise und in die Verwendung der Gegenstände gegeben“, sagt Nicole Ebinger-Rist, die Chefrestauratorin des Landesamts für Denkmalpflege. Nicht nur das Ergebnis, sondern auch schon der Prozess der Entstehung öffnete der Wissenschaftlerin ein Tor zur Vergangenheit. „Wir haben ein tieferes Verständnis für die keltische Gesellschaft gewonnen“, sagt sie.

Während der Restauratorin, durch deren­ Hände schon die 40 000 Jahre alte Elfenbeinfigur des Löwenmenschen aus dem Lonetal gegangen ist, von Berufs wegen allein die Erhaltung und die wissenschaftliche Einordnung der Funde am Herzen liegt, ist der Schweizer Experimentalarchäologe Markus Binggeli in ihrem Auftrag noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat sozusagen die Wirklichkeit neu erschaffen. In seiner Werkstatt sind, auf der Grundlage von 2600 Jahre alten Vorlagen, Kunstwerke von zeitloser Schönheit entstanden.

Mut ist belohnt worden

Der Mut der Ausstellungsmacher, nach dem Erfolg des vergangenen Jahres mit einer inhaltlich nahezu identischen Präsentation gleich noch einmal auf der Schwäbischen Alb Halt zu machen, ist bisher belohnt worden. Schon zur Eröffnung am Pfingstwochenende haben mehr als 1000 Besucher der Keltenfürstin ihre Aufwartung gemacht. Zusammen mit den beiden außerordentlichen Öffnungstagen anlässlich der Gewerbeschau Ende April und zum Symposium „100 000 Jahre Menschheitsgeschichte“ haben bisher 2500 Besucher die Ausstellung gesehen.

Einen zusätzlichen Schub erhoffen sich die Ausstellungsmacher jetzt noch vom Kelten-Erlebniswochenende, zu dem am 24. und 25. Juni ein Kelten-, Römer-, und Germanenlager am Ausstellungscontainer aufgebaut wird. Zwei Tage lang gibt es dann dort, begleitend zur Ausstellung, Vorführungen zum Leben und Arbeiten aus prähistorischer Zeit. Öffnungszeiten: In den Pfingstferien ist die Ausstellung täglich von 10 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bis 21 Uhr und an den beiden Samstagen bis 21 Uhr geöffnet. Weitere Öffnungstage sind am Kelten-Erlebniswochenende am 24. und 25. Juni und am 1. und 2. Juli zu den keltischen Salzsiede-Vorführungen.