Goldraubprozess Anwälte setzen auf Konfrontation

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Die zwei übrigen Angeklagten, einer davon ist ebenfalls Rapper, schweigen eisern, und ihre Anwälte setzen auf Konfrontation. Sie reihen Antrag an Antrag, als wollten sie die Kammer mürbe machen. Während sich die mutmaßlichen Goldräuber im Gerichtssaal freundschaftlich zuzwinkern und feixen, liegen die zehn Verteidiger im Clinch, was zu absurden Szenen führt. Anwalt eins stellt dem Richter eine Frage. "Lesen Sie es doch in den Akten nach, Sie sind doch schon groß!", ruft Anwalt zwei "Ich bin überfordert von Ihnen", protestiert Anwalt eins. "Ist das ein Kindergarten hier?", fragt Anwalt drei. Und Geiger blickt wieder über seinen Brillenrand.

Die sechs Verteidiger der geständigen Goldräuber wollen das Verfahren zu einem Abschluss bringen, die vier anderen wollen genau das nicht. Nahezu alle Anträge liefen ins Leere. Der Befangenheitsantrag gegen die Kammer - abgelehnt. Gegen einen medizinischen Sachverständigen - abgelehnt. Kürzlich hat ein Verteidiger beantragt, die Hebamme seines Mandanten als Zeugin vorzuladen. Aus Istanbul. Abgelehnt.

"Ich will einen Freispruch", sagt Peter Krieger, der einen der schweigenden Angeklagten verteidigt. "Wenn meine Kollegen dieses Verfahren als zu lang empfinden, mag das daran liegen, dass manch einer nur zuguckt - und nichts dafür tut, die Verhandlung aktiv zu gestalten." Den Vorwurf, er wolle nur den Prozess verschleppen, weist Krieger zurück. Der Stoff sei nun einmal sehr umfangreich. "Wir haben die Geduld, das alles aufzuarbeiten." Das sei das richtige Leben. Da dauere so etwas eben länger als im Fernsehen.

Die letzte Aussage ist ein kaum verdeckter Seitenhieb auf Malte Höch, auf Xatars Verteidiger, der nebenberuflich in der Fernsehsendung "Richterin Barbara Salesch" mitspielt. Höchs Frisur - steil hochstehende Haare über der Stirn - ist sein Markenzeichen. Es gibt Prozessbeobachter, die sagen, Höch agiere auch im Goldraubprozess wie ein Schauspieler. Er polarisiert, ist laut, reißt Witze, redet schnell. Denkt aber auch schnell. Xatar habe sich gewandelt, sagt Höch. "Er übernimmt Verantwortung für sein Handeln."

Höch gehört zu denen, die auf ein baldiges Urteil hoffen. Dann, sagt er, käme Xatar raus aus der Untersuchungshaft und rein ins Gefängnis bei Bonn, wo ihn Verwandte und Bekannte leicht besuchen können. Die Verzögerungsstrategie einiger Verteidiger sei nicht mehr nachvollziehbar. Aber auch die Kammer habe Fehler gemacht. "Die Goldräuber waren vollkommen unbewaffnet", sagt Höch und wirft die Arme in die Luft. "Die haben sich eine Uniform angezogen, das hat gereicht." Diese Komponente, das "Fehlen jeglicher Gewalt", sei bisher nicht ausreichend gewürdigt worden. "Ich vertraue darauf, dass dieser Aspekt im Urteil Beachtung findet."

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