Goldraubprozess Die Tür für ein Urteil ist weit offen

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Also nur eine Köpenickiade, eine Hochstapelei? Für Thomas Schek, den Staatsanwalt, sind die Angeklagten Schwerkriminelle. "Wenn der Überfall nicht glatt gelaufen wäre, hätten die zur Gewalt gegriffen. Was hätten sie sonst tun sollen? Lächeln und abhauen?" Schek ist ein emotionaler Staatsanwalt. Xatars Geständnis kommentierte er noch im Saal mit den Worten: "Ich fühle mich verarscht." Der Rapper hatte von einem sechsten, ihm unbekannten Täter gesprochen, den Donald S. geschickt habe. Sahin habe der geheißen, und Sahin habe die Beute eingesackt. Schek glaubt, dass der Rapper einen Freund schützen will, der tatsächlich am Tatort war. Nicht nur das macht es kompliziert: Einer der Angeklagten hat einen Zwillingsbruder. Der Richter befragte Xatar hartnäckig, welcher der Zwillinge, Sidar oder Serdar, beim Goldraub mitgemacht habe. "Ich weiß es doch nicht", Herr Richter. "Die unterscheiden sich ja nur durch einen Konsonanten." Die Justizvollzugsbeamten mussten schmunzeln. Geiger nicht. Am Donnerstag machte er deutlich, dass er die Geständnisse zwar stellenweise für unvollständig und unwahr halte. Aber eben nur stellenweise. Die Kammer fühle sich noch immer an die in Aussicht gestellte Strafobergrenze gebunden.

Damit ist die Tür für ein Urteil weit offen. Aber Peter Krieger und ein anderer Verteidiger haben bereits weitere Beweisanträge angekündigt. Solange Anträge gestellt werden, kann die Beweisaufnahme nicht geschlossen werden. "Die Verteidiger ziehen eben alle Register, aber das ist gemäß der Prozessordnung", sagt Schek. Dabei sei die Beweislage eindeutig. Die Ermittler haben sogar herausgefunden, wo die Goldräuber die Uniformen und Handschellen eingekauft haben.

Angeklagte behaupten gefoltert worden zu sein

Wegen der langen Verfahrensdauer überließ Schek die Verhandlungen zuletzt einer Kollegin. Er selbst konzentriert sich auf einen weiteren Verdächtigen. Kürzlich hat das separate Verfahren gegen einen 29 Jahre alten Mann aus Bonn begonnen, der das Tatauto besorgt haben soll.

Ein anderes noch nicht zu Ende geschriebenes Kapitel: drei Angeklagte klagen, sie seien nach der Festnahme im Irak gefoltert worden. Schläge, Schlafentzug, Drohungen, auch von "intimen Verletzungen" ist die Rede. Nach zweieinhalb Monaten holten deutsche Polizisten die Männer ab, die Übergabe wurde gefilmt und das Video vor Gericht abgespielt - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Höch sagt, die Angeklagten seien erkennbar in Todesangst gewesen damals. Schek sagt, ein irakisches Gefängnis sei "sicher kein Ferienlager". Aber die Männer hätten gesund ausgesehen, von Panik keine Spur.

Vermutlich taucht das Edelmetall nie wieder auf

Wo die Beute ist? Xatar und die anderen sagen, sie wüssten es nicht. Vermutlich taucht das Edelmetall nie wieder auf. Es trifft keinen Armen. Rudolf Hanauer gilt als einer der erfolgreichsten Altgoldhändler Deutschlands. Millionenschwer. Einer der Fahrer, die Hanauers Transporter steuerten, war früher Polizist - und ging den Goldräubern in ihren falschen Uniformen trotzdem auf den Leim. "Er hat das alles noch nicht verarbeitet", erzählt sein Chef.

Kürzlich war Hanauer erneut als Zeuge geladen, diesmal im Prozess gegen den sechsten Tatverdächtigen. Als er seine Aussage beendet hatte, ging er mit einem sehr fränkischen "Auf Wiederschaun miteinander" aus dem Gerichtsaal. Vielleicht kommt er noch einmal, wenn die Urteile gesprochen werden. Vielleicht bald.




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