Das ist das Glück eines jeden Goldsuchers: Naturparkführer Michael Brzoska mit seiner Hündin Mila beim Goldwaschen im Hahnenbach im Hunsrück. Foto: Stadtmüller
Rund um die einstige Edelsteinmetropole Idar-Oberstein geht es bis heute zauberhaft zu. Man kann in den einzigen Edelsteinbesucherstollen der Welt inspizieren, selbst Achate und Amethyste suchen – oder man geht mit einem Naturparkführer Gold waschen.
Und auf einmal glitzert es, ein klitzekleines Flimmerblättchen pures Gold liegt in der grünen Pfanne, eben im Augenblick selbst gewaschen – reine Freude stellt sich ein, Verzückung, nein, eher Euphorie. Binnen Sekunden weiß man, was all die Verrückten auf DMAX antreibt, die Claims im Nirgendwo abstecken auf der Suche nach der einen, der einzig wahren Stelle voller Nuggets. Im Hahnenbach im Hunsrück gibt es Gold, und es gibt Michael Brzoska, den Naturführer mit Spürnase, seiner eigenen und der seiner Hündin namens Mila. Ihn kann man buchen, samt Wissen und Ausrüstung.
Kann man reich werden? Sicher, wenn man Glück hat!
An diesem Wochenende hat er die Recken der Deutschen Goldsuchervereinigung zu Gast. Männer und Frauen, die schon alles gesehen haben, was mit Gold auf der Welt zu tun hat. Es ist das reine Abenteuer; knietief im Wasser, mit kalt-nassen Händen, auf der Suche nach der richtigen Brille und mit Rückenschmerzen vom Feinsten. Und mit Gold.
Kann man reich werden? Sicher, wenn man Glück hat. Und dann kommt sie, die erste aller Weisheiten: „Gold ist da, wo man es findet“, sagt Michael Brzoska.
Gleich neben dem Naturpark Hunsrück liegt Idar-Oberstein, wo die Herzen von Edelseinfans höer schlagen dürften. Foto: sön
Viele weitere begleiten die Greenhörner, die grobmotorisch ihre Schüsseln schwenken, um Sand und Sedimente loszuwerden. Halt: Natürlich wird da nichts geschwenkt, es werden Pfannen gezogen. Grüne, blaue, schwarze und sogar rosafarbene. „Das ist jetzt Philosophie“, sagt der Naturführer. Aber so ist das mit dem Gold: Wer es findet, hat recht. Aber nur, wenn er die schwarze Pfanne dabeihat? Natürlich, dann nur mit der schwarzen Pfanne oder eben in der grünen Unterhose. Jetzt ist selbst Brzoska Lehrling.
Dennis Schwarzlmüller auf Goldsuche. Er ist an diesem Wochenende extra aus Norddeutschland angereist. Foto: Stadtmüller
Ansonsten ist der 57-Jährige selbst mit sämtlichen Wassern des Hahnenbachs gewaschen. Er ist zertifizierter Naturparkführer im Nationalpark Hunsrück, und sieht genau so aus, wie einst der Mann aus den Bergen. Er kennt vielleicht nicht jeden Stein zwischen Bundenbach und Idar-Oberstein, „aber fast jeden“. Schon als kleiner Kerl sei er überall rumgestromert, habe alles geliebt, was aus der Natur kommt und in der Natur ist, sagt er. Dazu hat er sich immer auch für Geschichte interessiert, erzählt spannend von den Kelten und deren Wirken im Hunsrück oder auch von der Geologie, die das Gebiet einst zur Edelsteinmetropole Europas gemacht hat. Diese Liebe hat er dann zum Beruf gemacht und führt seitdem Besucher durch seine Heimat – oder auch mal durch Mallorca und nächstes Jahr mal wieder auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.
Im Hahnenbach sind die Goldprofis derweil am Werk. Dennis Schwarzlmüller trägt das richtige T-Shirt: „Goldsucher“ prangt darauf. Schwarzlmüller hatte die weiteste Anreise in den Hunsrück. Er kommt aus Nordfriesland und er hat es seit gut sechs Jahren: das Goldfieber. „Och, ich sammel einfach gern. Früher und eigentlich immer noch besonders Bernstein. Und meine Frau hat mir dann mal einen Goldwaschtrip geschenkt“, erzählt er. Da war es um ihn geschehen. Seitdem unternimmt er zwei bis drei Reisen im Jahr mit der Goldsuchervereinigung, immer an neue Stellen, immer mit Hoffnung im Herzen und einer Prospektionsrinne im riesigen Rucksack.
Das Ritual beginnt: ziehen, waschen, ziehen – und hoffen!
Dann beginnt – zumindest für Hobbysucher – ein ewig gleiches Ritual: „Man muss den Lauf des Flusses anschauen“, erklärt er, „wo gibt es Verwirbelungen, wo liegen große Steine?“ Dort wird Sediment mit Schaufeln gehoben. Vorsichtig, nicht wühlen. Es ist eher ein Heben, das die Männer und wenigen Frauen vollführen. Grobes Gestein wird über ein ebenso grobes Sieb gekippt, dann immer feiner durchgesiebt, bis am Ende eine Art Kies-Sand-Mischung bleibt.
Mit der Schippe wird feineres Gestein in die sogenannte Prospektrinne geschaufelt – wo sich hoffentlich Gold absetzt. Foto: Stadtmüller
Manche, wie Gerhard Schneider aus Pirna, haben eine fast einen Meter große Rinne aufgestellt. Sie ist mit schwarzen Gummimatten ausgekleidet, die sehen aus wie Schuhabtreter im Winter vor der Haustür. Nur dass sich bei ihm statt Dreck aus den Winterstiefeln Goldflitter in den kleinen Fächern sammeln soll. Parallel dazu zieht er seine Pfanne – etwa ein Zentimeter gefüllt mit feinen Sedimenten – durchs Wasser. Die Pfanne darf niemals ganz aus dem Wasser raus, sonst wäscht man seine Funde womöglich selbst weg.
Feinster Goldflimmer wird in kleinen Glasfläschen gesammelt. Foto: Stadtmüller
„Gold ist 20-mal schwerer als Wasser. Das bleibt liegen“, sagt der Profi. Der Laie staunt und lernt. Denn das, was das gute Dutzend Goldsucher quasi aus dem Handgelenk schüttelt, erweist sich als wahre Kunst. Manchmal wird auch unterm Ellenbogen zu den anderen gelinst. Und natürlich wird abends am Schwenkgrill erzählt. Von der Sächsischen Schweiz, der Elbe oder dem Klondike. Dort war auch Frank Hartmann schon, natürlich. Der Chemiker ist Vorsitzender der Goldsuchervereinigung. „Gold gibt es überall, man muss halt nur wissen, wo“, sagt er und lächelt wissend. Bei solchen Glücksritterwegbeschreibungen endet dann auch die Informationsverbreitung.
An diesem Wochenende mit Michael Brzoska waschen nicht alle Goldflitter aus dem Hahnenbach. Manche aber schon. Der wird in Wasser in kleinen Glasfläschchen aufbewahrt. Naturgebräunte Gesichter strahlen dazu, erzählen vom Kreuzweh und den nassen Haxen, dem Blätterrauschen und den kleinen Strudeln im Bach. Keiner aus dieser Runde würde im Fluss Löcher wie Gräben buddeln. Goldwaschen ist Naturliebe. Und wer am Ende des Tages sein Fläschchen mit Goldflitter im Sonnenglanz oder im Licht des Lagerfeuers dreht, weiß, was gemeint ist mit jenem legendären Goldfieber. Dieser einzigartige Glanz ist Verlockung, Versprechen – oder einfach nur zauberhaft schön.
Info
Anreise Mit dem Auto erreicht man die Region rund um Idar-Oberstein und den Hunsrück problemlos. Vor allem, wer dann wandern will, ist auf ein Auto angewiesen, um auch die entlegenen wunderbaren Wanderpfade im Nationalpark Hunsrück zu erreichen. Bis Idar-Oberstein gelangt man aber auch mit dem Zug, Infos unter: www.bahn.de.
Unterkunft Klassisch elegant: Parkhotel in Idar-Oberstein, Doppelzimmer ab 148 Euro, www.parkhotel-idaroberstein.de. Romantisch: Boutique Hotel Villa Horbach in Idar-Oberstein, Doppelzimmer ab 145 Euro, https://villahorbach.com/ Romantisch an einem See liegt das Hotel Forellenhof in Bundenbach, DZ ab 118 Euro, www.hotel-forellenhof.de. Bei Familien beliebt sind Ferienwohnungen in jeder Preislage. Ein Tipp: Familien-Apartment Schmitts Katz in Herrstein, zauberhaft eingerichtet, sehr nette Gastgeber, www.schmitts-katz.de. Auf dem Portal www.edelsteinland.de sind viele schöne Wohnungen aufgelistet.
Ausflugstipps Wer sich für Edelsteine interessiert, landet früher oder später im Hunsrück und bei Idar-Oberstein. Für Familien mit Kindern ein Muss ist der Edelsteinstollen Steinkaulenberg oberhalb des Städtchens. Man kann selbst klopfen und buddeln. https://weiherschleife-steinkaulenbergwerk.de/ Außerdem muss man unbedingt einen Tag im Nationalpark Hunsrück verbringen, auf einem der unzähligen Wanderwege gehen, mit Naturführer Michael Brzoska auf den Spuren der Kelten wandeln oder eben Gold waschen. Als Paket inklusive Verpflegung und Ausrüstung für zehn Personen kostet der Spaß 350 Euro; auch individuelle Pakete sind möglich. Mehr im Internet unter: www.wandern-im-hunsrueck.de/