Golf Carts im Rotwildpark Erste Ideen für Bärenschlössle-Shuttle

Sie zeigen Interesse an einem  Bärenschlössle-Shuttle: Projektkoordinator  Hannes  Glass (links) und Bereichsleiter Thomas Tannenberger von der Firma Gigatronik mit einem Modell Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Sie zeigen Interesse an einem Bärenschlössle-Shuttle: Projektkoordinator Hannes Glass (links) und Bereichsleiter Thomas Tannenberger von der Firma Gigatronik mit einem Modell Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Sollte ein umweltfreundlicher Pendelverkehr für Gehbehinderte zum Bärenschlössle eingerichtet werden? Während die Stadtverwaltung zögert, machen findige Köpfe Vorschläge.

Lokales: Jan Sellner (jan)

Stuttgart - Gut Ding will lange geprüft sein. Nach diesem Motto verfährt das Garten-, Friedhofs- und Forstamt im Umgang mit dem von bisher rund 600 Bürgern unterstützten Vorschlag, einen Pendelverkehr für gehbehinderte Personen zum Bärenschlössle einzurichten. Herausgekommen ist bisher nur ein Fragenkatalog, der um naheliegende Themen kreist: Wer könnte der Betreiber eines solchen Shuttles sein? Wie wirkt sich ein Pendelverkehr auf den Schutzstatus des Rotwildparks aus? Und so weiter.

Kurzum: Schnelle Ergebnisse sind nicht zu erwarten, verlautet aus dem Rathaus. Schließlich müsse auch das Land als Bärenschlössle-Eigentümer beteiligt werden. Sollte man dem Shuttle-Gedanken nähertreten, sei eine Machbarkeitsstudie unabdingbar. Dirk Thürnau (SPD), Technischer Bürgermeister der Stadt, lässt mitteilen, „dass er das Ergebnis der Prüfungen des Garten-, Friedhofs- und Forstamts abwarten möchte, bevor er sich positioniert“.

„Eine gute Idee“, findet Stadträtin Gröger

Von anderer Seite kommt eine klare Willensbekundung: SPD-Stadträtin Marita Gröger erklärt: „Ich halte den Shuttle für eine gute Idee, die sich allerdings wirklich auf Hochbetagte und Menschen mit körperlichem Handicap beschränken sollte.“ Reine Bequemlichkeiten dürften damit nicht unterstützt werden. Die Sinnhaftigkeit des Projekts steht für Gröger indes außer Frage: „Gerade für Menschen, die einen Ort mit bestimmten Erinnerungen verbinden, ist es sehr wichtig, ihn weiterhin erreichen zu können. Ich habe mich in der Altenhilfe richtig verbiegen müssen, um solche Wünsche zu erfüllen. Beim Bärenschlössle wäre das relativ einfach möglich.“

Auch die Firma Gigatronik beschäftigt sich mehr mit dem, was möglich ist, als mit dem, was nicht geht. Das Unternehmen versteht sich als Entwicklungs- und Consultingdienstleister für Elektronik und Informationstechnologie mit Schwerpunkt Automobilindustrie. An seinem Standort in Fellbach beschäftigt es rund 250 Mitarbeiter. Einer von ihnen, Wolfgang Vetter, hilft regelmäßig in der Gastronomie im Bärenschlössle aus. Er machte Kollegen auf die Shuttle-Diskussion aufmerksam. Der Hinweis stieß in der Firma auf Interesse. Seit Längerem experimentiert der Automobilzulieferer mit der elektronischen Aufrüstung handelsüblicher Golfcarts. Keine große Sache, eher ein Nischenprodukt. Studenten finden hier ein Betätigungsfeld und Stoff für ihre Abschlussarbeiten, die sich mit Umfeldüberwachung, Fahrerassistenz- und anderen technischen Systemen befassen. Als Zubringer und Abholer für Gehbehinderte könnte ein altersgerecht umgestaltetes Golfcart interessant sein, finden Bereichsleiter Gesamtfahrzeuge Thomas Tannenberger und Projektkoordinator Hannes Glass. Bis zu acht Personen könnten damit befördert werden – je nach Ausgestaltung des Fahrzeugs. „Denkbar ist, dass so ein Shuttle auch autonom betrieben wird“, sagt Tannenberger. „Das ist aber noch Zukunftsmusik.“

Ein Versuchstag am Bärenschlössle?

Den Gigatronik-Mitarbeitern schwebt ein „Versuchtag“ am Bärenschlössle vor, „um zu zeigen, was mit einem Leichtelektronikmobil technisch möglich ist“. Ein regelmäßiger Shuttle-Service würde – unabhängig von allen sonstigen Fragen – zusätzliche Entwicklungsarbeit erfordern. In einem ersten Schritt will Tannenberger auf zwei Partner zugehen – den dänischen Cart-Hersteller Garia und auf Daimler Business Innovation in Vaihingen, wo das Car2go-Konzept entwickelt wurde. „Wenn Mercedes einsteigt, könnte es ganz schnell gehen, was die technische Seite betrifft“, meint Tannenberger. Er könnte sich auch vorstellen, dass eine lokale Company den Pendlerdienst betreibt – im Sinne der Gehbehinderten, aber auch als Schaufenster für eine neue, umweltfreundliche Technologie. Das Bärensträßle als eine Art Modellstrecke – daran könnte auch Daimler ein Interesse haben, meinen die Gigatronik-Leute. Vielleicht ließe sich der Konzern dafür gewinnen; von Daimler-Chef Dieter Zetsche ist bekannt, dass er das Bärenschlössle gerne besucht.

Das visionäre Golfcart ist indes nur eine von mehreren Ideen, die in der Diskussion um ein mögliches Shuttle sind. Von Lesern eingereichte Vorschläge reichen von Fahrradrikschas über die Wiederaufnahme eines Kutschenbetriebs bis zu elektrischen Bähnle, wie sie in vielen Städten für touristische Zwecke eingesetzt werden.




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