Golfclub Schönbuch bei Holzgerlingen Golfen zwischen Blumen und Bienen

Marcel Gallmayer (links) und Rainer Stäbler vor einem Mini-Mammutbaum. Der Golfclub-Geschäftsführerund sein Pressevorstand sind stolz auf das, was sie auf der Anlage geschafft haben. Foto: /Stefanie Schlecht

Obstbäume, Honig und Platz für Hirschkäfer: Der Golfclub Schönbuch auf dem Schaichhof engagiert sich im Natur- und Artenschutz. Erstaunlich, dass das kaum bekannt ist.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Dem Golfen haftet insbesondere in Deutschland der Ruf an, ein reiner Sport für Gutbetuchte zu sein. Im Golfclub Schönbuch auf dem Schaichhof bei Holzgerlingen hört man das nicht so gern. Der Club zeigt sich offen für alle Interessierte.

 

Auf dem weitläufigen Gelände am Rand des Schönbuchs wird Ökologie außerdem groß geschrieben. Neben dem penibel gepflegten Grün führt Geschäftsführer Marcel Gallmayer zu mehreren Stationen, an denen der Sport mit der Natur in Einklang gebracht werden soll.

Aus den Äpfeln vom Platz wird Saft gepresst

Da wären zunächst die unzähligen Obstbäume entlang des weitläufigen Platzes, die sich schon zu einem Obstbaum-Lehrpfad ausgewachsen haben. Dieser wurde vor zehn Jahren angelegt und säumt den Fahrradweg, der durch das Gelände verläuft. „Wir haben darin 27 schützenswerte Sorten angepflanzt“, sagt Gallmayer. Darunter so Exoten wie den Bittenfelder Sämling, die Oberösterreichische Weinbirne oder die Mirabelle Von Nancy. In der Erntezeit fallen dadurch nicht nur Golfbälle auf Gras, sondern unzählige Äpfel und weiteres Obst.

Doch dabei bleibt es nicht. „Die Jugend im Verein hilft beim Sammeln, und da kommt ganz schön was zusammen“, sagt er. Im vergangenen Jahr sei so über eine Tonne an Äpfeln in die Säcke gewandert, die bei einer Presse im nahen Weil im Schönbuch zu rund 1000 Litern Apfelsaft gekeltert wurde.

Insgesamt befinden sich auf dem rund 125 Hektar großen Golfplatz 361 Obstbäume. An ihnen hängen Tafeln, die über Sorte und Blüten aufklären. Treiber innerhalb des Clubs war eine eigens gegründete Arbeitsgruppe Golf und Natur, die den 1989 eröffneten Platz zu den Vorreitern auf diesem Gebiet gemacht hat.

Teil des Obstbaum-Lehrpfads /Stefanie Schlecht

Innerhalb des Deutschen Golfverbandes erhielt der Club für das Engagement bereits hohe Auszeichnungen, belegte im April 2019 den zweiten Platz bei einem Innovationspreis. Die Obstbäume sind bei Weitem nicht das einzige Betätigungsfeld der golfenden Naturschützer. Ein Steinwurf weiter stehen in Sichtweite von Loch 14 vier der acht Bienenvölker auf dem Platz. Imker Robert Löffler aus Weil im Schönbuch kümmert sich um die Pflege, der Honig wird im Club verkauft.

Vorwurf der Naturzerstörung entgegentreten

„Immer wieder hört man den Vorwurf, Golfer würden die Natur zerstören. Dem wollen wir etwas entgegensetzen“, sagt Gallmayer. Tatsächlich blüht auf dem sorgfältig gemähten Spielfeld so gut wie gar nichts, erst recht nicht auf dem als „Green“ bezeichneten Kurzrasen rund um die Löcher. Doch zwischen den Grünflächen legte der Club in Kooperation mit Realschülern in Holzgerlingen 2019 eine Wildblumenwiese an. „Die kommt mittlerweile ohne unser Zutun aus“, sagt Gallmayer. Der wilde Streifen sei außerdem wichtig, um verschiedene Biotope auf dem Platz zu vernetzen. So können die Wildtiere ungehinderter umherstreifen.

Zugänglich werde die Anlage außerdem über öffentliche Angebote wie eine Wildkräuterwanderung mit einer ausgebildeten Naturpädagogin, die regelmäßig angeboten werden. Nicht bei allen Projekten war Marcel Gallmayer gleich Feuer und Flamme. Als die Mitglieder der Arbeitsgruppe Golf und Natur mit der Idee auf ihn zukamen, ein Schutzprojekt für den Hirschkäfer ins Leben zu rufen, war er zunächst zurückhaltend.

Wildblumen und Teichanlage /Stefanie Schlecht

„In Euphorie hat mich das nicht sofort versetzt“, sagt Gallmayer. Mit seinen bis zu neun Zentimetern Größe und dem Geweih sei der Käfer bei Golfern nicht übermäßig beliebt. Doch die AG habe den Geschäftsführer überzeugen können. So entstand auf der Anlage ein sogenannter Hirschkäfermeiler, ein Bruthabitat für den Käfer und andere Insekten. In totem Holz auf sandigem Untergrund findet er Platz zum Nisten, andere Arten siedeln sich dort ebenfalls an. So kam es auch, dass auf der Anlage an mehreren Orten Totholz-Haufen errichtet wurden, als Rückzugsraum für Insekten und Wildtiere. Ebenso Insektenhotels.

Überhaupt habe der Betrieb eines Golfplatzes viele Gemeinsamkeiten mit einer land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit, sagt Gallmayer. Die Saison laufe mittlerweile ganzjährig und nicht mehr nur im Sommerhalbjahr. Umso intensiver müssten Rasen und die umgebende Natur gepflegt werden. Dem Vorwurf, ein elitärer Zirkel zu sein, widerspricht der Vereinsvorstand: „Neben unserer 18-Loch-Anlage für Club-Mitglieder steht der Neun-Loch-Platz allen offen“, sagt Pressesprecher Rainer Stäbler. Mit der erforderlichen Platzreife könne hier jeder den Schläger schwingen.

Der „kleine“ Platz bestehe seit Eröffnung 1989 und sei der erste öffentliche Platz in der Region Stuttgart gewesen. Wer unter der Woche eine Partie spielen will, sei mit 35 Euro Platzgebühr dabei, so Rainer Stäbler. Zwar sei die am Wochenende mit 45 Euro höher, doch den Vorwurf, nur eine Adresse für Wohlhabende zu sein, will Stäbler nicht stehen lassen.

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