Google, Facebook, Bing und Co. Kampf um die Suchmaschine der Zukunft

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Facebook mischt mit, das Microsoft-Produkt Bing holt auf, in China dominiert Baidu: Die immer noch ungebrochene Dominanz von Google wird von vielen Seiten bedroht. Auch Apple und Facebook arbeiten an Suchmaschinen.

Mit einem Klick erreicht man heute schon  Alternativen zur Google-Suche: Facebook mischt mit; das Microsoft-Produkt Bing holt auf; in China dominiert Baidu und weniger datenhungrige Suchmaschinen wie Duckduckgo und Ixquick besetzen Nischen. Foto: Screenshot StZ
Mit einem Klick erreicht man heute schon Alternativen zur Google-Suche: Facebook mischt mit; das Microsoft-Produkt Bing holt auf; in China dominiert Baidu und weniger datenhungrige Suchmaschinen wie Duckduckgo und Ixquick besetzen Nischen. Foto: Screenshot StZ

Stuttgart - Apple und eine Suchmaschine? Das hat bisher noch nicht zusammengepasst. Auch auf den Smartphones des US-Herstellers, der ansonsten auf sein eigenes technisches System setzt, war bisher das Icon der Google-Suchmaschine allgegenwärtig. Doch das dürfte sich bald ändern. Apple arbeitet seit längerem an einer eigenen Suchmaschine. Die turnusgemäß Ende dieses Jahres auslaufende Kooperation, dank derer Googles Suchmaschine im eigenen Safari-Browser voreingestellt ist, wird Apple deshalb sehr wahrscheinlich nicht verlängern. Google hat sich diese Präsenz bisher einiges kosten lassen und dafür nach Angaben des US-Investorenportals „The Motleyfool“ zwischen einer und zwei Milliarden Dollar jährlich an Apple gezahlt.

Die Revolution, die letztlich hinter der Anfang August verkündeten, strategischen Entscheidung von Google steht, sein Suchmaschinen-Geschäft von seinen anderen Aktivitäten deutlicher zu trennen, ist auch auf einen Wandel im Internet zurückzuführen. Das bisherige, offene, von Suchmaschinen wie der von Google erschlossene Internet hat seinen Höhepunkt überschritten. Auf den immer wichtiger gewordenen mobilen Geräten dominieren die Apps. Auch soziale Netzwerke wie Facebook sind längst zu separaten Internetuniversen geworden, die mit den Methoden klassischer Internet-Suchmaschinen nicht mehr zu erschließen sind.

Das Rennen um die Technologie, welche diese neuen Räume im Internet für die Suche öffnet, hat längst begonnen. Als Sieger gesetzt ist der bisherige Quasi-Monopolist Google noch lange nicht, auch wenn seine Marktanteile auf Desktopcomputern und sogar stärker noch im Mobilbereich weiterhin imposant sind (siehe Grafik). Doch insbesondere auf mobilen Geräten wird die Suchmaschinenfunktion immer mehr direkt im Betriebssystem integriert werden, also unmittelbar mit dem Gerät verknüpft sein – was Hardware-Produzenten wie Apple begünstigt.

Grafik: Marktanteile der Suchmaschinen weltweit (für eine größere Ansicht klicken Sie auf die Grafik)

Google hat gute Startvoraussetzungen

Dies wird bessere Informationen über das Nutzerverhalten als die bisherigen Klicks ermöglichen, also dem bisherigen Analyse-Modell der Google-Suchmaschine überlegen sein. Googles Geschäft mit den Klicks auf die an die Suchergebnisse angedockten Anzeigen hat seinen Höhepunkt überschritten. Gerätespezifische Informationen, die bei Facebook zudem an persönliche Informationen über die Nutzer gekoppelt sind, werden für Unternehmen und Marketingleute deutlich attraktiver sein als das, was ihnen die bisherigen Analysemethoden von Google bieten. Innovative Suchmaschinen werden auch stärker in die ihnen bisher weitgehend verschlossenen Apps vordringen können.

„In der neuen Welt der Suchmaschinenoptimierung, werden diejenigen, denen das Betriebssystem gehört, auch die Such-Erfahrung dominieren“, sagt Ethan Smith von der US-Marketingfirma Yummly. Innovative Suchmaschinen wie diejenige, die Apple an den Start bringen will, hätten auch für den Nutzer klare Vorteile, schrieb Smith auf dem US-Gründer- und Investorenportal Venturebeat: Neue Suchalgorithmen könnten genau feststellen, wie sehr ein Nutzer sich konkret mit den Inhalten auseinandersetze. Wenn also etwa nach einem bestimmten Kochrezept gesucht werde, könnten mit dem Betriebssystem verknüpfte Suchmaschinen nicht nur verfolgen, welche Rezepte geklickt werden, sondern welche dann auch tatsächlich gelesen und verwendet werden. „Diese Veränderungen werden bedeuten, dass sich bessere Inhalte durchsetzen und dass Start-ups mit hervorragenden neuen Produkten besser gegen große Wettbewerber konkurrieren können“, sagt Smith.

Google hat allerdings dank seines Android-Betriebssystems für Mobilgeräte gute Startvoraussetzungen um auch im Kampf um die ultimative mobile Suchmaschine vorne mitspielen zu können. In den vergangenen Monaten hat der Marktführer eine Reihe von technischen Innovationen vorgestellt, die seine Suchmaschine verstärkt in Android integrieren. App-Entwicklern wird es beispielsweise leicht gemacht, ihre Programme damit zu verknüpfen.

Mehrere strategische Vorteile für Apple

Doch der Durchmarsch von Android auf Mobilgeräten ist inzwischen gestoppt. Vor allem dank eines wachsenden Marktanteils in China hat beispielsweise Apple die Bedeutung seines Betriebssystems iOS in jüngster Zeit steigern können. Zurzeit liegt dieser nach Angaben des IT-Beratungsunternehmens Gartner global mit 14,6 Prozent immerhin um 2,4 Prozentpunkte höher als im Vorjahr.

Auf dem wichtigen amerikanischen Markt kommt Apple sogar auf einen Anteil von mehr als 40 Prozent. Dort hat Google übrigens auch gegenüber Microsofts ­Suchmaschine Bing in jüngster Zeit an ­Boden verloren.

Apple hat noch einen weiteren strategischen Vorteil: Es muss sein Geld nicht mit Netzservices verdienen, sondern macht mit seinen Produkten genügend Rendite.Der Premiumhersteller könnte also den Nutzern der Apple-Suchmaschine Werbefreiheit und Schutz vor Datensammelei versprechen, was eine massive Attacke auf Google wäre. Google leide unterschwellig unter einem Vertrauensdefizit, schreibt der amerikanische IT-Unternehmer und Suchmaschinenexperte Tim Burd im US-Internetmagazin Entrepreneur. Die Nutzer trauten den Ergebnissen der allgegenwärtigen Suchmaschine nicht mehr so wie früher. Sie klickten vor allem immer weniger auf gesponserte Anzeigen, die für Google bisher eine ergiebige Geldquelle waren.

Auch der parallel zur Apple-Strategie fortgesetzte Versuch von Facebook, seine Suchoptionen stetig zu verbessern, bedeute deshalb eine ernsthafte Bedrohung für Googles Marktanteil: „Wenn Nutzer nach etwas wie einem Restaurant oder einem Kinofilm suchen, dann wollen sie die Meinung und das Verhalten von Leuten kennenlernen, die sie tatsächlich kennen und respektieren“, sagt Burd. Google sei bisher zu langsam, auf diesen Trend aufzuspringen. „Man muss nun aufholen,“ sagt Burd.