Der Ärger von Unternehmen über schlechte Google-Bewertungen ist verständlich - doch Google macht das Löschen zu einfach, meint Simon Koenigsdorff.

Digital Desk: Simon Koenigsdorff (sko)

Von kleinlicher Kritik bis zur begründeten Beschwerde: Onlinenutzer können auf Google Maps so ziemlich alles über Restaurants und Co. schreiben, was ihnen in den Sinn kommt, auch Übles. Wie viel davon auf der großen Plattform erscheint, hat sich seit einem BGH-Urteil aus dem Jahr 2022 stark gewandelt.

 

Wenn man den Zeiger in die vorangegangene Zeit zurückdreht, war es für Unternehmen angesichts undurchsichtiger Meldewege und vager Regeln nur schwer möglich, etwas gegen schlechte Nutzerbewertungen zu unternehmen. Das bedeutete auch, dass so mancher übertriebene Vorwurf und so manche geschäftsschädigende Behauptung jahrelang online blieb.

Inzwischen verschiebt sich dieses Ungleichgewicht jedoch in die andere Richtung. Wer als Google-Nutzer nicht jede Rezension belegen kann, indem die Person beweist, tatsächlich vor Ort gewesen zu sein, läuft heute Gefahr, dass die Kritik verschwindet, egal ob gerechtfertigt oder nicht. Und das auf einer Plattform, auf der ausdrücklich Nicht-Profis bewerten. Das BGH-Urteil und der Digital Services Act der EU tragen hier Google zum Jagen.

So verschwinden mehr als nur beleidigende und offensichtlich inakzeptable Bewertungen, wie unsere Stuttgarter Stichprobe zeigt - warum genau, bleibt oft unklar. Zumindest bundesweit machen einige spezialisierte Anbieter daraus ein Geschäft. So verständlich der Ärger der Unternehmen über negative Rezensionen ist - der Weisheit letzter Schluss kann das für eine Plattform, die für viele Menschen eine zentrale Informationsquelle ist, nicht sein.