Google-Rezensionen Nur 1,8 Sterne für die Stuttgarter Ausländerbehörde

Der Frust der Bürger über lange Wartezeiten zeigt sich auch in den Google-Rezensionen. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Von „Absolut unterirdisch“ über „schwerwiegende Folgen“ bis hin zu „Herr M. ist ein Ehrenmann“ finden sich in den Google-Rezensionen für Stuttgarter Behörden viele Urteile wieder. Ein Amt ist dabei besonders unbeliebt.

Stadtkind: Erdem Gökalp (erg)

Die Stuttgarter scheinen eine Mordswut  auf  das  Ordnungsamt in der Eberhardstraße zu haben. Das Personal sei „lustlos und arrogant“ die Gespräche „unfreundlich“, die Leistung „absolut unterirdisch“. So ist zumindest der Tenor in den 140 Google-Rezensionen, die sich dort in den letzten Jahren angesammelt haben. Mit einem Durchschnitt von 1,7 von fünf Sternen handelt es sich bei dem Amt um eine der am schlechtesten bewerteten Behörden in der Landeshauptstadt.

 

Doch es gibt auch positive Urteile, die beispielsweise ein kompetentes Erledigen eines Anliegens loben. Wenn man bedenkt, dass ein erheblicher Teil der Kritiken von Bürgern zu stammen scheint, die sich über einen Strafzettel aufregen, kann man die Wut dann vielleicht doch verstehen. So kritisiert ein Nutzer: „Das Ordnungsamt stellt jetzt schon auf öffentlichen Parkplätzen und versteckt Halteverbot-Schilder.“

Bewertungen nicht immer fair

Nun sollte man nicht alles glauben, was im Internet steht. Insbesondere wenn es um Google-Bewertungen von Gastronomien, Ärzten und Behörden geht. Denn inzwischen haben Unternehmen erkannt, wie wichtig Online-Bewertungen für Verbraucher bei der Entscheidung sein können , ob sie einen Ort aufsuchen sollen oder nicht. Man kann daher auch Unternehmen damit beauftragen, einen bestimmten Eintrag mit positiven Bewertungen zu fluten und gleichzeitig auch negative Bewertungen mit einer Begründung entfernen lassen.

Zumal nicht alle Bewertungen fair und objektiv sein müssen. Laut einer Studie des Händlerbunds, bei der sie zwischen Mai und Juli 2021 fast 200 Händler befragt haben, finden 66 Prozent der Händler die Bewertungen unfair. Nun hat man bei Behörden und Ämtern nicht immer die Wahl, welche man aufsuchen möchte. Das kann sicher auch zum Frust der negativen Rezensenten beitragen.

Ärger wenn es um das Kindeswohl geht

Bei den Bewertungen für die Behörde des Regierungspräsidiums in Vaihingen (126 Rezensionen, Durchschnitt bei 2,3 Sternen) macht sich vor allem der Frust über lange Wartezeiten und die schwere Erreichbarkeit der Mitarbeiter bemerkbar. Besonders empfindlich reagieren auch Eltern, wenn sie durch die Entscheidung einer Behörde das Wohl ihrer Kinder gefährdet sehen. Das zeigt sich in den Rezensionen für das Jugendamt in der Wilhelmstraße (60 Bewertungen, Durchschnitt von 2,1). Menschen teilen hier offen die unterschiedlichsten Schicksale. Nutzerin „AH“ schrieb vor fünf Monaten: „Man wird nach einer Trennung herzitiert und dann trifft ein äußerst junger Mitarbeiter eine Entscheidung die schwerwiegende Folgen für Mutter und Tochter haben.“ Eine andere schreibt: „Eine absolute Enttäuschung bei der Kita-Platzvergabe!“

Im Überblick der Behörden und Ämter in Stuttgart fällt auf, dass sich nur ein kleiner Teil der Nutzer Zeit zu nehmen scheint, um auch positive Bewertungen zu schreiben. Mit die meiste Anerkennung gibt es jedoch für das Landesprüfungsamt und Anerkennungsstelle für Gesundheitsberufe in der Ruppmannstraße. Auch wenn es nur acht Bewertungen und ein Durchschnitt von 3,5 Sternen sind, fallen auch mal Sätze wie: „Herr M. vom Landesprüfungsamt ist ein echter Ehrenmann.“

Ausländerbehörde besonders unbeliebt

Einen regelrechten Shitstorm gibt es hingegen für die Ausländerbehörde. Für sie wurden mit fast 500 Google-Rezension die meisten Rückmeldungen geschrieben. Der Durchschnitt liegt bei 1,8 von fünf Sternen. Die negativen Bewertungen lesen sich so: „Mir fehlen die Worte. Diese Behörde ist nicht zu erreichen, weder per E-Mail noch per Telefon.“ Ein anderer mit dem Namen „vere viri“ kritisiert, stundenlang gewartet zu haben, nur um mit wenigen Sätzen wieder weggeschickt zu werden. Eine Nutzerin, die angibt, Ausländerin zu sein, kritisiert, dass sie sich wie ein „Mensch zweiter Klasse“ behandelt fühle. Gerade bei Fragen, bei denen es um den Aufenthaltsstatus geht, scheint sich viel Frust bei den Stuttgarter Besuchern der Ausländerbehörde aufgestaut zu haben. Es gibt aber auch wenige positive Bewertungen. Eine Nutzerin namens Sylvia zeigt Verständnis für die Mitarbeiter: „Ich finde, dass man den größten Respekt an alle Mitarbeiter aussprechen  sollte,  die  sich jeden Tag unter katastrophalen Voraussetzungen auf die Arbeit zwingen.“

Man kann wegen der unterschiedlich hohen Zahl an Bewertungen für die jeweiligen Ämter anhand von Google-Rezensionen kaum eine repräsentativen Wert für die Beliebtheit einer Behörde bestimmen. Fest steht jedoch, dass bei der Beurteilung eines Stimmungsbildes deutlich wird, dass sich viel Frust bei den Bürgern angesammelt haben muss. Die schlechte personelle Aufstellung hat auch in den letzten Wochen immer wieder für politische Diskussionen gesorgt. So hat sich auch Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) vor Kurzem einen Schlagabtausch mit der Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) zu dem Thema geliefert. Ob sich wirklich etwas zum Positivem verändern wird, wird man bestimmt auch in den nächsten Jahren bei den Google-Rezensionen live mitverfolgen können.

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