Online-Rezensionen sind mehrheitlich positiv, zeigt eine Datenanalyse unserer Zeitung. Trotzdem erhalten nur wenige Lokale die Bestnote. Manche Bewertungen sind erstaunlich.
Für einen Kaffee nimmt sich Matthias Mendler die nötige Zeit. „Wir achten auf Qualität“, sagt der Betreiber von Cäff Chen. Im Oktober 2022 hat der Ostasienwissenschaftler mit seiner Frau Piyanut Siramanukum das Café mit Rösterei im Stuttgarter Westen übernommen. Original asiatische Gerichte serviert der 41-Jährige seinen Gästen außerdem. Laut den Bewertungen auf Google Maps zählt Cäff Chen zu den besten Lokalen in der Stadt. Dabei gehe es bei ihm manchmal etwas chaotisch zu, räumt Matthias Mendler ein. „Vielleicht sind die Leute deshalb umso positiver überrascht“, sagt er und lacht. Eine Analyse von rund 300 000 Google-Rezensionen, die über 636 Stuttgarter Restaurants und Cafés geschrieben wurden, bringt erstaunliche Ergebnisse: Zum Beispiel, dass nur drei Lokale mit mehr als 100 Bewertungen einen Spitzenwert erreichen oder dass 4,5 von fünf Sternen lediglich Mittelmaß sind und die Gourmet-Restaurants weniger gut punkten.
Drei Viertel der Restaurants haben 4,2 und mehr Sterne bei Google
Dabei ist die große Mehrheit der Online-Kritiker von der Gastronomie begeistert – und vergibt fünf von fünf Sternen. Nur etwa jeder siebte urteilt mit drei oder weniger Sternen. Dadurch erreichen knapp drei Viertel aller bewerteten Restaurants und Cafés eine Note zwischen 4,2 und 4,8 Sternen, hat die Datenanalyse unserer Zeitung ergeben. Zu den besten zehn Prozent zählen Lokale mit einer Bewertung von mindestens 4,73 Sternen. Mit 4,8 Sternen darf sich ein Wirt den besten fünf Prozent zugehörig fühlen. Über diese Schwelle schaffen es 33 Betriebe in Stuttgart.
Cevahir Karaca sorgt bei Nimmersatt für die hausgemachten Speisen, ihr Sohn Bilal arbeitet im Betrieb mit. Foto: Ferdinando Iannone
Ganz oben in der Gunst der Google-Rezensenten stehen das Cafè Cuisin’le in Gablenberg, der Food Pizza Brilly in Vaihingen und das Halal-Restaurant Somali Star in Stuttgart-Süd. Allerdings hat in allen drei Fällen mit weniger als 30 Bewertungen nur ein kleiner Kreis von Gästen eine Note abgegeben. Zum Vergleich: Durchschnittlich haben Restaurants in Stuttgart etwa 470 Google-Rezensionen, wobei die Schwankungen erheblich ausfallen. Unter den Lokalen mit mindestens 100 Bewertungen sticht das Cäff Chen hervor – mit seinen glatten fünf Sternen von 128 Gästen. „Es ist ein kleiner Geheimtipp!“, schreibt zum Beispiel der Google-Rezensent Andreas Huger. Viele loben freundlichen Besitzer, die gerne beraten und auf Wünsche eingehen würden. Dass er eine Ausgabe von „Das Kapital“ von Karl Marx hinter seinem Tresen stehen habe, sorge schnell für Gesprächsstoff, erzählt Matthias Mendler.
Nimmersatt als Döner-Geheimtipp in Mühlhausen
Einen der besten Döner Stuttgarts gibt es laut Google offenbar in Mühlhausen: „Nimmersatt Kebap & Bowl“ hat von seinen aktuell mehr als 480 Rezensenten fast ausschließlich fünf Sterne erhalten. „Neun Euro für einen Döner klingt eventuell viel, rechtfertigt sich aber durch die Qualität“, schreibt Reviewer Christopher Marvin. „Wir wollen einen Döner anbieten, der heraussticht“, erklärt Bilal Karaca, dessen Bruder Fatih den Imbiss im vergangenen Januar eröffnet hat, die guten Noten. Zu 99 Prozent seien ihre Gerichte wie Linsensuppe, die Lahmacun-Füllung oder Falafel hausgemacht, nur die Pommes würden sie einkaufen. „Unsere Mutter kocht viel frisch, das schmeckt man“, sagt er. Außerdem gehe ihr Kebap über den Standard hinaus mit Zutaten wie rote Bete, Avocado oder Granatapfelkerne. Auch bei den Bowls verspricht er „bei jedem Bissen eine Geschmacksexplosion“.
Das Bistro „LuSi“ in Sillenbuch schneidet ebenfalls sehr gut auf der Plattform ab: „Lutz und Simon tragen mit ihrer freundlichen, humorvollen Art dazu bei, dass jeder unserer Besuche bisher zu einem tollen Erlebnis wurde”, kommentiert der Rezensent Jochen Ege. Matthias Mendler von Cäff Chen hat ein einziges Mal eine Vier-Sterne-Bewertung bekommen und der Verfasserin gleich geschrieben. Sie hatte sich über zu hohe Preise beschwert, die er mit den Bohnen aus Fairtrade-Handel und einem Frauenprojekt erklärte. Sie löschte daraufhin ihren Beitrag. Keine einzige schlechte Kritik musste der 41-Jährige nach eigenen Angaben tilgen lassen. „Wir glauben an unser Produkt“, sagt er, „darüber rede ich mit den Gästen und das zeigt sich in den Bewertungen.“ Mittlerweile werden rund 20 Prozent der Kundschaft durch die vielen Sterne angelockt.
Michelin-Stern zählt unter Google-Nutzern fast nichts
Während kleine Lokale groß herauskommen, zählt ein Michelin-Stern unter Google-Nutzern dagegen nicht viel: Die Datenanalyse zeigt, dass von den acht Stuttgarter Sternerestaurants nur das Hupperts und das Délice zu den besten fünf Prozent gehören. Die sogar mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Speisemeisterei kommt auf 4,7 Sterne bei Google ebenso wie das Restaurant im Hotel Zur Weinsteige. „Wir haben einen Ehrenkodex“, sagt Eva Klink von der Wielandshöhe (4,5 Google-Sterne von 737 Nutzern) über die Haute Cuisine. Sie und ihre Kollegen würden deshalb weder Bewertungen löschen lassen noch welche kaufen. Täglich bekäme sie Mails von „unseriösen Agenturen“ mit entsprechenden Angeboten. Für die Wielandshöhe sei die Google-Note jedoch weniger wichtig, weil sie nicht auf Laufkundschaft angewiesen sei.
Dabei nutzt auch Eva Klink die Suchmaschine für die Restaurantauswahl auf Reisen: Bei Noten unter 4,2 Sternen ist sie vorsichtig, bei zu guten ebenfalls. Ihrer Meinung nach spielt sich „das echte Leben“ dazwischen ab. Bei zu vielen Beiträgen von Autoren mit Fantasienamen wie Micky Maus oder bei vielen Fünf-Sterne-Bewertungen mit keinem oder wenig Text tippt sie auf Trickserei. Weil jeder eine andere Auffassung von Geschmack, Preis-Leitungsverhältnis oder Service hat, verlässt sie sich auf die Fotos. „Da sehe ich viel, zum Beispiel ob die Tischkultur gepflegt wird oder ein Ambiente herrscht wie in einer Bahnhofshalle.“
Analyse der Daten
Vorgehensweise Die Daten, die der Analyse zugrunde liegen, stammen direkt von Google Maps. Mithilfe eines sogenannten Scrapers konnte unsere Redaktion zu 636 Restaurants und Cafés die zugehörigen Rezensionen sammeln und auswerten.
Erhebung Die genannten Bewertungen für Restaurants ergeben sich aus dem arithmetischen Mittel der Einzelbewertungen. Google selbst rechnet so die eigenen Bewertungen auch aus, gibt das Ergebnis aber nur auf eine Nachkommastelle genau an und ist deshalb zum Vergleichen der Betriebe und zur statistischen Auswertung zu ungenau. Die redaktionseigene Auswertung ermöglicht ein detaillierteres Hinsehen. Die Erhebung erfolgte im April 2025. Bewertungen können sich seitdem geändert haben.