Gotthard-Tunnel eröffnet Unterirdisch in die Zukunft

Von Steffen Rometsch 

Um 12.49 Uhr hat das technische Wunderwerk namens Gotthard-Basistunnel seine Feuertaufe bestanden: Die ersten beiden Züge rollen wieder ans Tageslicht und erreichen das Ziel auf der jeweils anderen Seite des Alpenmassivs.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bei der Eröffnung des Gotthard-Tunnels dabei. Foto: AFP 13 Bilder
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bei der Eröffnung des Gotthard-Tunnels dabei. Foto: AFP

Pollegio/Erstfeld - Mit einem „Bahn frei“ schickt der Schweizer Bundespräsident ­Johann Schneider-Ammann die beiden Züge am Mittwoch vom Nord- und vom Südportal des neuen Gotthard-Basistunnels auf die Reise. Exakt 20 Minuten später erreichen sie nach 57 Kilometern wieder das Tageslicht auf der anderen Tunnelseite. Die Inszenierung entspricht ganz dem Schweizer Selbstverständnis: In den Eröffnungszügen sitzen nicht die Regierungschefs, prominente oder geladene Gäste, sondern tausend Bürger, die unter 160 000 Bewerbern ausgelost wurden – Vorfahrt für das Volk.

Täglich können in den beiden Röhren 240 Güterzüge und 65 Personenzüge verkehren. Der Regelbetrieb startet nach weiteren Testfahrten am 11. Dezember. Bis zur vollen Auslastung des Tunnels werden aber noch viele Jahren vergehen. Die Zubringerstrecke aus Italien mit dem Ceneri-Basistunnel soll 2020 fertig sein, die deutsche Rheintalstrecke Karlsruhe–Basel wird wohl nicht vor 2035 ausgebaut sein.

Orange war die prägende Farbe

1200 Gäste sind nach Erstfeld unweit des Vierwaldstättersees gekommen zur feierlichen Einweihung des Gotthard-Basistunnels. Viele Reden werden gehalten. Zuvorderst von Johann Schneider-Ammann, dem Schweizer Bundespräsidenten. „Das ist ein großer Tag für die Schweiz, aber auch ein großer Tag für Europa“, betont er. Der mit 57 Kilometern längste Eisenbahn­tunnel der Welt demonstriere, „wie präzise, ­innovativ und verlässlich schweizerische Ingenieur- und Baukunst funktioniert“.

Merkel lobt den Tunnel als „Wunderwerk der Technik“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Österreich, Italien und Liechtenstein im Zug von Erstfeld nach Pollegio im Kanton Tessin gefahren ist, sagt: „Meist ist von Brücken die Rede, wenn es darum geht, Menschen zu verbinden – heute müssen wir diesen Sprach­gebrauch überdenken.“

Neben vielen Reden gibt es aber auch viel Theater um den neuen Tunnel. Eine Artistengruppe stellt den Vorstoß durch den Berg bildlich dar. Unter der Leitung des deutschen Regisseurs Volker Hesse bieten 600 Darsteller, darunter zahlreiche Laien aus der Region, ein tänzerisches, musikalisches und optisches Feuerwerk rund um den Mythos Gotthard. Zuvor segnen christliche, jüdische und islamische Geistliche den Tunnel, bei dessen Bau neun Arbeiter ihr Leben verloren haben. An sie erinnert eine Gedenktafel am Nordportal.




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