Gottlieb-Daimler-Gymnasium Eine Schule zeigt Courage mit multikulturellem Fest

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Nach einem fremdenfeindlichen Shitstorm im Internet feiert das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt am Freitag sein multikulturelles Fest in seinem Foyer. Zwischenfälle blieben aus.

Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium hat multikulturell gefeiert. Foto: Martin Stollberg
Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium hat multikulturell gefeiert. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Für Julia Wernecke, Religionslehrerin am Cannstatter Gottlieb-Daimler-Gymnasium (GDG), war die letzte Schulwoche vor den Weihnachtsferien bisher immer die schönste im ganzen Schuljahr. Ein bisschen stressig sei es zwar immer schon gewesen, aber eben vor allen Dingen schön, findet sie. „In diesem Jahr stand unser gemeinsames Fest einfach unter keinem guten Stern“, resümiert die junge Lehrerin.

Seit drei Jahren feiern am GDG die Schüler und Lehrer zum Jahresende ein gemeinsames Fest der Werte, stattfinden sollte es auch in diesem Jahr wieder in der Katholischen Liebfrauengemeinde. „An unserer Schule werden 640 Kinder und Jugendliche aus insgesamt 23 Nationen unterrichtet. Deswegen haben wir uns ein Motto überlegt, unter dem wir alle zusammen ein Fest begehen können, bei dem jeder mitfeiern kann“, erklärt der Religionslehrer Hans-Jörg Vogel. Als das Blog Politically Incorrect (PI) über die Multikulturelle Feier am vergangenen Montag im Internet empört berichtete, erreichte die Schulleitung und den Pfarrer der Liebfrauenkirche ein Sturm der Empörung (die StZ berichtete) – in Briefen, E-Mails und Anrufen wurden die Beteiligten beleidigt und teilweise sogar bedroht. Kurzzeitig hatte sich die Direktorin der Schule, Verena König, dazu entschieden die Feier abzusagen. „Um die Kinder nicht zu gefährden“, wie sie erklärte. Gefeiert wurde nun trotzdem: statt im Altarraum der Kirche allerdings nur im Foyer der Schule.

Eine Feier aller Widrigkeiten zum Trotz

„Dabei ging natürlich die besinnliche Stimmung verloren, die Atmosphäre im Foyer ist wenig feierlich“, bedauert Wernecke. Trotzdem: dem Kollegium und den Schülern sei es ein Anliegen gewesen, die Feier aller Widrigkeiten zum Trotz abzuhalten. „Wir ziehen hier alle an einem Strang“, sagt Wernecke mit Stolz. Ein Großteil der Anwesenden trägt an diesem Tag auf ihrer Kleidung einen Aufkleber, auf dem das Motto des GDG zu lesen ist: „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage.“

Auch der Pfarrer der Liebfrauengemeinde, Martin Kneer, ist zu der gemeinsamen Feierstunde in die Schule gekommen. „Ein Aspekt der Geburt Jesu ist doch, dass die Menschen aufgefordert werden Achtung voreinander zu haben – ganz gleich welcher Religion oder Nationalität“, sagt er. Überhaupt wüssten viele Menschen heutzutage sowieso nicht mehr, warum das Weihnachtsfest gefeiert werde. „Mit so einer gemeinschaftlichen Feier erreichen wir alle Jugendlichen“, sagt der Geistliche. „Wenn wir ihnen bewusst machen, dass Weihnachten in erster Linie ein Fest der Werte und nicht eines des Konsums ist, dann ist schon viel erreicht.“

Nach einer halben Stunde ist das Fest vorbei – ohne Zwischenfälle. Am Ende singen alle gemeinsam „Jingle Bells“.

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