Gottlob Heinrich Rapp Späte Würde für eine Legende

Von Thomas Borgmann 

Gottlob Heinrich Rapp (1761-1832) war eine Stuttgarter Legende. Anna Marie Pfäfflin hat sich in ihrer Doktorarbeit mit

Rapp, hier auf einem Gemälde von 1790, war ein Freund der Künste. Foto: DLA Marbach
Rapp, hier auf einem Gemälde von 1790, war ein Freund der Künste. Foto: DLA Marbach

Stuttgart - Als der Geheimrat Goethe im August und September 1797 das abseits der Zeitläufte liegende Stuttgart besuchte, machte er seinen Gastgebern ein schönes Kompliment: „Nun habe ich Tage hier verlebt, wie ich sie in Rom lebte.“ Dieser schwärmerische Satz läuft den Residenzschwaben bis heute hinunter wie Öl. Goethes verbrieftes Lob, gerne und oft zitiert, gilt seitdem als der schlagende Beweis dafür, dass die ältliche Stadt beim Neckar und am Nesenbach mit ihren 20 000 Einwohnern damals nicht gar so hoffnungslos verhockt und langweilig war, wie ihre Kritiker, zumal ihre zahlreichen Spötter, es immer wieder behaupten.

Doch wie kam der Genius Goethe zu seinem schmeichelhaften Urteil – Stuttgart in einem Atemzug mit Rom? Hinter seiner geglückten Stuttgarter Woche von 1797 steckte kein Geringerer als Friedrich Schiller. Der hatte den Besuch seines kongenialen Gesprächspartners aus Weimar avisiert bei seinem hiesigen Freund Gottlob Heinrich Rapp – damals schon der Motor und Mittelpunkt des kulturellen und geistigen Lebens in der Hauptstadt des Herzogtums Württemberg. Für Rapp, Jahrgang 1761, war es die höchste Ehre seines Lebens, den berühmten Goethe, Jahrgang 1749, in seinem Haus Stiftstraße 6, an der Ecke zur heutigen Königstraße gelegen, zu empfangen. Der prominente Gast würdigt seinen Gastgeber später als einen „thätigen Handelsmann, gefälligen Wirth und wohlunterrichteten Kunstfreund“.

Ein einflussreicher Bürger

Das Rapp’sche Haus, erst im Zweiten Weltkrieg zerstört, ist nicht allein durch Goethes Aufenthalt zur Legende geworden. Doch wie kam es dazu? Wer war dieser Gottlob Heinrich Rapp, in dessen vier Wänden nicht nur der Geheimrat verkehrte, sondern über Jahrzehnte hinweg viele Geistesgrößen schwäbischer und anderer Herkunft? Es ist merkwürdig, dass der Name dieses Kenners und Gönners der schönen Künste bis heute in der Stadtgeschichte einen guten Klang besitzt, denn die Literatur über ihn ist spärlich – besser gesagt, sie war spärlich: Jetzt, ein knappes Jahr nach Rapps 250. Geburtstag am 6. Februar 2011, hat die Kunsthistorikerin Anna Marie Pfäfflin diese Lücke endlich geschlossen.

Ihre Dissertation, alles in allem 658 Seiten, widmet sich intensiv diesem vielseitig begabten, einflussreichen und selbstlosen Stuttgarter Bürger. Über seine Person hinaus öffnet ihre Doktorarbeit den Blick auf die Kunst- und Kulturgeschichte Württembergs vom Ende des 18. bis hinein ins frühe 19. Jahrhundert. Es ist ein Kapitel der Stadtgeschichte wie man es – dem Geist und Sinn einer Promotion entsprechend – noch nicht zu lesen bekam.

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