Das Kalbsfilet ist ein Genuss, die Gelbschwanzmakrele ein Gedicht, das japanische Rührei ein Auslöser kulinarischer Glücksgefühle – was Kento Ohkawa in seinem neu eröffneten Restaurant in Fellbach auf die Teller bringt, dürfte Freunde fernöstlicher Gaumenfreuden in Wohlgefallen versetzen.
Denn die Küche des seit vergangenem Sommer in Fellbach lebenden Kochs ist nicht nur geschmacklich ein Erlebnis. Auch optisch können sich Nori-Chips mit Jakobsmuscheln, marinierte Ingwerknospen und Thunfisch-Röllchen sehen lassen. Hier ein Blümchen, da ein Schälchen, die Freude an der Präsentation ist spürbar, die Gestaltung hinreißend.
Kento Ohkawa eröffnet kulinarisches Highlight in Fellbach
Kurz vor Weihnachten hat der seit drei Jahrzehnten in renommierten Küchen arbeitende Kento Ohkawa in der Fellbacher Bahnhofstraße sein erstes eigenes Restaurant eröffnet. Und das könnte, auf halber Strecke zwischen Rathaus und Wüst-Areal in der ehemaligen Weinstube Rose untergebracht, durchaus zu einem kulinarischen Aushängeschild für die zuletzt eher von kulinarischen Tiefschlägen heimgesuchte Stadt unterm Kappelberg werden.
Denn bei Technik und Kreativität ist der japanische Gastronom, in der Küche weitgehend ein Einzelkämpfer, über jeden Zweifel erhaben. Und das Konzept, japanische Esskultur mit französischer Kochkunst zu einer modern-eleganten Fusion zu verbinden, könnte auch jenseits der Grenzen der Landeshauptstadt sein Publikum finden.
Fine-Dining in der früheren Weinstube: Kento und Hitomi Ohkawa Foto: Gottfried Stoppel
Fernöstliche Aromenwelten auf Fine-Dining-Niveau – das könnte auch in Fellbach funktionieren. Zumal Kento Ohkawa beste Referenzen hat. Drei Jahrzehnte lang hat der 53-Jährige in Restaurants mit französisch inspirierter Küche gearbeitet, unter anderem im renommierten Hotel de Mikuni in Tokio.
Auch deshalb vertrauen wir beim Testbesuch auf die Auswahl des Küchenchefs und ordern das Omakase-Menü. Etwas anderes bleibt einem als Gast auch nicht übrig, eine A-la-carte-Bestellung ist im nach der Inhaberfamilie schlicht „Ohkawa“ betitelten Restaurant im Abendgeschäft nicht vorgesehen – und würde den auch in der Vorbereitung auf Perfektion setzenden Mittfünfziger wohl auch überfordern.
Weil der von der Insel Yakushima stammende Koch dank reservierter Tische weiß, was auf ihn zukommt, kann er sich bei der Präsentation der Gerichte austoben – und so gut wie jedes Tellerchen zu einem optischen Highlight machen. Enttäuscht werden wir nicht, auch weil sich das für 98 Euro auf der Karte stehende Drei-Gänge-Menü als kulinarisches Füllhorn mit fast einem Dutzend unterschiedlicher Kostbarkeiten entpuppt.
Nach den Vorspeisen werden im Ohkawa nämlich japanische Tapas gereicht, Gaumenschmeichler von der Gänseleber bis zum Garnelen-Bällchen. „Hassun“ nennt sich die sorgfältig abgestimmte Auswahl von Appetizern, garniert mit einem herbstlich braun gefärbten Ginkgo-Blatt. Erst dann folgt mit Fisch oder Fleisch der Hauptgang, wer sich durch beide Welten schmecken will, findet auf der Karte für 130 Euro eine Zusatz-Option. Und: Auch beim Rind ist ein Upgrade möglich, für einen Aufpreis gibt es auch Wagyu zu kosten.
Eigentlich ein halbes Dutzend Vorspeisen: die Hassun-Auswahl beim Abendmenü. Foto: STZN
Wer sich nun gedanklich aufs Dessert eingestellt hat, liegt übrigens falsch. Vor den von mehreren Petit Fours umrahmten Nachspeisen steht bei Kento Ohkawa erst mal ein Zwischengang mit vier verschiedenen Sorten Sushi an – von zweierlei Thunfisch über die Gelbschwanzmakrele bis zur Goldbrasse.
Feinschmeckern dürfte spätestens zu diesem Zeitpunkt dämmern, dass das Essen in der Fellbacher Stadtmitte jeden Cent wert ist – und der Küchenchef seine Preise mit Blick auf die verwendete Ware eigentlich zu günstig kalkuliert. Das Menü gibt es selbstverständlich auch in einer Vegetarismus-Variante, für den Mittagstisch hat Kento Ohkawa auch Reis-Bowls, Miso-Suppe und eine Sushi-Auswahl im Programm.
Einziger Schönheitsfehler ist der Mangel an fernöstlichem Flair
Einziges Manko des für französisch inspirierte Gourmetküche stehenden Restaurants ist das Ambiente. Mit schweren Holztischen, einem langgestreckten Fachwerk-Flur und nüchternen Fliesenböden steht die frühere Weinstube eher für Wurstsalat und Käsewürfel.
Den Mangel an fernöstlichem Flair macht auch der sympathische Charme von Hitomi Ohkawa nicht ganz wett. Die gelernte Krankenschwester – Mutter von drei Töchtern – kümmert sich im Restaurant der Familie sehr aufmerksam um die Betreuung der Gäste.
„Wir können keinen formellen oder luxuriösen Service bieten, aber wir tun unser Bestes, damit Sie Ihr Essen genießen können“, heißt es auf der Homepage. Willkommen aber fühlt man sich im Ohkawa. Und ausgezeichnet essen lässt es sich in Fellbachs neuem Japan-Restaurant auch.