Gourmetlokale in der Region Stuttgart 23 Adressen für ganz normale Genießer

Von  

Manche nennen den Bib Gourmand den Stern für Arme. Die Auszeichnung wird seit 20 Jahren verliehen. Wir haben uns umgehört, was die Auszeichnung des Guide Michelin den Gastronomen bringt.

Heike und Jörg Ebermann haben den Bib Gourmand, seit es ihn gibt: Ihre Linde in Oberboihingen ist seit 20 Jahren für ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet. Foto: Horst Rudel
Heike und Jörg Ebermann haben den Bib Gourmand, seit es ihn gibt: Ihre Linde in Oberboihingen ist seit 20 Jahren für ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet. Foto: Horst Rudel

Stuttgrat - Jede Werbung, die nichts kostet, ist die beste Werbung“, sagt Johanes Füller, Inhaber und Küchenchef des Gasthauses Cervus in Plochingen. Das kann eine gute Bewertung in der Presse sein, die Mund-zu-Mund-Propaganda von Gästen oder ein Bib Gourmand des „Guide Michelin“, dem „Stern für Arme“, wie Kurt Schienle vom Hotel Am Park in Leinfelden-Echterdingen die Auszeichnung salopp bezeichnet. Auch sein Restaurant hat seit Jahren einen Bib Gourmand mit dem „besten Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland“. Was den Bib vom Stern unterscheidet: „Er nimmt die Schwellenangst“, sagt Füller. Bei Sternerestaurants würden die meisten Leute doch nur an „steif, klein, teuer“ denken.

Manche, die noch nie einen Blick in die rote „Bibel“ der Feinschmecker geworfen haben, glauben, darin wäre nur die Sternegastronomie vertreten. Im „Guide Michelin“ sind aber 2300 Restaurants und 1970 Hotels gelistet. Einige dieser Restaurants sind besonders hervorgehoben – mit einem Bib Gourmand, der in Deutschland seit 20 Jahren verliehen wird. 23 Bib-Lokale gibt es in der Region Stuttgart gegenüber 21 Sternerestaurants – und eine Adresse hat beides: Zum Hirschen in Fellbach mit einem Bib Gourmand für das Gasthaus oben und einem Stern für das Avui im Gewölbekeller.

Der klassische Guide verkauft sich mehr

Zusätzlich zum „Guide Michelin“, dessen inzwischen 51. Deutschlandausgabe vorliegt, ist zum zweiten Mal auch ein Extrabuch für den Bib Gourmand erschienen. Es ist, wie die Michelin-Sprecherin Nina Grigoleit sagt, „optisch gefälliger und leserfreundlicher“, weil nicht so klein und eng gedruckt. Zu den Verkaufszahlen äußert man sich im Hause Michelin traditionell nicht. Nur so viel: Der klassische Guide werde mehr verkauft, mit der Entwicklung des Bib-Guides aber sei man „sehr zufrieden“ und überlege, die Auflage zu erhöhen.

Die Ausrichtung der selbstverständlich guten Küche spielt für den Bib Gourmand keine Rolle. Sie kann traditionell, klassisch, modern sein, ob schwäbisch, international oder exotisch. Entscheidend ist vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis mit der magischen Grenze von inzwischen 37 Euro. Zu diesem Betrag, für den man in manchen Sternerestaurants nicht mal ein Hauptgericht bekommt, soll ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang, Dessert möglich sein. Gilt eventuell ein einziges Alibi-Menü bei sonst weit höheren Preisen auf der Karte? Da muss auch die Unternehmenssprecherin beim Chefinspektor Ralf Finkenflügel – die 13 Tester werden in französischer Tradition Inspektoren genannt – nachfragen. Nein, der Gast müsse mehrere Kombinationsmöglichkeiten haben.

Für 37 Euro müssen drei Gänge möglich sein

Johannes Füller schaut auf seine Speisekarte und überschlägt, mit welchen Kombinationen er unter 37 Euro bleiben kann: etwa Maultaschensuppe, Kotelette vom Duroc-Schwein, Apfelküchle mit Vanilleeis – es geht! Und was „die beste Werbung“ betrifft: Einige steuerten das Cervus gezielt über die Michelin-App an, Geschäftsleute mit Messetermin oder auch Franzosen.

Ganz weit draußen, in Auenwald mit seinem nur wenige hundert Einwohner zählenden Weiler Däfern, kann so eine Hervorhebung im „Guide Michelin“ umso wichtiger sein. Und ja, auch Alexander Munz, der dort im Waldhorn seit 2006 auf sehr gutem Niveau kocht, was wie beim Cervus von uns als Tageszeitung zuerst erkannt wurde, habe dem Bib Gourmand schon manchen Gast zu verdanken. Über die App habe zum Beispiel Vincent Klink zu ihm gefunden.

Sonderthemen