Grabkapelle in Rotenberg Die Grabkapelle im Vorgarten

Den Schlüssel zu einem ganz besonderen Ort hat Doris Grau. Foto: Claudia Leihenseder
Den Schlüssel zu einem ganz besonderen Ort hat Doris Grau. Foto: Claudia Leihenseder

Doris Grau wohnt an einem geschichtsträchtigen Ort. Mit der Grabkapelle hatte sie nach ihrem Umzug beruflich zunächst nichts zu tun – bis die Verwalterstelle für die Grabkapelle gestrichen wurde.

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Rotenberg - Touristen und Schaulustige haben nur wenige Menschen im eigenen Garten. Bei Doris Grau und ihrer Familie ist das fast so. Seit 1974 lebt sie mit ihrem Mann Otto im Verwaltergebäude, das der italienische Architekt und Erbauer der Grabkapelle, Giovanni Salucci, direkt neben dem Württembergischen Wahrzeichen zwischen 1820 und 1824 erbaut hat. Sie hat ihre Kinder dort aufgezogen und rund um die Grabkapelle spielen lassen.

„Dieser Ort ist etwas Besonderes“, sagt Doris Grau und gerät fast ins Schwärmen, wenn sie beginnt, von ihrer Zeit auf dem Württemberg zu erzählen: „Ich genieße es immer noch, hierher zu kommen“, sagt die 68-Jährige. Diese Lage, diese Stimmung, diese Architektur. Doris Grau fühlt sich wohl auf diesem wichtigsten aller Württemberger Berge.

Doris Grau macht sogar selbst Führungen

Dabei war es eher ein Zufall, der die Schwäbin nach Rotenberg und schließlich direkt neben die Grabkapelle ziehen ließ. Ihr Mann Otto ist nämlich der Sohn des Verwalters Otto Grau, der 1950 mit seiner Familie in das Verwaltergebäude eingezogen war. Als Doris und Otto sich kennenlernten, zogen sie erst in den Ort Rotenberg. Nach fünf Jahren wurde eine Wohnung im Verwaltergebäude der Grabkapelle frei, und die Graus beworben sich. Sie zogen ein, die Kinder kamen zur Welt und spielten „auf einem wunderbaren Abenteuerspielplatz“, wie sich Doris Grau mit einem Lächeln erinnert.

Mit der Grabkapelle als solcher hatten sie beruflich zunächst nichts zu tun. Erst als 1994 die Verwalterstelle für die Grabkapelle gestrichen wurde, ging es für Doris Grau langsam los. Ein Team von Männern übernahm die Führungen; Doris Grau nahm die telefonischen Anmeldungen entgegen. Bald hatte sie einen Vertrag, machte Dienstpläne, Abrechnungen – und schließlich auch selbst Führungen. „Dabei bin ich gar keine Historikerin.“ Sie nahm Bücher zur Hand und las sich in die Geschichte der Grabkapelle ein; sie fragte Historiker und Experten.

Die Kirchenmaus Amalie führt durch die Grabkapelle

Inzwischen ist sie selbst eine Expertin in Sachen Grabkapelle, König Wilhelm I. und Königin Katharina – und das auch für die Kleinen. Erst hat sich Doris Grau für Kinderführungen stark gemacht, dann hat sie selbst im Jahr 2009 einen kleinen Führer für Kinder geschrieben. In dem Heftchen führt die Kirchenmaus Amalie – die Grabkapelle ist übrigens als russisch-orthodoxe Kirche konzipiert – Kinder durch die Räume und die Geschichte Württembergs. „Dabei ist doch der Tod ein schwieriges Thema“, sagt Doris Grau. Nach wie vor macht Doris Grau Führungen durch die Grabkapelle, obwohl sie eigentlich seit vier Jahren in Rente ist. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen nichts zu tun.“

So macht sie einfach weiter und erzählt auch gerne von so manchem besonderen Besucher. Unter anderem kommen ab und zu der Herzog von Württemberg oder seine Kinder vorbei. Auch Gotthilf Fischer war schon mit seiner Straße der Lieder auf dem Württemberg. Grau: „Hier passieren Sachen, bei denen man denkt: es ist einfach toll.“




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