Grafenau Messerangriffe erschrecken den Ort
Drei Messerattacken auf Polizisten passierten in der kleinen und ansonsten sehr sicheren Gemeinde. Der Polizeiposten im Ort berichtet im Gemeinderat.
Drei Messerattacken auf Polizisten passierten in der kleinen und ansonsten sehr sicheren Gemeinde. Der Polizeiposten im Ort berichtet im Gemeinderat.
Grafenau sei „im Großen und Ganzen eine sehr sichere Gemeinde und auch bei den Verkehrsunfällen nicht auffällig“, fasste Bürgermeister Martin Thüringer die Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik im Grafenauer Gemeinderat am Mittwochabend zusammen. Einige Details im von Frank Bechtle vorgestellten Zahlenwerk erschreckten dennoch. So berichtete der zuständige Maichinger Polizeipostenleiter von zunehmender Gewalt gegen Polizeibeamte und einem überdurchschnittlich hohen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger.
1368 Polizeibeamte waren im Kreis Böblingen bei 323 Fällen insgesamt von Gewalt betroffen. Eine Zunahme von über 58 Prozent, was auch den dramatischen landes- und bundesweiten Trend widerspiegelt. „Nahezu jeden Tag sind Kollegen Opfer von Gewalt“, fasste Frank Bechtle anschaulich und einigermaßen erschüttert zusammen. Drei Fälle davon, allesamt Messerangriffe, entfielen auf das Gemeindegebiet Grafenau. Ebenfalls auffällig ist quer durch alle Deliktgruppen der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger. Genau ein Drittel habe dieser in Grafenau bei einem Ausländeranteil von 21 Prozent an der Grafenauer Wohnbevölkerung betragen. „Menschen mit Migrationshintergrund und deutschem Pass gar nicht eingerechnet“, fügte Polizeipostenleiter Bechtle außerdem hinzu. Nicht nur aus seiner Sicht sei sehr bedenklich, dass Menschen, die hier Schutz suchen, straffällig werden und damit auch ein schlechtes Licht auf alle anderen Flüchtlinge und Ausländer werfen würden.
Positiv dagegen vermeldete die Kriminalstatistik, dass Grafenau bei den Häufigkeitszahlen insgesamt nach wie vor im guten mittleren Drittel im Revierbereich Sindelfingen liegt und auch die Aufklärungsquote quer durch alle Straftaten kreisweit leicht gestiegen ist. 159 Straftaten mit einer Schadenshöhe von knapp 200 000 Euro wurden 2024 auf Grafenauer Gemarkung begangen, die Mehrzahl von 113 davon in Döffingen. Angeführt von 37 Diebstählen, darunter elf schwere, dem weiterhin „großen Sorgenkind“ Vandalismus mit 26 Fällen und 23 Körperverletzungen mit einer erfreulichen Aufklärungsquote von 90 Prozent. „Täter und Opfer kennen sich meistens“, erläuterte der Maichinger Polizeipostenleiter diesen Umstand.
Bei den 27 Vermögens- und Fälschungsdelikten und damit exakt der gleichen Zahl wie 2023 spielen Internet und Telefon eine Hauptrolle. Wenig zufrieden stimmt Frank Bechtle und seine Kollegen das fast vollständige Verschwinden der Rauschkriminalität – zumindest aus der Statistik. Durch das im vergangenen Jahr verabschiedete Cannabis-Gesetz sei die Hemmschwelle gesunken und auch bei Jugendlichen ein Unrechtsbewusstsein kaum mehr vorhanden. „Wir sind nicht glücklich“, schilderte Bechtle seine Gemütslage.
Gänzlich unspektakulär ist die Verkehrsunfallstatistik: Es gab 53 Verkehrsunfälle (2023: 44) mit elf Leicht- und einem Schwerverletzten.