Grafenau will Kosten prüfen TSV möchte neues Sportheim für fünf Millionen Euro

Das alte TSV-Vereinsgebäude soll abgerissen werden. Auf der Wiese im Hintergrund soll ein Kunstrasenplatz entstehen. Foto: Langner

Teure Technik: Fünf Millionen Euro soll das neue Funktionsgebäude auf dem Dätzinger Holzberg kosten. Vor einer Entscheidung ist der Bauausschuss gefragt.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Beinahe fünf Millionen Euro – so viel soll das neue Funktionsgebäude des TSV Grafenau auf dem Dätzinger Holzberg kosten. Hinzu kommen weitere knapp drei Millionen Euro für die Neuanlage des Sportplatzes und die Erweiterung des bestehenden Spielfelds. Im Gemeinderat ist man sich einig, dass die Erneuerung der veralteten und maroden Sportstätte notwendig und seit Jahren überfällig ist. Ob man am Ende tatsächlich rund acht Millionen Euro dafür locker machen will, soll nun am 31. März der Bauausschuss nach einer „intensiven Kostenanalyse“ entscheiden.

 

Diesen Beschluss fasste am Mittwochabend der Gemeinderat Grafenau, nachdem der Gäufeldener Architekt Oliver Hess die Vorentwurfsplanung für den Neubau vorgelegt hatte. Gemeinsam mit weiteren Projektbeteiligten wie etwa für Heizungs- und Elektrotechnik nahm sich Hess viel Zeit, um die Baumaßnahme eingehend vorzustellen.

Architekt Oliver Hess: „Gebäude ist nicht gleich Gebäude“

„Gebäude ist nicht gleich Gebäude“, lautete dabei eine seiner Kernaussagen, mit der er klarmachen wollte, warum man dieses Projekt nicht eins zu eins mit anderen Vereinsstätten vergleichen könne. Ein wesentlicher Kostenfaktor sei der große Anteil an Technikflächen – also für Duschen, Küche, Sanitäranlagen und andere Räume mit installierter Technik. Schon allein, weil es jeweils eigene Toiletten und Duschen für Gast- und Heimteams sowie deren Trainer brauche, machten diese kostenträchtigen Technikflächen 38 Prozent der insgesamt 613 Quadratmeter Nettogesamtfläche aus.

Wenn alles glatt läuft, könnten laut dem Planer die Bauarbeiten Mitte Mai 2026 beginnen. Dafür müsste der Abbruch des alten Vereinsheims noch diesen Winter beginnen. Ob das auch klappt, ist laut Grafenaus Bauamtsleiter Markus Buck allerdings nicht hundertprozentig sicher. „Der Bebauungsplan ist noch in der Auslegungsphase, also noch nicht rechtsfähig“, erklärte Buck.

Zum einen sei die Gemeinde dabei, Ersatzbehausungen für die im Altbau ansässigen Fledermäuse aufzustellen. Zum anderen habe die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) eine Flachlandmähwiese nördlich der Parkplätze festgestellt. Dadurch werde eine weitere Planänderung notwendig.

Vor fast genau einem Jahr, im April 2024, hatte der Funktionsbau schon einmal auf der Tagesordnung des Gemeinderats gestanden. Der TSV-Sportstättenverantwortliche Tim Gersonde hatte das Projekt damals in einer noch sehr frühen Planungsphase vorgestellt. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte sich abgezeichnet, wie teuer der Funktionsbau werden würde. Die Reaktion im Gemeinderat: Unmut und Unverständnis.

Auch der Musikverein wünscht sich ein eigenes Domizil

Nach dem Vortrag der Planer sieht man das Thema im Gremium offenbar mit anderen Augen. „Jetzt kann man das besser nachvollziehen“, sagte beispielsweise SPD-Rat Franjo Damjanović. Carolin Pleß (Freie Wähler) erlaubte sich als Vorsitzende des Musikvereins Grafenau allerdings den Hinweis, dass ihr Verein seit Jahren ein „Nomadendasein“ führe und sich ebenfalls ein eigenes Domizil wünsche.

Seitenansicht des alten TSV-Gebäudes. Im Dachstuhl haben sich Fledermäuse eingenistet. Foto: Langner

„Das war wichtig, um das Projekt auch in dieser Tiefe zu begreifen“, würdigte Bürgermeister Martin Thüringer (parteilos) die Planvorstellung. Eine Spitze in Richtung des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) wollte sich der Rathauschef dabei nicht verkneifen. „Das dürfte gerne ein bisschen mehr sein“, kommentierte er die rund 350 000 Euro, mit denen der Dachverband das Projekt fördert.

„Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht“, betonte Thüringer. „Aber es gibt keine Alternative. Wir brauchen das Funktionsgebäude. Es ist auch nicht üppig, sondern einfach das Notwendige“, sagte der Bürgermeister.

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