Daniel Luginsland nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Weinglas, das ihm sein Bruder Samuel gereicht hat. Die beiden stehen hoch oben auf einem Baugerüst am Rohbau des neuen Grafenauer Bauhofs. Über ihnen ragt ein Richtbaum in die Höhe. Ein kräftiger Wind lässt die bunten Bänder flattern. Dann wirft der Zimmerermeister das Glas mit Schmackes auf den Boden, wo es klirrend in unzählige Stücke zerspringt – auf dass die Scherben dem Bauvorhaben Glück bringen mögen.
Bisher war das Glück wohl tatsächlich auf der Seite der zahlreichen Schaffer, die an dieser Baustelle in unmittelbarer Nachbarschaft zur historischen Stegmühle und zum Wertstoffhof beteiligt sind – so hieß es jedenfalls in den Ansprachen von Bürgermeister Martin Thüringer (parteilos) und dem Architekten Andreas Zweifel, die beide von Bauarbeiten ohne größere Unfälle oder Verletzungen berichteten.
Ein wenig schmerzhaft waren bei diesem Großprojekt dagegen die lange Bauzeit und vor allem die Kostenentwicklung. Statt der beim Baubeschluss im Jahr 2019 kalkulierten Investitionskosten von rund 2,5 Millionen Euro muss die Gemeinde nun wohl mehr als das Doppelte aufwenden. Hauptgrund für die Kostenexplosion war – neben den zuletzt ohnehin massiv gestiegenen Baukosten – die Fehleinschätzung in einem geologischen Gutachten und damit verbundene Probleme bei der Eindämmung des Grundwassers.
Fertigstellung für kommendes Frühjahr angedacht
Nun also sind die Rohbauarbeiten abgeschlossen, im kommenden Frühjahr, so hofft Thüringer, könnte der Bauhof fertig sein. Beim Richtfest erinnerte der Bürgermeister daran, wie der Bauhof über seine baulich und strukturell stark eingeschränkten Anfänge immer weiter hinausgewachsen sei.
Thüringer blickte dabei auch über den Rand dieser Baustelle hinaus. Schließlich entstehen hier zwischen den beiden Teilorten Dätzingen und Döffingen gleich mehrere Großprojekte.
Am drängendsten ist dabei das zentrale Feuerwehrhaus, das unmittelbar neben dem Bauhofneubau und unterhalb der Tankstelle an der Dätzinger Straße entstehen soll. Auch hier gab es massive Kostensteigerungen – obwohl von einem Baufortschritt bisher kaum etwas zu erkennen ist. Bis zur angedachten Fertigstellung im Juni 2026 muss in jedem Fall noch viel passieren. „Immerhin haben wir schon eine Heizleitung verlegt und wie jeder Schwabe weiß, geht bei einem Hausbau nix ohne Heizung“, feixte Thüringer in seiner Ansprache.
Landkreis steht mit neuem Wertstoffhof schon Gewehr bei Fuß
Ein weiteres Millionenprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bauhof und Feuerwehrhaus wird Grafenaus „Grüne Mitte“. Dahinter verbirgt sich eine aufwendige Renaturierungsmaßnahme, bei der das Würmufer zwischen Wiesengrundhalle und Stegmühle zu einem Erlebnis- und Rückzugsort für Mensch und Tier umgestaltet werden soll. Erster sichtbarer Schritt ist der Rück- und Neubau einer Brücke, mit dem bereits im August begonnen werden soll.
Während all diese Vorhaben noch auf ihre Fertigstellung warten, scharrt man im Landratsamt schon mit den Hufen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß, es fehlt nur noch die Zufahrtsstraße“, sagte der Erste Landesbeamte Martin Wuttke, der zum Richtfest gekommen war, um über den bereits komplett fertiggestellte neuen Wertstoffhof zu sprechen. Für diesen ist der Landkreis, genauer gesagt der von Wuttke geleitete Abfallwirtschaftsbetrieb, zuständig.
Der neue Wertstoffhof soll den bisherigen Standort auf der gegenüberliegenden Seite der Stegmühle ablösen. Dank deutlich großzügigerer Fläche werde mit der Enge bald Schluss sein und eine dann endlich getrennte Ein- und Ausfahrt soll die Sicherheit für Personal und Bürgerschaft verbessern.