Stadtkind Stuttgart

Graffiti in Stuttgart Sprühen, ja gerne – aber wo?

Von und Ina Schäfer 

Die Stadtverwaltung tut etwas für die Sprayer: Sie lässt Unterführungen besprühen und es gibt die Hall of Fame. Doch die Fläche reicht bei weitem nicht aus. Die StZ erinnert die Stadt an ein altes Versprechen – und sucht mit ihren Lesern nach Sprayerflächen.

Die Hall of Fame – Graffiti wird hier zu Kunst. Foto: Martin Stollberg 10 Bilder
Die Hall of Fame – Graffiti wird hier zu Kunst. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Wenn man Claus-Dieter Hauck nach legalen, von der Stadt genehmigten Sprayerflächen fragt, zieht der Abteilungsleiter für Stadtbahn, Brücken und Tunnelbau des Stuttgarter Tiefbauamts eine Liste mit genau elf Einträgen aus der Schublade. Die Hall of Fame unter der König-Karl-Brücke steht darauf, außerdem einige Unterführungen in der Innenstadt und neu die Tiefgarageneinfahrt im Rossbollengässle im Westen.

Elf Wände, von denen zehn nur einmalig besprüht werden, für eine Stadt mit knapp 600 000 Einwohnern – reicht das? „Das ist viel zu wenig“, sagt Florian Schupp, der als Graffiti-Beauftragter der Stadt die besprühten Unterführungen mit ausgesucht hat und als Kontakt in die Szene fungiert. Vor allem brauche Stuttgart eine zweite Hall of Fame. „Alle Vorschläge dafür wurden bisher abgeschmettert“, klagt Schupp, „ich habe das Thema fast schon abgehakt“.

Von der Stadt bereitgestellte Graffitiflächen in Stuttgart

Besagte Vorschläge lagen auch bei Claus-Dieter Hauck vom Tiefbauamt auf dem Schreibtisch. Die Standorte seien allesamt nicht in Frage gekommen: „Zum Beispiel wurden niedrige Stützmauern im Schlossgarten vorgeschlagen.“

Schusters Kriterien

Das Amt untersucht mögliche Sprayerflächen nach Kriterien, die im Januar 2011 vom damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schuster in einer Antwort auf eine Gemeinderatsanfrage der Grünen definiert wurden. Dazu zählen ausreichende Belüftung und Abstand zum Verkehr; nur Wände, die diese Voraussetzungen erfüllen, sind genehmigungsfähig. Schuster schrieb auch: „Diese legal und mit künstlerischen Ambitionen gestalteten Wände (...) stellen eine Alternative zu den illegal und oft einfach nur beschmierten Flächen dar.“

Das kann als ein politisches Statement für legale Graffiti und als Angebot gelesen werden. „Wir sind für Vorschläge immer offen“, sagt auch Claus-Dieter Hauck. „Wer eine Fläche erkennt, die den Kriterien entspricht, kann sie uns gerne melden.“ In jedem Fall trete das Amt mit dem betroffenen Bezirksbeirat in Kontakt. Für eine zweite Hall of Fame, an der dauerhaft und frei gesprüht werden darf, müsse man das Verfahren breiter anlegen, findet Hauck – wegen „stadtgestalterischen Aspekten“.