Zehn Menschen ließen sich bei der Grünen-Wahlparty spontan tätowieren. Auch Spitzenkandidaten Özdemir bitzelte es – doch dann erinnerte er sich an eine frühere Aussage.

Familie/Bildung/Soziales: Lisa Welzhofer (wel)

9 Brezeln und ein Löwe aus dem Landeswappen Baden-Württemberg. Das ist das Werk des Stuttgarter Tätowierers Simon auf den Gliedmaßen der grünen Wahlpartygänger in der Staatsgalerie Stuttgart. Zehn Menschen nutzten das kostenlose Angebot bei der Veranstaltung der Grünen, sich eine Erinnerung an die Landtagswahl 2026 und den Erfolg ihrer Partei auf die Haut bannen zu lassen.

 

Für mehr Kunden sei an dem Abend auch gar keine Zeit gewesen, denn pro Motiv brauchte Simon vom Stuttgarter Tattoo-Studio Tream_Z je eine halbe Stunde „mit Vorbereitung der Arbeitsfläche, kurzer Aufklärung vor dem Tattoo und Beratung zur Pflege“ danach, so der Tätowierer. Bis halb ein Uhr nachts arbeitete er an seinem mobilen Studio in einer Ecke der Staatsgalerie, er bot eine begrenzte Auswahl an Motiven an. Die Kunden konnten zwischen Löwe, Biene, Blume, Brezel und 2Ö26 wählen.

Badener: Ärmle nach oben

Auch Frieda Fiedler ließ sich eine Brezel auf den Oberarm stechen, die Ärmle des Gebäcks nach oben, denn sie ist Badenerin. Ihre schwäbischen Kolleginnen und Kollegen hätten sich die Brezel andersherum anbringen lassen, so Fiedler. Die Studentin ist Stadträtin in Heidelberg und war Teil des Wahlkampfteams um Spitzenkandidat Cem Özdemir. Sie hat das Tattoo-Angebot mitorganisiert – und hält es für einen vollen Erfolg. „Wir überlegen, so etwas bei weiteren Parteiveranstaltungen wieder zu machen“, sagt Fiedler am Tag danach. Aus dem Wahlkampfteam seien sie sechs gewesen, die sich tätowieren ließen, die meisten wählten das Brezel-Motiv. Das Laugengebäck sei zu einer Art Wahlkampf-Symbol geworden, weil Cem Özdemir es bei so vielen Terminen angeboten bekam.

Vier weitere Partygäste hätten sich tätowieren lassen, so Fiedler, darunter allerdings keine prominenten Partei-Vertreter. Cem Özdemir habe die Idee „cool“ gefunden, dass sich seine Truppe tätowieren ließ, aber sich nicht selbst auf die Liege gelegt.

Auf Nachfrage sagte Özdemir unserer Zeitung: „Ich stand kurz davor, da holte mich aber eine Vorfestlegung ein.“ Damit meinte er, dass er kürzlich bei einer Veranstaltung des Reutlinger Generalanzeigers gesagt hatte, ein Tattoo käme für ihn nicht in Frage, weil man auf ein schönes Auto doch auch kein Aufkleber mache. „Ich habe da gekämpft und habe es nicht gemacht.“

Frieda Fiedler (links) mit anderen aus dem Wahlkampfteam, die sich tätowieren ließen. Foto: Welzhofer

Weder Frieda Fiedler noch Tätowierer Simon haben bislang gehört, dass es eine oder einer der Verzierten bereits bereue. „Wir freuen uns eher über diese Erinnerung“, sagt Fiedler.

Die Grünen feierten in der Staatsgalerie ihren Wahlerfolg. Sie kamen auf 30,2 Prozent und wurden damit ganz knapp stärkste Kraft vor der CDU mit 29,7 Prozent. In den vier Stuttgarter Wahlkreisen gelang seiner Partei erneut der Durchmarsch: Sie gewann alle vier Direktmandate, eines davon ging an Özdemir selbst. Die Öko-Partei hatte bereits bei den Wahlen 2016 und 2021 alle vier Stuttgarter Wahlkreise gewinnen können.