Schon vor dem Start bildet sich vor der Schnaiter Halle in Weinstadt eine Schlange. Beim 31. Warentauschtag wechseln Haushaltsdinge und Spielzeug mit Erfolg und nachhaltig den Besitzer.
Robert Auersperg steht am Rand und beobachtet recht zufrieden das Treiben um ihn herum. Und es ist gut was los an diesem Samstagmorgen in der Schnaiter Halle. Männer, Frauen und viele Familien kommen mit vollen Taschen herein, während andere Besucher das Gebäude mit nicht weniger vollen Tüten und Beuteln schon wieder verlassen. Es ist Warentauschtag in Weinstadt und dafür haben die Weinstädter trotz herrlich spätsommerlichem Wetter mit viel Sonnenschein im November wohl nur zu gerne ihre Keller ausgemistet.
Genau so wollen es die Betreiber – der Bund Weinstadt – die die Gratisbörse bereits zum 31. Mal organisiert haben. „Es läuft wirklich gut. Andere Börsen haben wieder aufgehört, aber wir sind gut besucht und bieten die Börse nun schon seit zehn Jahren in der Schnaiter Halle an“, erklärt Robert Auersperg, der quasi schon seit Anbeginn mit dabei ist und voll hinter dem Konzept steht. „Es geht uns um Nachhaltigkeit und natürlich auch um den sozialen Aspekt. Es ist toll, wenn die Leute die Waren hierher bringen, statt etwas wegzuwerfen. Und ein anderer freut sich vielleicht noch darüber“, sagt Auersperg.
Ab und an sind richtige Highlights bei der Gratisbörse dabei
Als stiller Beobachter hat er auch gesehen, was direkt zum Start zu leuchtenden Augen und höher schlagenden Herzen bei zwei Besuchern geführt hat. „Eine noch voll funktionsfähige Mikrowelle und ein Bodenwischer haben den Besitzer getauscht, das waren natürlich schon Highlights“, sagt Robert Auersperg, der – wie auch seine anderen ehrenamtlichen Kollegen bei den Börsen hofft, dass am Ende möglichst wenig übrig bleibt. „Natürlich werden auch mal Sachen gebracht, die keinen Abnehmer mehr finden. Dafür haben wir einen Container oder bringen Sachen zum Wertstoffhof, aber Ziel ist es natürlich, dass die Sachen einen neuen Abnehmer finden und damit der Wegwerfmentalität entgegen gewirkt wird.“
Sarah Wegmann gefällt die Idee gut. Die 30-Jährige kommt regelmäßig zum Stöbern auf der Gratisbörse vorbei und hat schon einige Schätze in ihrer Umhängetasche. Ein antiker Bilderrahmen, ein schöner Weihnachtsstern mit Patina, eine Thermoskanne, ein Glas für ein Windlicht – begeistert zählt die junge Frau ihre Fundstücke auf und sagt: „Ich bin auch ein Fan alter Handtaschen. Eine tolle, qualitativ hochwertige in pink habe ich schon gefunden. Aber ich werde schauen, ob ich nicht noch ein schönes altes Stück finde“, sagt Sarah Wegmann, die eine große Tasche mit Dingen mitgebracht hat, damit sie einen neuen Besitzer finden – getreu dem Motto „Kommen, Bringen, Holen“.
Auch Handtaschen werden angeboten
Besagte Taschen sind gemeinsam mit Rucksäcken und anderen Aufbewahrungsgegenständen am Ende der Halle an einem langen Tisch ausgelegt, dazwischen blitzen Dekorationsartikel durch. Engel, Adventskalender, Kerzen und Weihnachtssterne machen Lust auf die Vorweihnachtszeit und darauf, vielleicht einiges, an dem man sich satt gesehen hat, durch schöne neue Dinge zu ersetzen und sie dadurch vor dem Müll zu retten.
Das findet auch Kevin Gutstein eine gute Idee. Er war eigentlich mit seinem Kind nur auf dem Spielplatz in der Nähe. „Dann haben wir gesehen, dass hier bei der Halle richtig was los ist und wollten wissen, warum“, erklärt er und nimmt sich ein Puzzle für seinen kleinen Sohn mit, denn gerade bei Spielsachen sei es gut und wichtig, die Dinge mehrfach zu nutzen. „Das ist wie mit Kleinanzeigen, nur noch niederschwelliger“, sagt er und bummelt noch eine Runde mit dem Sohnemann durch die volle Halle.
An den Ständen haben die Ehrenamtlichen vom Bund Weinstadt grüne Schilder aufgestellt, um den Besuchern die Übersicht zu erleichtern. Haushaltswaren, Spielsachen oder Sonstiges steht da. Christa Wöllhaf hat es aber kein Gesellschaftsspiel, sondern ein Entsafter angetan. Freudig hält sie den Karton fest. „Damit können wir zum Frühstück jetzt leckeren Saft machen, wie im Hotel“, sagt die Frau, die mit ihrer Enkelin da war und auch Sachen mitgebracht hat. „Die Sachen sind in Ordnung und andere profitieren“, sagt sie und reiht sich ein in die Reihen der Stöbernden, genau wie es Robert Auersperg und seine Kollegen sich wünschen.