Die Green Berets sind eine der bekanntesten Spezialkampftruppen der US-Armee. Warum kehren sie Böblingen den Rücken? Wer profitiert?
Der Abzug der Green Berets, eine der bekanntesten Spezialkampfkräfte der US-Armee, aus Böblingen ist längst beschlossene Sache – jetzt wird er Wirklichkeit. Dieser Tage haben die ersten Soldaten und ihre Angehörigen die Panzerkaserne in Böblingen verlassen, teilweise schweren Herzens, weil sie sich überaus wohl gefühlt haben in der Region Stuttgart.
Wo ist ihre neue Heimat in Deutschland?
Die Amerikaner sind mehr als 200 Kilometer Richtung Nordwesten gezogen – in die Flächengemeinde Baumholder nach Rheinland-Pfalz. „Es sind kleine Kontingente, die schon kommen“, sagte der dortige Standortsprecher Bernd Mai gegenüber der Zeitung „Welt“. Der Abschluss der Hauptverlegung ist laut der speziell für die US-Truppen herausgegebenen Zeitschrift „Stars and Stripes“ für Oktober geplant, während der Rest der Einheit bis 2028 folgen soll. Den Ausbau der dortigen Garnison lässt sich die US-Regierung dem Vernehmen nach über die Jahre hinweg rund eine Milliarde Dollar kosten.
Der Abzug der Soldaten wird in der Stadt Böblingen als menschlicher und finanzieller Verlust gleichermaßen gewertet. Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) hatte zuletzt immer wieder die Bedeutung der amerikanischen Präsenz betont. Diese habe Böblingen „über Jahrzehnte historisch, gesellschaftlich und durch viele persönliche und partnerschaftliche Begegnungen geprägt“, so der Stadtchef. Und kein Wunder, also: Im strukturschwachen Baumholder ist man hoch erfreut über den neuerlichen Zuzug und hat sich gut auf die Neubürger vorbereitet.
„In bestem Einvernehmen“ mit den US-Soldaten
Gerade werde eine Elementary School gebaut, und es würden erste Arbeiten an einer Middle High School ausgeführt, sagt der Baumholder Bürgermeister Bernd Alsfasser auf Anfrage. Ebenso wie die Böblinger Bürger sind die Bewohner von Baumholder mit den Amerikanern aufgewachsen, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Rheinland-Pfalz stationiert sind. „Wir leben hier in bestem Einvernehmen“, so Alsfasser.
Früher bis zu 20 000 Soldaten
Dies gilt, obwohl US-Präsident Donald Trump eine erhebliche Zahl an Soldaten in Deutschland abbauen will. Denn trotz solcher Pläne investieren die Streitkräfte weiterhin kräftig – in Baumholder wie auch in den beiden Stuttgarter Hauptquartieren und bei der Standortverwaltung der US-Garnison Stuttgart in Böblingen. Dort, auf dem Gelände der Panzerkaserne, entsteht derzeit für 47 Millionen Euro ein 6900 Quadratmeter großer Supermarkt. Spatenstich war im Juni 2025, die Fertigstellung ist für 2028 geplant.
Auf der anderen Seite gibt es in Böblingen auch Abgänge – die allerdings längerfristig geplant waren. Die Green Berets, die ihren Namen ihren dunkelgrünen Kopfbedeckungen zu verdanken haben, sind eine Eliteeinheit der US-Streitkräfte, die zu speziellen Kampfeinsätzen herangezogen wird. Sie verlassen aus Platzgründen den Standort Böblingen. Im neuen Domizil Baumholder stehen den US-Soldaten auf dem gemeinsam mit der Bundeswehr betriebenen Truppenübungsplatz 11 000 Hektar statt wie bisher 600 Hektar an Fläche zur Verfügung.
Betroffen von dem Umzug sind rund 1500 Personen, Militärs, ihre Familien und zivile Kräfte. Vor zwei Jahren bezifferte der damalige Standortkommandant Colonel Kirk Alexander die Zahl der Militärangehörigen in der US-Garnison Stuttgart auf 28 000.
Böblingen verliert Green Berets ungern
Für Böblingen ist der Abzug der Green Berets ein Verlust – für den neuen Standort ein Gewinn. Daraus macht Rathauschef Alsfasser kein hehl. In den Hochzeiten des Stützpunktes in Baumholder seien bis zu 20 000 Soldaten vor Ort gewesen, aktuell seien es etwa 8000, erläutert er. Wenn die Elitesoldaten samt Angehörigen alle da sind, dann werde die Zahl wieder auf fast 10 000 steigen.
Baumholder selbst, das eine der größten US-Garnisonen in Deutschland beherbergt, zählt gerade mal rund 4200 Einwohner. Willkommen sind die Green Berets nicht zuletzt als wichtiger Wirtschaftsfaktor, sei es in der Gastronomie, im Einzelhandel oder auf dem Wohnungsmarkt. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Baumholder, im weiten Niemandsland zwischen Trier und Kaiserslautern und unweit von Idar-Oberstein gelegen, ist der Zuzug weiterer Soldaten ein Segen: das Rofu Kinderland in Idar-Oberstein stecke in Schwierigkeiten, sagt Alsfasser, die Schließung des Werks von Biontech in Idar-Oberstein habe 400 Jobs gekostet. Weswegen die US-Armee zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region zählt, 400 Bürgerinnen und Bürger haben direkt bei den Amerikanern ihr Auskommen.
Schießlärm – in Böblingen ein Problem
Mit zur Prosperität der Gemeinde tragen natürlich auch die Baufirmen bei, die gerade am Werk sind. Die alten Army-Gebäude seien langsam nicht mehr wiederzuerkennen, sagt Bernd Alsfasser. In den Town-Houses würden gerade aus acht Wohneinheiten vier gemacht und großzügig ausgestattet mit Balkons und anderen Annehmlichkeiten.
In Baumholder habe auch niemand Probleme mit dem Lärm, sagt Bürgermeister Alsfasser, wiewohl auf dem Truppenübungsplatz bei Tag und Nacht geschossen werde. Zumindest das werden die Böblinger Anwohner nicht vermissen: den auch durch die Green Berets verursachten Schießlärm.
US-Militär
Green Berets
Die Spezialeinheit ist eigens für den Kampf hinter den feindlichen Linien ausgebildet, zur Zeit leistet die Einheit in mehr als 70 Ländern Militärberatung sowie infrastrukturelle und humanitäre Hilfe.
Panzerkaserne
Die Böblinger Panzerkaserne ist Sitz der US-Standortverwaltung Stuttgart. Zudem befinden sich dort das US-Marineinfanteriekommando Europa und Afrika einerseits sowie Spezialeinheiten des Heeres und der Marine andererseits.