Rennwagen der Uni Stuttgart Ein Elektrobolide zum Fürchten

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In diesem Jahr wollen die Studenten aus Vaihingen die Konkurrenz in der Formula Student in Grund und Boden fahren. Das Konzept jedenfalls ist radikal genug.

In der Elektronikabteilung wird eifrig an der Steuerung gearbeitet. Foto: Rüdiger Ott
In der Elektronikabteilung wird eifrig an der Steuerung gearbeitet. Foto: Rüdiger Ott

Vaihingen - Der neue Flügel flimmert über den Bildschirm. Dünne Linien zeichnen die Form nach, vor den Vorderrädern breitet sich das Aerodynamikteil aus wie ein Albatros seine Schwingen. Das Teil ist riesig. „Wir haben uns einige Schmankerl einfallen lassen“, sagt Benedikt Bauersachs. Ihn erinnere das an die Flügel eines F-16-Kampfjets. In dieser Saison soll er den Rennwagen der Uni Stuttgart zieren, mit dem die Mitglieder des Greenteams in der Formula Student antreten.

„Wir werden jede Menge Anpressdruck kreieren“, sagt Bauersachs, der einer der drei Leiter ist. Wer in die Teamsitzung gekommen ist, um sich mit den anderen über den Stand der Arbeiten auszutauschen, klatscht. Dabei sind viele Leute gar nicht da. Verstaut in einem Anhänger rollt draußen gerade das Kohlefaser-Monocoque auf den Hof. Die nagelneue Karosserie aus einem Stück ist noch spannender.

52 Mitglieder hat das Greenteam, allesamt Studenten, die für ihren Einsatz ihr Studium aufschieben, und in diesem Jahr wollen sie die Konkurrenz mit ihrem Elektroboliden in Grund und Boden fahren. Die Formula Student ist eine weltweite Rennserie, mit einem Regelwerk, das von China bis Amerika Gültigkeit besitzt.

Am 2. Mai wird der neue Rennwagen präsentiert

Auch die Wettbewerbe spannen sich um die ganze Welt. Weil es aber zu teuer ist, überall hinzureisen, nehmen die Studenten nur an einer Auswahl von Rennen teil. Die Vaihinger sind 2013 in England, Deutschland, Österreich, Italien und China angetreten.

Es sind noch knapp sechs Wochen bis zur Präsentation des neuen Wagens für 2014 am 2. Mai. Er trägt den Titel E0711-5. E für elektrisch, 0711 für Stuttgart, und 5, weil es das inzwischen fünfte Fahrzeug der Studenten ist. Der eigene Anspruch lässt keine Zweifel aufkommen. „Das Ziel ist ganz klar zu gewinnen“, sagt Mireille Pistorius. Das setzt Professionalität voraus, nicht zuletzt auch eine klare Aufgabenteilung. Pistorius etwa ist die Pressesprecherin.

Mit den technischen Details, die sich das Team ausgedacht hat, um das Ziel zu erreichen, will sie nicht hausieren gehen. Nur soviel verrät Pistorius: „Das Konzept ist sehr kompromisslos, das wird die Konkurrenz überraschen.“ Gerade vom neuen Monocoque sollen lieber keine Fotos gemacht werden, man könnte das eine oder andere daraus ableiten. Etwa die Lage der Akkus. Die Stromspeicher, so viel schon mal vorab, sind nicht da, wo sie die anderen üblicherweise platzieren.

Die Vorgabe war, 20 Prozent Gewicht einzusparen

Im übertragenen Sinn sitzt die Konkurrenz auch im eigenen Haus. Das Greenteam hat sein Domizil in zehn ineinander gesteckten Containern auf einem Parkplatz. Gleich gegenüber, im Erdgeschoss des Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren (FKFS), ist das Rennteam der Uni untergebracht. Dort setzen die Studenten auf einen Benzinmotor.

Beide Teams sind mit ihrer jeweiligen Antriebsstrategie erfolgreich. Beim Rennen in Italien belegten sie beide den ersten Platz in ihren Klassen. Aber während es der Benzinerrenner auch in der Weltmeisterschaft bis ganz oben aufs Podest schaffte, blieb für den Stromer nur der vierte Platz.

20 Prozent. Das war die Vorgabe. Jede Abteilung sollte 20 Prozent Gewicht gegenüber dem Vorjahr einsparen. Lenkung, Aufhängung, Antriebsstrang, Karossiere, alles sollte leichter werden. Einfach nur die Befestigung dünner zu gestalten, reichte da nicht aus. Irgendwann würde sie brechen. Es mussten also komplett neue Ideen her. Etwa die, alle noch so kleinen Schrauben, Buchsen und Unterlegscheiben eigens aus Titan drehen zu lassen. Das dürfte insgesamt ein Kilogramm bringen.

Mit 110 fährt der neue E0711-5 an der Decke

Andreas Pfeifer sitzt vor zwei Bildschirmen. Er ist einer derjenigen, die an der Elektronik des Rennwagens arbeiten. „Wir machen unsere Streuergeräte selbst“, sagt er. Die Platinen wurden selbst entworfen, die Chips selber programmiert. Klar hätte es das von der Stange gegeben. „Aber diese Komponenten sind zu schwer für uns und können zu viel“, sagt Pfeifer. Früher habe die Elektronik deshalb vier Kilogramm gewogen. Jetzt wiegt sie noch 400 Gramm.

Unterm Strich, so heißt es, ist der neue Bolide 30 Kilogramm leichter als der alte. Und schon der wog nur 200. Zusammen mit dem neuen Aerodynamikpaket könnte der E0711-5 mit 110 Stundenkilometer an der Decke fahren, ohne herunterzufallen.

„Wir haben ein unglaubliches Leistungsgewicht“, sagt Bauersachs. Pro PS bringt der Bolide nur 1,2 Kilo auf die Waage. „Dadurch können wir unglaublich schnell beschleunigen“, sagt er. „Wir werden auf Geschwindigkeiten kommen, von denen andere nur träumen können.“

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