Gregor Calendar Award in Stuttgart Aus Kalendern werden Kunstobjekte

Von Petra Mostbacher-Dix 

Im Haus der Wirtschaft sind zwei Wochen lang die besten Foto- und Designkalender zu sehen – flankiert wird das Ganze von einer Sonderschau mit japanischen Kalendern.

Die aktuelle Kalenderschau im Haus der Wirtschaft. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 5 Bilder
Die aktuelle Kalenderschau im Haus der Wirtschaft. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Preiswürdiges im Keller? Das fand Jazz- und Theaterfotograf Matthias Creutziger: Seine Diapositive, etwa in den USA, Georgien und dem Tessin abgelichtet, waren von Schimmel und Bakterien angefressen – man könnte auch sagen umgestaltet in Werke mit impressionistischer oder expressionistischer Ästhetik. Was Creutziger darauf brachte, das Leben im Verfall zu zeigen. Gemeinsam mit Gestalter Thomas Walther und Druckexperte Ulrich Thieme schuf er den Kalender „Macropolis“.

Diese „einzigartige Kreation aus Zufall und Abfall“ überzeugte das Preisgericht des Gregor Calendar Awards, den der Graphische Klub Stuttgart, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg sowie der Verband Druck und Medien in Baden-Württemberg ausrichten. Die Jury verlieh ihm den Kalender-Oscar „Gregor 2020“.

Zu sehen sind „Macropolis“ und 48 weitere ausgezeichnete Kalender nun im Haus der Wirtschaft. Dort wurde am gestrigen Donnerstag zum 70. Mal der Gregor Calendar Award vergeben, überreicht von Ministerialdirigent Norbert Eisenmann, Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium und Jurymitglied. Das Ministerium unterstützt den Wettbewerb mit 40 000 Euro. Der Gregor Award sei nicht nur eine bedeutende Auszeichnung, sondern bringe die impulsgebende Kreativwirtschaft und Industrie zusammen, betonte Staatssekretärin Katrin Schütz. Zwei Wochen sind die besten Foto- und Designkalender ausgestellt, flankiert von einer Sonderschau mit japanischen Kalendern der Federation of Printing Industries Tokyo.

Auswahl unter 650 Einreichungen

Für den Gregor mussten die Jurorinnen und Juroren 650 Einreichungen sichten, die aus Deutschland, der Schweiz, Osteuropa, Israel und Japan von Gestaltern, Fotografen sowie Druck- und Bedruckstoffunternehmen eingereicht worden sind. 48 Kalender wählte die Jury aus für die Sparten Advertising-/Image-Calendar, Photo Calendar, Self Publishing sowie Award of Excellence. In diesem Jahr war die Preisanzahl reduziert, in der Kategorie Photo Calendar Award wurden insgesamt zehn Preise, beim Calendar Award 22 Auszeichnungen vergeben, darunter der erwähnte „Gregor“.

„Die vielen Einsendungen zeigen, dass Kalender auch in der digitalen Ära aktuell sind“, so der Erste Vorsitzender des Graphischen Klubs Friedrich Müller. Anette Ahr vom Wirtschaftsministerium ergänzte, dass Kalender „sich zu künstlerischen, ästhetischen und spielerischen Objekten entwickeln“.

„#Zero Wast PinArt“ errang einen Award of Excellence für „Ökologie und Nachhaltigkeit“: Konzeptkünstlerin Alice Francis ließ sich in Müll aus High-Fashion als Marlene Dietrich oder Josephine Baker von Vintage-Fotografin Sarah Tröster ablichten. Florian W. Müller bekam Photo-Gold für „Singularity“, darin setzt er Hochhäuser himmelstürmend in Szene. Silber in „Advertising & Image“ erhielt unter anderem der „Reset St. Pauli-Ar-Kalender“. Á la Op-Art-Grafik designte Zahlen führen in neue Bilddimensionen, wenn man ein Handy auf die Blätter hält. Wolfgang Rolli, Pressechef des Graphischen Klubs: „Das zeigt, wie Kalender eine Brücke in die digitale Welt schlagen.“Zu sehen sind die Werke von Freitag, 24. Januar, bis Samstag, 8. Februar 2020, täglich 11 bis 19 Uhr, außer sonntags.

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