Grenzstadt Eppingen Wo die Grenze zwischen Baden und Württemberg noch spürbar ist

Von red/ dpa/ lsw 

Eine Liebeshochzeit war es nicht, als sich das württembergische Kleingartach in den 70ern dem badischen Eppingen anschloss. Noch heute spürt der Oberbürgermeister des Städtchens nördlich von Stuttgart die historische Grenze - und manch Unterschiede zwischen den Bürgern.

In dem Städtchen nördlich von Stuttgart ist die Grenze zwischen Baden und Württemberg teilweise noch vorhanden – auch in den Köpfen. Foto: dpa
In dem Städtchen nördlich von Stuttgart ist die Grenze zwischen Baden und Württemberg teilweise noch vorhanden – auch in den Köpfen. Foto: dpa

Eppingen - Das Bild einer Weinkönigin brachte den Oberbürgermeister in Erklärungsnot. In der Stadt Eppingen, wo Klaus Holaschke (parteilos) seit 2004 im Rathaus-Chefsessel sitzt, ist die Württembergische Weinkönigin ein Politikum: „Ich hab’s gewagt, in Eppingen an den Stadtteil-Eingängen das Konterfei von der Julia Böcklen zu präsentieren. Ich hab Mails bekommen, ob wir noch normal sind, in einer badischen Stadt eine württembergische Weinkönigin zu haben.“

Ob das beschauliche Städtchen mit dem Motto „Fachwerk mit Pfiff“ tatsächlich badisch ist, genau die Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Der Stadtteil Kleingartach, Heimat besagter Weinkönigin, ist historisch jedenfalls württembergisch - seit der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre gehört die früher eigenständige Stadt aber zu Eppingen. „Mein Vor-Vorgänger im Amt hat ein Versprechen gemacht. Er hat gesagt: Wenn ihr zu Eppingen geht - das ist zwar angrenzend, aber landsmännisch eine andere Welt - dann bekommt ihr eine neue Grundschule“. Städte hätten damals um kleinere Dörfer gebuhlt, der 56 Jahre alte OB schmunzelt: „Es war keine Liebeshochzeit.“

Doch auch für die badische Mehrheit, die Bewohner der Kernstadt und der fünf anderen Stadtteile, brachen damals mit der Kreisreform neue Zeiten an - württembergische: Sie wurden dem Landkreis Heilbronn und dem Regierungspräsidium Stuttgart zugeordnet.

In Eppingen haben mehrere Verbände etwas zu melden

Nicht nur bei Schulen gibt es in der 22 000-Einwohner-Stadt, durch deren Gebiet sich die frühere Staatsgrenze zieht, eine Teilung: Sowohl der Badische Fußballverband als auch der Württembergische haben in Eppingen etwas zu melden, die Evangelische Landeskirche Baden ebenso wie die württembergische Landeskirche. „Wenn ich bei den badischen Katholiken bin, eine Ehrung oder so begleite, dann fahre ich zum Erzbischof nach Freiburg. Wenn es aber ein Württembergischer ist, fahre ich zum Bischof nach Rottenburg-Stuttgart.“ Das sei zum einen mehr Aufwand, erklärt der OB - und wendet es gleichzeitig positiv: „Das Netzwerk ist viel größer.“

Seit Mai ist Holaschke Erster Vizepräsident des Gemeindetags Baden-Württemberg. Württemberg oder Baden, das spiele in der Kommunalpolitik keine Rolle mehr - auch nicht in Eppingen. „Auf der Agenda ganz oben steht unsere Gartenschau 2021“, so der OB. Das zweite große Thema sei wie in anderen Kommunen die Ganztagsbetreuung.

Die historische Grenze ist nicht ganz verschwunden

Bürgermeister zu werden sei nicht Plan A des gelernten Diplom-Verwaltungswirts gewesen, der zuvor Stadtkämmerer war. 2004 stellte er sich dann aber zur Wahl. Auch in Kleingartach wurde er von einer großen Mehrheit gewählt - als Badener. „“Guten Tag“, wenn du das sagst, hast du dich geoutet. In Kleingartach sagt man „Grüß Gott““, erklärt er. Aus den Köpfen der Bewohner ist die historische Grenze nicht ganz verschwunden. „Wir haben zwei württembergische Gemeinderäte. Sie werden es net erleben, wenn wir offiziell wie beim Altstadtfest inbrünstig das Badnerlied singen, dass die mitsingen - obwohl es die Generation von Dreißigjährigen ist. Einer hat sogar mal die Bühne verlassen.“

„Was die Fröhlichkeit, die Offenheit anbelangt, das spricht man ja eher den Badenern zu“, sagt Reinhard Ihle von den Heimatfreunden Eppingen. „Dass die auch ordentlich feiern können. Das ist im Württembergischen traditionell ja früher nicht so gewesen, bedingt durch religiöse Gründe, das war pietistisch orientiert.“ Holaschke fügt hinzu: „Bei uns ist es schon so, dass wir auch leicht das Laisser-faire, den französischen Einschlag haben.“

Die Weinkönigin ließ der OB weiter an den Ortseingängen grüßen. Kritikern entgegnete er: „Wir sind eine echt baden-württembergische Stadt.“ Dass Eppingen über Jahrhunderte - bis ins beginnende 19. Jahrhundert - kurpfälzisch war, hat zumindest an der Rathausfassade seine Spuren hinterlassen: Dort prangt neben dem gelb-roten Wappen Badens auch eines mit blauen Rauten.

Sehen Sie im Video ein Beitrag aus unserer Poetry-Reihe Schwaben versus Baden: