Griechenland Athener Börse im Höhenflug

An der Börse in Athen werden gute Geschäfte gemacht. Foto: dpa/Alexandros Vlachos

Griechische Aktien haben Anlegern in den vergangenen drei Jahren viel Freude bereitet. Der Wert von Anteilscheinen von Unternehmen hat sich oft mehr als verdoppelt.

Der Athener Leitindex Athex Composite hat seit Anfang 2023 um 127 Prozent zugelegt. Analysten großer Investmentbanken sehen trotz dieser Rallye Spielraum für weitere Kursgewinne. Davon können auch Privatanleger profitieren. 2025 gehörte die Athener Börse zu den fünf Märkten mit den höchsten Kursgewinnen weltweit. Der Leitindex gewann seit Jahresbeginn rund 45 Prozent hinzu. Besser schnitten nur die Börsen in Korea, Israel, Pakistan und Spanien ab. Zum Vergleich: Der Dax schaffte ein Jahresplus von rund 22 Prozent.

 

Noch vor zehn Jahren hätte kaum jemand daran gedacht, griechische Aktien zu kaufen. Das krisengeschüttelte Land stand wegen des Konfrontationskurses der radikal-linken Syriza-Regierung von Alexis Tsipras am Abgrund des Staatsbankrotts, das griechische Finanzsystem vor dem Zusammenbruch. Inzwischen hat auch die griechische Börse die Krise hinter sich gelassen.

Konservative regieren mit einer stabilen absoluten Mehrheit

Die makroökonomischen und politischen Vorgaben sind gut: Seit 2019 regiert der konservative Premier Kyriakos Mitsotakis mit einer stabilen absoluten Mehrheit. Nach der Pandemie wächst die Wirtschaft des Landes rund doppelt so schnell wie die der EU-Staaten im Durchschnitt. Die Staatsfinanzen sind saniert. Griechenland gehört zu den wenigen EU-Staaten, die 2025, wie schon im Vorjahr, einen Haushaltsüberschuss erzielen werden. Die Schuldenquote sinkt schneller als erwartet. Alle großen Ratingagenturen stufen den einstigen Pleitekandidaten wieder als investitionswürdigen Schuldner ein.

Das sorgt auch am Aktienmarkt für Vertrauen, bei großen Investmenthäusern ebenso wie bei Privatanlegern. Die starke Börsenperformance des zu Ende gehenden Jahres wurde vor allem von den Finanztiteln getrieben. Der Athener Bankenindex, der die sechs größten Kreditinstitute abbildet, legte mit einem Plus von 83 Prozent fast doppelt so stark zu wie der Leitindex Athex.

Trotz Kursgewinnen sind manche Papiere günstig bewertet

Analysten sehen auch für 2026 Kurschancen bei den vier systemischen Instituten Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Piraeus Bank. Die Analysten der Investmentbank JP Morgan stufen die vier größten griechischen Geldhäuser als Top-Auswahl ein. Trotz der Kursgewinne von 2025 seien die Papiere noch 15 Prozent günstiger bewertet als europäische Banken im Durchschnitt, so JP Morgan. Auch die Experten der Schweizer Großbank UBS empfehlen griechischen Bankaktien zum Kauf. Die Analysten der Bank of America (BoA) behalten ihre Kaufempfehlungen für die vier systemischen Banken bei. Daneben empfiehlt die BoA fünf weitere griechische Aktien: Die Papiere des Mischkonzerns Metlen, der stark im Energiesektor expandiert, die Aktie des Glücksspielbetreibers OPAP, des auf Freizeitartikel und Spielzeug fokussierten Einzelhändlers Jumbo, des mehrheitlich von der Deutschen Telekom kontrollierten Fernmeldeunternehmens OTE und des halbstaatlichen Elektrizitätsversorgers DEI.

Die Investmentbank Wood & Company stuft die griechische Börse ebenfalls als attraktiv ein. Sie nennt als Kaufempfehlungen unter anderem dividendenstarke Aktien wie die Fluggesellschaft Aegean Airlines, den Energiekonzern Helleniq Energy und den Raffineriebetreiber Motor Oil. Auch die Investmentbank Goldman Sachs empfiehlt, griechische Aktien überzugewichten.

Bessere Aussichten als in vielen EU-Staaten

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von durchschnittlich 11 auf Basis der geschätzten Nettogewinne für 2025 sind griechische Aktien im europäischen Vergleich noch billig. Der Dax hat aktuell ein Durchschnitts-KGV von fast 19. Zugleich sind die wirtschaftlichen Aussichten in Griechenland besser als in vielen EU-Staaten: Die Regierung erwartet für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent. Als ein Signal der Stabilität werten Marktbeobachter auch die Übernahme der Athener Börsengesellschaft Athens Exchange Group (Athex) durch Euronext N.V. Im November nahmen 74,2 Prozent der Athex-Aktionäre ein Übernahmeangebot des niederländischen Börsenbetreibers an, der bereits die Handelsplätze Amsterdam, Brüssel, Dublin, Lissabon, Mailand, Oslo und Paris kontrolliert. Euronext sieht Griechenland als potenzielles regionales Finanzzentrum für Südosteuropa.

Die wichtigsten griechischen Aktien werden auch in Deutschland gehandelt. Aber die Handelbarkeit der Papiere kann wegen der geringen Liquidität eingeschränkt sein. Für Privatanleger bietet sich als Alternative zu Einzelaktien der Amundi MSCI Greece UCITS ETF an. Er bildet die 24 größten Blue-Chip Unternehmen der Athener Börse sowie die primär in London notierte Coca-Cola Hellenic Bottling Company ab, den weltweit drittgrößten Abfüller und Vertreiber des US-Getränkeherstellers. Der EFT verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von fast 55 Prozent und hat damit den Athener Leitindex deutlich übertroffen.

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