Die Bouzoukis der Engel spielen am Sonntag, 17. Mai, in Leonberg: Eine Zeitreise zu den Wurzeln des Rembetiko – in die Welt der Machos, Tagträumer und Vagabunden in Griechenland.
Vorne auf der Bühne steht eine Wasserpfeife. Das Komboloi, eine wie ein Rosenkranz zur Kette aufgefädelte Perlenschnur, mit denen griechische Männer gern in Bars herumspielen, gesellt sich dazu. Der Ouzo darf nicht fehlen. Eine Flasche steht auf einem Tavernen-Tischchen. Lichtstrahler tunken die Bühne in tiefes Blau. Die Farben des Himmels und Meeres. Eine kräftige Prise hellenische Lebensart gehört neben dem satten Sound der Langhalslauten auch zu den Zutaten dieser Konzertreise.
Dieses außergewöhnliche Erlebnis winkt dem Leonberger Publikum am Sonntag, 17. Mai, 17 Uhr, in der Steinturnhalle. Und beim Konzert der „Bouzoukis der Engel“ geht es um viel mehr als um verträumte Urlaubsgefühle. Es ist eine Reise in einen besonderen Teil der griechischen Geschichte – den Rembetiko.
In den Spelunken von Piräus
Der war in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Musik in den griechischen Gefängnissen und Hafenvierteln. Und er ist als „griechischer Blues“ der Sound der Underdogs, Proletarier und Benachteiligten. Die Lieder selbst erzählen von Liebe und Sehnsucht, aber auch von Drogen, Armut, Kleinkriminalität, Krankheit und Tod.
Sie entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in den Haschisch-Spelunken und Kneipen der großen Städte wie Piräus, Thessaloniki und Athen. „Der Rembetis ist der leidende, ungerecht behandelte, gejagte Mensch“, schrieb der 2003 verstorbene griechische Volkskundler und Autor Elias Petropoulos.
Leben am Rande der Gesellschaft
Die „Bouzoukis der Engel“ versuchen mit ihrer orchestralen Wucht und dem traditionell-authentischen Sound dieses einstige Leben am Rande der Gesellschaft musikalisch einzufangen. Ohne einen Schuss Humor und Selbstironie wäre der ‚Rembetis‘ komplett verloren: „Mit Bouzoukis, Baglamas machten sie den Teufel verrückt und von der Stimmung benebelt, tanzten die Verdammten“, heißt es in dem Lied „Fünf Griechen in der Hölle“. Darin macht eine feierwütige Horde dem Herrscher im Hades die Hölle heiß: „Alles ging in Flammen auf und alle riefen im Chor: Lang lebe Hellas!“, heißt es am Schluss des umstürzlerischen Songs. Oppa!
Der musikalische Leiter des Projektes, Christos Sourantanopoulos, hat sich dem klassischen griechischen Bouzouki-Spiel verschrieben. Der in Berlin aufgewachsene Bandleader tingelte früher jahrzehntelang mit bekannten Schlagersängern und Bands durch die Bouzouki-Bars und großen Clubs in Griechenland. Heute betreibt er in Fellbach eine eigene Musikschule. Und er spielt die Bouzouki auch immer mal wieder in klassischen Orchestern – wie zuletzt bei einem Konzert zum 100. Geburtstag von Mikis Theodorakis in Nürtingen.
Der Himmel hängt nicht nur voller Geigen
Mit seinem aktuellen Programm „Reise ins Rembetiko“ fühlt er sich den Großen des Genres verpflichtet: „Die Bouzouki spielt man wie Vasilis Tsitsanis und Markos Vamvakaris“, sagt Sourantanopoulos. Und wer ihn und seine „Engel“ das erste Mal hört, wird feststellen: Der Himmel hängt nicht immer nur voller Geigen – nein, auch die Bouzouki hat dort oben ihren festen Platz.
Info: Die „Reise ins Rembetiko“ startet am Sonntag, 17. Mai, 17 Uhr, in der Steinturnhalle, Steinstraße 5, in Leonberg. Einlass ab 16.30 Uhr. Eintritt Erwachsene: 18 Euro, Kinder bis 12 Jahre 12 Euro. Info und Reservierung per E-Mail an xsmusic@bouzouki-lernen.de oder unter Telefon 0151 700 260 80. (geo)