Grippeimpfung im Kreis Böblingen Apotheker warnt: „Es sind nur noch wenige Reste verfügbar“

Die Impfquote bei Influenza könnte höher sein. Foto: imago images/MiS

Zahlen der AOK aus 2024 zeigen: Die Quote bei der Grippeschutzimpfung im Kreis Böblingen ist gering. Nun wird auch noch der Impfstoff vor allem für eine Patientengruppe knapp.

Die Grippesaison läuft. Diesen Winter hat die Influenza schon deutlich früher eingesetzt als sonst. Das liegt Experten zufolge hauptsächlich an einer neuen, wohl noch ansteckenderen Virusvariante. Seit Jahren schon empfehlen Experten, sich impfen zu lassen. Die Bereitschaft auch von Menschen wie den Über-60-Jährigen, die zu den Risikogruppen gehören, gilt als zu gering. Das zeigen auch Daten der AOK aus 2024, die unserer Zeitung vorliegen.

 

Der Kreis Böblingen ist mit einer Grippe-Impfquote von 9,6 Prozent vergleichsweise niedrig gerankt. Besser waren laut der Gesundheitskasse die Kreise Rems-Murr (9,9 Prozent), der Stadtkreis Stuttgart (10,2 Prozent) und der Landkreis Esslingen (11 Prozent). Schlusslicht bei der von der AOK erfassten Impfquoten im Raum Stuttgart ist der Kreis Ludwigsburg mit 9,3 Prozent.

Grippe-Impfstoff ist derzeit auch im Kreis Böblingen knapp

Aktuell besteht zu der seit Jahren vergleichsweise niedrigen Impfbereitschaft in der Bevölkerung zudem noch eine Knappheit an Impfstoffen. Das bestätigt der Holzgerlinger Apotheker Björn Schittenhelm: „Die Verfügbarkeit ist äußerst eingeschränkt. Es sind nur noch wenige Reste verfügbar.“ Besonders ein Vakzin gilt als schlecht lieferbar: „Der für die Über-60-Jährigen ist aktuell noch besser verfügbar als der für die Jüngeren“, sagt der Pharmazeut. Ältere Patienten erhalten einen modifizierten Impfstoff, der viermal stärker wirkt.

Zum Zeitpunkt der Bestellung der Grippe-Impfstoffe im vergangenen Jahr war die derzeit kursierende Virusvariante noch nicht bekannt. Auch daher wurde von Herstellern mit einer geringeren Nachfrage gerechnet. „Der Impfstoff wird einmal im Jahr bestellt und von der Industrie produziert. Wenn wenig nachgefragt wird, wird auch weniger produziert.“ Der Apotheker ist überzeugt: „Wäre die Impfbereitschaft höher, würde mehr bestellt und hergestellt werden.“ Etwas abgemildert habe die Situation ein Import aus Italien im Januar.

Zum Impfverhalten sagt der Pharmazeut: „Die Impfbereitschaft in den Apotheken ist nach wie vor sehr hoch. Generell sind die Quoten aber viel zu niedrig und sie sinken weiter.“ Auch das Robert-Koch-Institut spricht für 2024/2025 von der niedrigsten Impfquote seit 17 Jahren.

Ärzte beklagen niedrige Impfbereitschaft

Aus der Praxis beobachtet auch der Herrenberger Hausarzt Jürgen Nüßle eine Impfmüdigkeit, wie er vor zwei Wochen bereits unserer Zeitung sagte: „Es gibt generell zurückhaltende Patienten. Manche haben aber auch das Gefühl, dass die Liste der empfohlenen Impfungen länger wird. Das stimmt auch. Es ist aber ein gutes Zeichen, dass wir gegen immer mehr wirksam impfen können.“

Die Sindelfinger Allgemeinmedizinerin Annette Theewen berichtet: „Wir bemerken nach Corona eine ‚Impfmüdigkeit’ oder Skepsis. Das ist bedauerlich. Die Influenza-Impfung wird nämlich in der Regel sehr gut vertragen und sie schützt vor schweren Verläufen und einer Ausbreitung.“ Jürgen Nüßle sprach sich auch zum Schutz vulnerabler Gruppen für eine Impfung aus: „Lasst euch impfen, damit ihr die Oma oder das eigene Kind nicht ansteckt.“

Krankmeldungen wegen Grippe schnellen nach oben

Derzeit läuft die Grippesaison auf Hochtouren, wie Daten der AOK, die unserer Zeitung vorliegen, zeigen. Die Grippewelle wirkt sich vor allem auf die Zahl der Krankmeldungen aus. Diese ist in den vergangenen vier Wochen von 269 auf 949 pro 100 000 Einwohner um das dreieinhalbfache gestiegen. Die Inzidenz lag mit 15,2 Fällen pro 100 000 Einwohnern auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. Es wird aber von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

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