Grippesaison in Stuttgart Schule muss auf Notbetrieb umstellen – Homeschooling wie in Coronazeiten

Weil sehr viele Lehrkräfte der Grundschule Heumaden erkrankt waren, wurden Eltern gebeten, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Foto: IMAGO/Zoonar/dpa

Die aktuelle Grippewelle hat die Schulen erfasst. Die Grundschule Heumaden hat es besonders schwer erwischt. Dort wurden Eltern gebeten, ihre Kinder wenn möglich zu Hause zu betreuen.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Die Grippesaison 2025/2026 hat ungewöhnlich früh begonnen und verläuft vergleichsweise stark. Das zeigen Daten der Krankenkasse AOK zu grippebedingten Krankschreibungen, also für berufstätige Versicherte. Landesweit wurden demnach in der zweiten Januarwoche 43 Krankheitsfälle je 100 000 Versicherte gezählt. Der Wert liegt damit um die Hälfte höher als im Vorjahr.

 

Längst ist die Infektionswelle auch in den Schulen angekommen. Claudia Scherer vom Staatlichen Schulamt Stuttgart hat zwar keine statistischen Daten. „Aber meine Wahrnehmung ist, dass auch viele Lehrkräfte betroffen sind und das System seit Wochen belastet ist“, sagt sie. Die Schulen müssten derzeit alle Personalressourcen zusammennehmen und kreative Lösungen finden, um diese schwierige Situation zu überstehen.

Besonders hart hat es die Grundschule Heumaden getroffen. Dort waren am Dienstag von insgesamt 22 Lehrkräften acht Lehrkräfte krank. Darunter waren viele Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer, die viele Stunden unterrichten. Und weitere Krankheitsfälle zeichneten sich ab, denn zwei Lehrkräfte fühlten sich nicht gut. „Wir haben den Dienstag nur organisiert bekommen, indem wir vier Klassen zusammengelegt haben und weil uns die Awo als Träger des Ganztags an unserer Schule unterstützt hat“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Nadine Genzer.

Die Grundschule Heumaden hat es besonders hart getroffen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Schule brauchte einen Notfallplan und stimmte das weitere Vorgehen mit dem Staatlichen Schulamt ab. Die Eltern wurden in einer Mail über die Situation informiert und gebeten, ihre Kinder, wenn möglich, einen, zwei oder auch drei Tage zu Hause zu betreuen.

Lernpakete für die Kinder

Am Mittwoch musste sich eine weitere Lehrkraft krank melden. Das verbliebene Kollegium schnürte Lernpakete für jede Klassenstufe, welche von den Familien abgeholt werden konnten. Auch für die Kinder, die in die Schule kamen, verliefen die vergangenen drei Tage anders als gewohnt. Der Stundenplan wurde aufgelöst, die Klassen wurden in Stufengruppen zusammengefasst, die dann gemeinsam mit den Lehrkräften die Aufgabenpakete bearbeiteten. „Die Stimmung bei den Kindern in der Schule war dennoch gut“, sagt Nadine Genzer.

Der so gestaltete Unterricht dauerte von 8 bis 12.30 Uhr, die Awo half wieder, das Ganztagsangebot am Nachmittag fand wie gewohnt statt. Die Eltern hätten positiv und mit viel Verständnis auf die Situation reagiert und unterstützt, wo es möglich gewesen sei, sagt die stellvertretende Rektorin: „Die Schulgemeinschaft hat zusammengehalten.“ Sie betont auch, dass man einen Beitrag dazu habe leisten wollen, die Grippewelle einzudämmen.

Schulrätin lobt das Vorgehen der Schule

So sieht das auch Claudia Scherer. „Es ging auch darum, die Kinder vor Infektionen zu schützen.“ Sie lobt das Vorgehen der Grundschule Heumaden, die schnell und klar mit allen Beteiligten kommuniziert habe. „Die Schulgemeinschaft ist gut aufgestellt. Dann funktioniert so etwas auch“, sagt die Schulrätin.

Die Grundschule Heumaden war die einzige, die in den vergangenen Tagen in eine Art Notbetrieb schalten musste. Und auch dort ist Besserung in Sicht. Ab Montag soll der Schulbetrieb wieder normal laufen, auch wenn dann noch immer Lehrkräfte krankheitsbedingt fehlen werden.

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