Grippewelle im Kreis Esslingen Volle Praxen und Kliniken – Ist das Schlimmste bald vorbei?

Diagnose Grippe: Viele Menschen liegen derzeit krank im Bett. Foto: Philip Dulian

In den vergangenen Wochen haben sich viele Menschen im Kreis Esslingen mit Influenzaviren angesteckt. Das fordert vor allem die Medius Kliniken heraus. So ist die aktuelle Lage.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Fieber, Schüttelfrost, Husten und Gliederschmerzen: Die Grippewelle rollt durch Baden-Württemberg – und auch im Kreis Esslingen haben sich viele Menschen mit Influenzaviren angesteckt. Das zeigen aktuelle Daten der Krankenkasse AOK, bei der die meisten Berufstätigen versichert sind, sowie des Robert-Koch-Institutes (RKI).

 

Winterzeit ist Viruszeit. Das ist zwar eine Binsenweisheit und jedes Jahr zu beobachten. In dieser Saison aber schnellen die Infektionszahlen in einigen Teilen des Landes früher als sonst üblich in die Höhe und betreffen aktuell alle Altersgruppen, teilt das RKI mit. In der vierten Meldewoche 2026 gabe es demnach die meisten Influenzainfektionen im Kreis Ludwigsburg mit 20,6 Fällen pro 100.000 Einwohner, gefolgt vom Kreis Esslingen (15,7), dem Kreis Böblingen (15,2) und dem Rems-Murr-Kreis (12,5). Landesweit wurden 24,1 Fälle gemeldet.

Das klingt nach einem relativ geringen Wert, man muss aber bedenken, dass das RKI nur die Influenza-Fälle darstellt, die im Labor diagnostiziert wurden. Die Statistik der AOK hingegen berücksichtigt auch die ambulanten Arztbesuche und stationären Behandlungen wegen grippeähnlicher Symptome. Die Zahl der Krankschreibungen wegen akuten Infektionen der Atemwege, Grippe und Pneumonie liegt deutlich höher: Im Kreis Ludwigsburg wurden Mitte Januar 963 Fälle pro 100.000 AOK-Versicherten gemeldet, im Kreis Böblingen 949 Fälle und im Rems-Murr-Kreis 945 Fälle. In Esslingen wurden 875 grippekranke Arbeitnehmer verzeichnet.

Notaufnahmen verzeichnen stark erhöhte Zahl an Patienten mit Influenza-Infektionen

„Viele Hausarztpraxen berichten über eine erhöhte Zahl an Patientinnen und Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen, darunter auch Influenza“, berichtet die Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, Susanne Bublitz. Ähnlich sieht es in den Medius Kliniken des Landkreises Esslingen aus. Laut ihrem Sprecher Max Pradler ist die Grippewelle in allen drei Häusern in Ostfildern-Ruit, Nürtingen und Kirchheim deutlich spürbar: „Seit einigen Wochen verzeichnen wir eine stark erhöhte Zahl von Patientinnen und Patienten mit Influenza-Infektionen – sowohl in den Notaufnahmen als auch im stationären Bereich.“

Im Vergleich mit einem durchschnittlichen Winter ohne ausgeprägte Grippewelle sei die Zahl der stationären Aufnahmen aufgrund von Influenza erhöht. Viele Patientinnen müssten aus Infektionsschutzgründen sogar isoliert betreut werden, informiert Pradler. „Das bringt zusätzliche organisatorische und personelle Anforderungen mit sich.“

Medius Kliniken: Personelle Situation durch krankheitsbedingte Ausfälle angespannt

Auf solche saisonalen Belastungsspitzen seien die Kreiskrankenhäuser zwar eingestellt. Doch auch den Medius Kliniken selbst macht die Grippewelle zu schaffen: Die personelle Situation sei – wie in vielen anderen Häusern derzeit auch – durch krankheitsbedingte Ausfälle angespannt. Dennoch, versichert Pradler, „befindet sich die Versorgung weiterhin in einem kontrollierten und stabilen Rahmen“.

Anders als etwa in Reutlingen, wo das dortige Klinikum jüngst sogar Operationen absagen und Ärzte aus dem Urlaub zurückbeordern musste, kommt es laut Pradler in den Medius Kliniken „derzeit weder zu Einschränkungen noch zu Verschiebungen medizinisch notwendiger Behandlungen“. Die Kapazitäten würden ständig an die aktuelle Lage angepasst, hießt es seitens der Klinik. Dort zeigt man sich verhalten optimistisch: „Nach unserer Einschätzung wurde der Höhepunkt der Grippewelle in der vergangenen Woche erreicht, inzwischen ist eine leichte Entspannung zu beobachten“, teilt Pradler mit.

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