Größenwahn Trumps monumentale Pläne im Jubiläumsjahr
Kommt jetzt die Abrissbirne für den weltberühmten Kulturpalast am Potomac? Donald Trump entscheidet eigenmächtig, das nach ihm umbenannte Kennedy Center für zwei Jahre schließen.
Kommt jetzt die Abrissbirne für den weltberühmten Kulturpalast am Potomac? Donald Trump entscheidet eigenmächtig, das nach ihm umbenannte Kennedy Center für zwei Jahre schließen.
Der 250. Geburtstag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten wird der letzte Tag des Kennedy Centers in seiner jetzigen Struktur sein. Was aus der 1971 eröffneten Kulturikone wird, bleibt unklar. Auf seinem Netzwerk „Truth Social” verkündete der Präsident, er habe entschieden, die nach ihm umbenannte Institution „vorübergehend für Bau, Revitalisierung und kompletten Wiederaufbau“ zu schließen. Das Kennedy Center soll vom Unabhängigkeitstag am 4. Juli für zwei Jahre schließen. Die Bauarbeiten würden sofort beginnen. Mithilfe „vieler hoch angesehener Experten“ werde man „ein müdes, kaputtes und heruntergekommenes Zentrum in eine Weltklasse-Bastion der Kunst, Musik und Unterhaltung verwandeln“. Die Finanzierung sei gesichert.
Trump behauptet seit Langem, das Bauwerk sei von Ratten geplagt, die Aufzüge seien kaputt. Tatsächlich liegt die letzte Renovierung keine sieben Jahre zurück. 2019 war diese für mehr als 250 Millionen Dollar beendet worden. Viele Einwohner Washingtons fragen sich, ob dem von John F. Kennedy konzipierten Kulturzentrum dasselbe Schicksal droht wie dem Ostflügel des Weißen Hauses. Den historischen Anbau hatte Trump in einer Nacht- und Nebelaktion Ende Oktober abreißen lassen. Dort soll nun ohne Mitwirkung des Kongresses auf 8300 Quadratmetern ein gewaltiger Ballsaal entstehen.
Die Kongressabgeordnete Chellie Pingree wirft Trump vor, das Kennedy Center „zerstört zu haben”. Sie ist die ranghöchste Demokratin in dem Ausschuss, der für die Finanzierung des Centers zuständig ist. Von Anfang September bis Mitte Oktober 2025 blieb fast jeder zweite Sitz leer. Die Ticketeinnahmen halbierten sich. Trump habe die Institution „zu einem Ort gemacht, an dem Künstler nicht auftreten und Einzelpersonen keine Aufführungen besuchen wollen”.
Kritik kam aus der Kennedy-Familie. Enkel Joe Kennedy III bezeichnete die Schließung als „schmerzhaft“. Das Zentrum sei als gemeinsamer Verbindungspunkt gebaut worden. „Lasst euch nicht davon ablenken, was diese Regierung tatsächlich auszulöschen versucht: unsere Verbindung, unsere Gemeinschaft und unser Engagement für die Rechte aller.“ Über seine konkreten Pläne für den Umbau schweigt Trump. Der von ihm eingesetzte Direktor Richard Grenell, ehemals Botschafter in Deutschland, verriet nicht, was dies für die Mitarbeiter bedeutet. „Wir werden in den kommenden Tagen weitere Informationen über personelle und betriebliche Änderungen haben.“
Trump hatte mit der von ihm angeordneten Umbenennung des Kulturzentrums in „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ massive Proteste und Abonnement-Kündigungen ausgelöst. Dutzende Künstler und Produktionen sagten Auftritte ab. Die Washington National Opera kündigte an, ihre langjährige Heimat zu verlassen. Inzwischen haben alle Programmplaner der einst 2000 Veranstaltungen im Jahr den Kennedy-Center aus Protest verlassen.
Während das Ostflügel-Projekt vor Gericht feststeckt, will Trump in Kürze mit dem Bau eines „Unabhängigkeitsbogens“ nahe dem Soldatenfriedhof von Arlingtons beginnen. Der soll der größte Triumphbogen der Welt werden. Trump entschied sich laut Washington Post für eine 76 Meter hohe Variante. Das wäre mehr als doppelt so hoch wie das nahe Lincoln Memorial oder viermal so hoch wie das Weiße Haus. Die monumentalen Dimensionen bereiten Experten Sorge, weil ein Bauwerk dieser Größenordnung das Zusammenspiel zwischen den Gebäuden der Umgebung maßgeblich beeinflussen würde.
Vom geplanten Standort an der Arlington Memorial Bridge aus besteht freie Sicht auf ein historisches Gebäude auf dem Hügel des Soldatenfriedhofs. Trumps neuer Triumphbogen würde diese Sichtachse beeinträchtigen. Auch bei diesem Projekt versucht Trump, den Kongress zu umgehen, der bei Regierungsbauten auf Bundesland ein gesetzlich verbrieftes Mitspracherecht hat.