Normalerweise organisiert der Vorsitzende des Weiler Livemusik-Fördervereins „Groove Tonight“ verschiedene Events und arbeitet hauptberuflich im Mode- und Echtschmuckvertrieb. Bereiche, die in dieser Zeit komplett auf Eis gelegt waren. Allerdings hatte Eric Richter durch die ungewollte Pause auch die Möglichkeit, sich einem fünf Kilo schweren Wälzer über den Impressionisten Vincent Van Gogh zu widmen, der zuvor monatelang ungelesen in der Wohnung gelegen hatte. Und aus diesem Leseerlebnis wurde eine echte Leidenschaft.
Buch mit Briefen des Künstler wirken wie ein Sog
„In dem Buch sind 300 Briefe abgedruckt, die Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo geschrieben hat“, beschreibt Eric Richter. Dadurch sei van Goghs Leben sehr gut dokumentiert worden, denn die Briefe lesen sich wie eine Mischung aus Tagebuch und Berichterstattung. „Als ich begonnen habe zu lesen, war das wie ein Sog – ich konnte einfach nicht mehr aufhören.“
Fragt man Eric Richter, warum van Gogh so eine Faszination auf ihn ausübt, gibt er drei Aspekte zur Antwort. Zum einen sei da die Kunstform des Impressionismus, die ihn schon immer angesprochen habe. Zum anderen sei die Zeit der Industrialisierung, in der der Künstler lebte, hochinteressant. Doch die größte Anziehung entsteht durch den Charakter des Künstlers. „Van Gogh war durch seine innerliche Zerrissenheit eine unheimlich faszinierende Persönlichkeit.“
Jede Menge Expertenwissen angesammelt
Bestimmte Anekdoten, dass der Künstler sich beispielsweise unter dem Einfluss von Absinth das Ohr abgeschnitten hat, sind natürlich allgemein bekannt. „Aber ich habe auch viel erfahren, was ich vorher nicht wusste.“ Zum Beispiel, das van Gogh keineswegs mit dem Pinsel im Mund geboren wurde, sondern bis zu seinem 27. Lebensjahr gar nichts mit Malerei am Hut hatte. Sämtliche Techniken musste sich der Niederländer mühevoll selbst erarbeiten, bevor die großen Werke zustande kommen konnten. „Er hat eine sehr schwankende Lebensgeschichte, das ist sehr interessant“, so Eric Richter.
Mittlerweile hat Erich Richter daheim eine regelrechte kleine Van-Gogh-Bibliothek und hat sich eine Menge Wissen angesammelt. Denn wenn sich der Hausener einer Künstlerbiografie widmet, werden die Bücher nicht nur gelesen, sondern auch durch kleine selbst geschriebene Zusammenfassungen verinnerlicht.
Mehr als 900 Follower auf Instagram
Eine weitere Eigenschaft des 62-Jährigen ist zudem, dass er seine Begeisterung gern mit anderen Leuten teilt. Und das geht am besten über die sozialen Medien. „Zu meiner Überraschung habe ich aber festgestellt, dass es auf Social Media keine Van-Gogh-Fanpage auf Deutsch gibt“, meint Eric Richter. Also begann er, diese Seiten einfach selbst aufzubauen und mit seinen Kurzzusammenfassungen zu füllen.
Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass Eric Richter mit seiner Van-Gogh-Leidenschaft nicht allein ist. Über 900 Menschen folgen bereits seiner Instagram-Fanpage, über 600 Follower zählt die Facebook-Seite „Vincent Forever“. Der Austausch unter den Posts boomt. Also hat Eric Richter beschlossen, noch einen Schritt weiterzugehen. Im November wird er in Weil der Stadt erstmals ein VHS-Seminar zum Thema Leben und Werk des Vincent Van Gogh geben.
Im Sommer sind geführte Reisen in die Provence geplant
Im Sommer dieses Jahres möchte er darüber hinaus geführte Van-Gogh-Reisen von Freiburg in die Provence anbieten, wo der Künstler die meisten seiner Werke gemalt hat. „Ich war selbst im letzten Jahr auf eigene Faust in der Provence unterwegs, um mir die gemalten Schauplätze anzuschauen“, so Eric Richter. „Die Orte live zu sehen, die man von den Bildern kennt – das waren richtige Gänsehautmomente.“
Eric Richters geführte Reisen sollen per Bus stattfinden, eine siebentägige Variante im Juni und eine fünftägige Low-Budget-Version für Studenten im August. Allerdings steht derzeit noch nicht fest, ob die Reisen pandemie-bedingt auch tatsächlich stattfinden oder erst im kommenden Jahr in Angriff genommen werden können.
Aber egal, wann die Reisen tatsächlich losgehen – schon jetzt ist der Weil der Städter „Event-Creator“ stolz, dass er es geschafft hat, das Vermächtnis von Vincent van Gogh unter den deutschen Fans wieder ein bisschen aufleben zu lassen. „Es ist toll, dass er nun wieder mehr gewürdigt wird – das hat dieser Mann einfach verdient.“
Eric Richter
Beruf
Der gebürtige Kassler (Jahrgang 1959) gründet 1979 eine Werbeagentur, die er sieben Jahre führt. Später wird er selbstständiger Handelsvertreter für Modeschmuck und Accessoires. Im Jahr 2000 zieht es ihn in den Raum Stuttgart, seitdem wohnt er in Weil der Stadt-Hausen.
Live-Musik
. Im Jahr 2015 ist Richter Mitbegründer des Vereins „Groove Tonight“. Vereinsziel ist es, talentierten Musikern regelmäßig Auftrittsmöglichkeiten zu bieten und ihnen faire Gagen zu bezahlen. Seit 2018 ist Richter als Livemusik-Manager für Weil der Stadt tätig und organisiert unter anderem den Strandsommer.
Vincent forever
. Auf den gleichnamigen Facebook- und Instagram-Seiten hat er zusammen rund 1500 Follower.