Großartig wohnen in Blaubeuren auf der Alb Traumhaus mit Albblick
Wie aus dem Fels gehauen und fein gemacht: So entstand mit Liebe zum Detail ein Einfamilienhaus in Blaubeuren, das sich in ein Wohnhaus für viele verwandeln kann.
Wie aus dem Fels gehauen und fein gemacht: So entstand mit Liebe zum Detail ein Einfamilienhaus in Blaubeuren, das sich in ein Wohnhaus für viele verwandeln kann.
Vielleicht ist es eine gute Idee, sich wieder unter die Leute zu begeben, dann sind die Wege kürzer, und wenn man etwas vom Bäcker oder aus der Apotheke braucht, ist damit nur ein kurzer Spazierweg verbunden. Zumal wenn die Kinder schon groß sind und das Wohnen abseits der Menge mit viel Platz fürs Spielen im Garten nicht mehr wirklich nötig ist. Und – es ist ein schönes Wagnis, noch einmal ein großes Projekt zu stemmen, zu versuchen, alles richtig und gut zu machen.
Das Bauherrenpaar Leonore und Hans Autenrieth hat sich also entschieden, nach dreißig Jahren sein Haus außerhalb Blaubeurens zu verlassen und ein neues mitten in der Stadt nur wenige Meter entfernt vom Blautopf-Museum zu bauen. Wenn die beiden den Besuch begrüßen, ist ihren entspannten Mienen und dem heimlichen Stolz im Blick anzusehen, dass alles so gekommen sein muss, wie gewünscht.
Ein Geschenk hat sich das Paar nicht nur selbst gemacht, sondern der Stadt, den Passanten. Das Haus bildet einen selbstbewusst eindrucksvollen mehreckigen Ruhepol inmitten einer stilistisch heterogenen Umgebung aus zusammengewürfelten Bauten und Orten zwischen Sparkasse, Parkplätzen, Friedhof, Wohn- und Schulgebäuden. Auch das Urgeschichtliche Museum ist nahe, das die Frau vom Hohle Fels beherbergt – die sogenannte Venus vom Hohle Fels ist die bisher älteste bekannte von Menschenhand geschaffene Frauenfigur.
Auf einem Restgrundstück, schon lange im Besitz der Familie, ist dieses polygonale Gebäude entstanden. Unaufgeregt, etwas trutzig, geheimnisvoll schaut es aus, das Gebäude mit seiner hellen gebrochenen Muschelkalkfassade und den aus gutem Grund unregelmäßig gesetzten Fenstern und Ausschnitten für eine überdachte Terrasse. Wie ein edel geschliffener Stein.
Die Architekten Berthold Braunger und Marcus Wörtz vom Büro Braunger Wörtz Architekten im benachbarten Blaustein nahe Ulm sind auch schon da. Vorsichtig fragender Blick, ob das in Ordnung sei. Mit „das“ meint der Bauherr den dezent an die Betonwand angebrachten klappbaren Sitz. Ein überraschtes Lächeln der Architekten. Ja, natürlich.
So zeigt sich der gegenseitige Respekt der Beteiligten, die sich während des Ganges durch das Haus und den Gesprächen an den gelungenen Handwerksarbeiten erfreuen, sich gegenseitig ihrer Wertschätzung versichern und über jene schwärmen, die längst wieder andernorts arbeiten – die Rohbaufirma, die Schreiner, Zimmerer, Lichtplaner, Techniker, Ingenieure, Schlosser.
„Man merkt schnell, ob es passt“, sagt Architekt Braunger. „Ort und Bauherrschaft sind einzigartig, es ist selten. Die Planung und Bauausführung mit so viel Liebe zum Detail wäre unter Zeitdruck nie so entstanden.“ Die Liebe zum Detail lässt sich direkt spüren beim Anfassen des samtweichen hölzernen Handlaufs an der Treppe etwa, der so geschmeidig in der Hand liegt und natürlich eine Maßarbeit ist. Zuweilen haben sich schier Freundschaften gebildet. „Als die Schreiner nach acht Monaten alles zusammengebaut hatten, waren sie fast traurig, dass sie nun fertig sind und gehen müssen.“
Die Wertschätzung fürs Material, fürs gut Gemachte ist auch biografisch verankert, die Architekten sagen, sie sehen sich selbst als Handwerker. „Wir sind selbst aus Handwerkerfamilien, mein Vater war Maurer, der von Marcus Wörtz war Schreiner.“ Die Architekten führen ihr Büro schon seit über zwanzig Jahren, planen viele öffentliche Gebäude, haben sich auch schon früh mit Umnutzungen und Umbau im Bestand beschäftigt.
Die Anfrage der Bauherren positiv beantwortet zu haben, scheint eine gute Idee gewesen zu sein. Die Ansichten darüber, wie man gut baut, passten auf beiden Seiten. Bauherren und Architekten ließen sich Zeit, drei Jahre dauerte die Planung, drei Jahre der Bau, im August 2022 ist das Ehepaar eingezogen. „Wir haben uns gemeinsam an das Projekt herangetastet, sowohl die Bauherrn wie wir Architekten waren bereit, alle Planungswege und Konzeptideen mitzugehen“, sagt Marcus Wörtz.
Es war auch für die Bauherren gut, sich langsam vom alten Haus, in dem sie dreißig Jahre gewohnt hatten, verabschieden zu können. Leonore Autenrieth sagt: „Jetzt können wir alles erlaufen, den Bäcker, den Arzt, die Post, die Wochenmärkte.“
Ihre Einkäufe tragen die Hausherren hinauf in den zweiten Stock, denn in der bel étage finden sich Räume, die so geplant sind – mit Anschlüssen für Bad und Einbauküche – dass sie leicht in mehrere Apartments mit eigener Loggia abgetrennt werden können. So ließe sich das Einfamilienhaus ohne große Umbauarbeiten in ein Mehrfamilienhaus verwandeln. Häufig ist dies aktuell noch das Reich der Tochter.
Falls die Taschen besonders scher sind, gibt es auch noch einen Aufzug. Der Lift und auch die Badezimmer, die selbst für Menschen funktionieren, die einen Rollstuhl benützen, machen das Haus fit für ein möglichst langes Leben daheim auch im Alter.
Deshalb und wegen des umweltfreundlichen Energiekonzeptes mit Wärmepumpe und PV-Anlage erhielt das Haus den Hugo-Häring-Preis 2023 des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten und wurde von einer Architektenjury des DAM (Deutsches Architekturmuseum Frankfurt) unter die 50 besten Einfamilienhäuser 2023 gewählt. Vorerst aber bleibt es das Zuhause des Ehepaares und der erwachsenen Tochter.
In der zweiten Etage weitet sich der Blick. Ess- und Wohnbereich gehen ineinander über, der Raum öffnet sich nach oben, vom dritten Stock schaut man nämlich von einer Galerie hinunter in den Wohnraum. Eine rund fünf Meter von der Decke baumelnde Leuchte lenkt den Blick und betont die Offenheit des Wohnbereiches. Geht man einige Schritte weiter, kommt man zur schwarzen Einbauküche, von dort aus betreten die Bewohner die überdachte tiefe Terrasse.
Hinter dem Küchenbereich wiederum schließt sich das vergleichsweise kleine behagliche Rückzugswohnzimmer mit Sofa, Sessel und einem Ofen aus geöltem Schwarzstahl an. Dezent sind die Stoffe – man lebt hier schließlich naturnah auf der Alb, da passt Forstgrün besser als knalliges Pink.
Das Haus steht inmitten der Stadt und nicht alle Gebäude möchte man wirklich dauernd sehen. „Wir haben lauter gute Nachbarn“, versichern die Bauherren. Um ihnen dennoch nicht auf den Balkon zu schauen – und selbst auch Privatsphäre zu haben, wurde der Baugrund zurückhaltend genutzt. „Wir haben mehr Abstand von den Nachbarhäusern gehalten als wir müssten“, erklären die Architekten. Es sollte möglichst wenig Boden versiegelt werden, auch die imposante alte Rotbuche durfte bleiben.
Und es wurden die Sichtachsen penibel genau geplant. Mit einem Hubsteiger, auf dem die Bauherrin in die Höhe schwebte, konnte sie sehen und bestimmen, wohin der Blick aus den Fenstern später einmal schweifen sollte.
Die Aussichten aus den Fenstern bieten Blicke auf die Bäume, den Blaufels, den Himmel – eine gerahmte Landschaft, als stünde das Haus mitten in der Natur. Um vom Trubel in der Stadt nicht gestört zu werden, sind die Fenster dreifach verglast, die Außenwände 55 Zentimeter stark für besten Schallschutz und Wärmeschutz im Winter und Hitzeschutz im Sommer.
Viel unbehandeltes Eichenholz kam zum Einsatz, bei den Einbauten, den Fenstern, Wänden, Böden, der Zement für den Beton wurde aus der nahen Umgebung angeliefert ebenso der Kalkstein für die Fassade. Illerkies wurde für den Beton verwendet, Kalkriesel kam von der Schwäbischen Alb.
Natur- und Nichtfarben, Eiche, Schwarz, Weiß, Grau dominieren im Haus. In der Etage unter dem Dach finden sich die Schlaf- und Baderäume mit Sauna und großer, komplett uneinsehbarer Dachterrasse, die bietet ausreichend Platz für Liegestühle. „Ich mag die Schlichtheit und das ehrliche Material, das uns die Architekten vorgeschlagen hatten“, auch die fast sakrale Anmutung des Hauses, die dem Besuch auffällt, war gewünscht. Hochwertig und damit langlebig darf und soll es sein, protzig bunt nein.
Die Bauherren sagen, sie wollten „etwas Gutes bauen“. Das ist ihnen gemeinsam mit den Architekten gelungen. Vielleicht ist es nicht für die Ewigkeit gemacht, aber wenn man in unmittelbarer Nähe zu Fundstücken lebt, die Jahrtausende alt sind, denkt man besser nicht in den üblichen Lebenszyklen von dreißig bis vierzig Jahren. Architekt Wörtz sagt über die Idee zur Gestaltung, das Haus wirke „wie ein Felsbrocken, der die Alb herunterkullert ist und von dem man sagt, der ist schön, der bleibt hier liegen.“
Und es ist keine vermessene Prognose zu sagen, dass dieser elegante Wohnbrocken lange, lange Zeit hier liegen bleibt und mit Leben erfüllt sein wird. „In der Architektur steckt soziologisch ein Riesenpotenzial. Das muss nicht alles erklärt werden – Architektur sendet von alleine etwas aus“, sagt Berthold Braunger in einer Publikation über das Büro: „Wir hoffen, dass unsere Architektur positive Vibes vermittelt.“ Das tut sie. Blaubeuren ist um eine Sehenswürdigkeit reicher.